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"Schwarze Schafe überall" Wirtschaft übt Selbstkritik

Angesichts der schweren Vorwürfe gegen Post-Chef Klaus Zumwinkel ist die deutsche Wirtschaft um Schadensbegrenzung bemüht. Industrie-Präsident Jürgen Thumann sprach sich in der "Bild am Sonntag" für eine Ausgrenzung krimineller Wirtschaftsführer aus: "Wer gegen die Spielregeln verstößt, stellt sich gegen die Wirtschaft. Der verdient nicht die Unterstützung seiner Kollegen. Wir werden uns nur vor diejenigen stellen, die nach Recht und Gesetz, Ehre und Gewissen arbeiten. Wer das nicht akzeptiert, gehört nicht mehr dazu."

Unternehmenskultur gefordert

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) forderte seine Mitgliedsfirmen auf, in den Betrieben "offen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern über die eigene Unternehmenskultur" zu sprechen. Nicht nur viele Familienunternehmer, "auch die übergroße Mehrheit der Manager ist zu Recht besorgt angesichts des Schadens, den der eigene Berufsstand durch das Fehlverhalten einer kleinen Gruppe nimmt", schrieb DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun in einem offenen Brief, der der "Welt am Sonntag" vorliegt.

Einsatz für die Kaufmannsehre

So frustrierend diese Erkenntnis sei, so wichtig sei es, "dass wir uns jetzt für ein verantwortungsvolles Unternehmertum einsetzen, indem wir unserer Vorbildfunktion im Großen und Kleinen gerecht werden und uns im unternehmerischen Alltag als 'ehrbare Kaufleute' verhalten", schreibt der DIHK-Präsident. "Denn wahr ist: In Hunderttausenden Unternehmen in Deutschland arbeiten Geschäftsleitung und Belegschaften am gemeinsamen Erfolg."

Man müsse auch "gemeinsam dafür kämpfen, dass dieser guter Einsatz und die erreichten Erfolge nicht von einigen wenigen beschädigt wird, die ohne Maß agieren". Braun appelliert an die Firmen, klarzumachen, "dass Steuerhinterziehung und Bereicherung zulasten der Gemeinschaft der Steuerzahler oder zulasten des eigenen Betriebs bei ihnen keinen Platz hat".

Priester, Gewerkschafter und Manager

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt räumte ein, dass es zu viele Fälle von Manager-Fehlverhalten gebe. Das bedrücke ihn außerordentlich, "wir sollten aber nicht von Glaubwürdigkeits-Problemen der Wirtschaft insgesamt sprechen". Hundt warnte davor, Unternehmer und Manager in ein zu schlechtes Licht zu rücken. "In der überwiegenden Zahl der Fälle" würden Unternehmensführer ihrer Vorbildfunktion gerecht. "Schwarze Schafe gibt es überall. Das gilt für Priester, Gewerkschafter und Manager", meinte Hundt. Er hält es für möglich, dass es die Wirtschaft nun schwerer haben wird, mit ihren Forderungen Gehör zu finden.

Manager-Geh älter veröffentlichen

Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) ist für rasche Konsequenzen aus dem Fall Zumwinkel. "Ich werde im Präsidium der CDU vorschlagen, die Veröffentlichungspflichten von Managern mit hervorgehobener Funktion in der deutschen Wirtschaft dramatisch zu erhöhen. Für alle sichtbar sein müssen: Gehalt, leistungsbezogener Bonus, Rentenvereinbarungen, zudem weitere Ansprüche für die Zeit nach dem Ausscheiden, etwa die lebenslange Zusage einer Sekretärin oder eines Dienstwagens", sagte er der "Welt am Sonntag". Vorstöße der SPD, die Höhe von Managementgehältern zu beschränken, hält Oettinger für fragwürdig. Aber: "Je weiter sich Managergehälter von der allgemeinen Gehaltsentwicklung entfernen, desto höher sind die Kriterien, die man an Leistung und Verhalten anlegen muss."

Kultur der Maßlosigkeit

Der Vorsitzende der Gewerkschaft ver.di, Frank Bsirske, sprach sich für eine Steuer von 80 Prozent auf Managergehälter ab zwei Millionen Euro aus. "Hier hält eine Kultur der Maßlosigkeit Einzug", kritisierte er in der "Bild am Sonntag". Er stimme in Aufsichtsräten, denen er angehöre, schon länger gegen die Anhebung von Managergehältern. Die Eigner setzten diese Gehaltsexplosionen oft einfach durch. Bsirske: "Deshalb müssen wir für eine ordentliche Besteuerung sorgen." Die Einnahmen sollten "in den Ausbau unserer Schulen, Kindertagesstätten, Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen fließen".

Quelle: n-tv.de

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