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Dutroux sagt aus "Wollte die Mädchen schützen"

Der Kinderschänder Marc Dutroux hat seine Richter am Mittwoch mit völlig neuen Versionen zur Entführung mehrerer Mädchen überrascht.

Bei seiner ersten Vernehmung im Schwurgericht von Arlon bezeichnete er den Angeklagten Michel Nihoul als Auftraggeber und Chef eines pädophilen Netzwerks. Dutroux räumte ein, zwei überlebende Minderjährige sexuell missbraucht zu haben. Für die Existenz seines Kellerverlieses, in dem die entführten Mädchen festgehalten wurden, lieferte er eine bizarre Erklärung: Dies habe er nur angelegt, um die Mädchen vor "Nihouls Netzwerk" zu schützen.

An der Entführung der beiden Mädchen An und Eefje im Sommer 1995 waren Dutroux zufolge zwei ihm unbekannte Männer beteiligt, die sich später als Polizisten oder andere Ordnungshüter entpuppt hätten. Bisher hatten Dutroux und der Mitangeklagte Michel Lelivre vorgegeben, die Tat allein verübt zu haben.

"Das ist eine Katastrophe"

"Ich finde es im Übrigen sehr bedauerlich, dass die Mädchen gestorben sind. Das ist eine Katastrophe", fügte der einschlägig vorbestrafte Kinderschänder hinzu. Dutroux ist der Hauptangeklagte in dem Verfahren, in dem es um die Entführung von sechs Mädchen geht, von denen vier in der Gefangenschaft starben.

Dutroux gab zu, mehrere Mädchen in deren Gefangenschaft sexuell misshandelt zu haben. "Ich habe Laetitia missbraucht in der bekannten Form", sagte Dutroux über ein Mädchen, das die Qualen überlebte und voraussichtlich Anfang April vor Gericht aussagen soll. Ihrer Mitgefangenen Sabine Dardenne, die 80 Tage in dem Keller eingesperrt war, habe er nach Oralsex Bonbons gegen den Geschmack des Spermas gegeben. Auch sie habe er auf Bestellung Nihouls entführt.

Die beiden achtjährigen Kinder Julie und Mlissa seien ihm gebracht worden. Er sei nach Hause gekommen, und Nihoul, Lelivre, der Komplize Bernard Weinstein und seine Frau Michelle Martin hätten mit den Kindern im Wohnzimmer gesessen. Seine Frau habe ihm eröffnet, die beiden Mädchen seien entführt worden und müssten für einige Zeit in seinem Haus untergebracht werden. Erst danach habe er von dem Netzwerk Nihouls erfahren. "Damals wusste ich nicht einmal, was ein Pädophiler ist", sagte Dutroux. Seiner Ex-Frau warf Dutroux vor, im Auftrag eines Polizeispitzels später auch Weinstein getötet zu haben.

Vor Nihouls Netzwerk habe er Julie und Mlissa - wie auch die später entführten Teenager Laetitia Delhez und Sabine Dardenne - in seinem Keller beschützen wollen, behauptete Dutroux. Sie seien dort verhungert, während er für 105 Tage wegen eines anderen Falls in Haft saß. Bisher hatte Dutroux stets erklärt, die beiden Kinder seien sehr schwach, aber noch am Leben gewesen, als er wieder nach Hause kam.

Am Mittwoch erklärte er nun, seine Frau habe die Kinder nicht ausreichend mit Nahrung versorgt. Er habe bisher eine andere Version des Geschehens gegeben, um Michelle Martin zu schützen. Martin, die sich als willenloses Werkzeug ihres Mannes darstellt und im November scheiden ließ, brach während Dutroux' Ausführungen in Tränen aus.

An der Entführung der beiden Teenager An und Eefje nahm Dutroux nach eigenen Worten teil, um auf Verlangen Nihouls einen Ersatz für die versteckten Achtjährigen zu bekommen.

Alle Mitangeklagten widersprechen

Dutroux' Ex-Frau sagte dagegen aus, ihr Mann und Weinstein hätten An und Eefje entführt, weil die beiden achtjährigen Mädchen Julie und Mlissa ihnen zu jung gewesen seien.

Martin beschuldigte ihren Ex-Mann auch, den Komplizen Weinstein aus dem Wege geräumt zu haben. "Ich sah, wie er das Schlafpulver in die Butterbrote tat", sagte sie. Nach Erkenntnissen der Ermittler wurde Weinstein betäubt und bei lebendigem Leibe begraben.

Nach Dutroux' Ex-Frau widersprachen auch Lelivre und Nihoul die Darstellung des Hauptangeklagten zurück. Nur er allein habe Dutroux bei der Entführung der beiden Jugendlichen An und Eefje geholfen, sagte Lelivre. Er wies auch die Darstellung zurück, er habe zusammen mit anderen die beiden Achtjährigen Julie und Mlissa in das Haus des Hauptangeklagten gebracht. Er habe die beiden Kinder nie gesehen, sagte Lelivre.

Nihoul wies jede Verwicklung in die Entführungsfälle zurück. Davon habe er nichts gewusst oder geahnt, sagte Nihoul. Er habe Dutroux nur sechs Mal im Leben gesehen und finde den sexuellen Missbrauch Minderjähriger abscheulich.

Quelle: ntv.de