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Noch keine Endzeitstimmung WorldCom bis Januar flüssig

Der Vorstandsvorsitzende des Telekommunikationskonzerns WorldCom, John Sidgmore, hat nach eigenen Angaben mit dem Chef der Börsenaufsicht über den Bilanzierungsskandal des Unternehmens "produktive Gespräche" geführt.

Noch in dieser Woche werde er Vorschläge für die finanzielle Umstrukturierung von WorldCom machen, so Sidgemore weiter. Bislang habe er keine Drohungen für eine beschleunigte Rückzahlung von Kreditlinien erhalten. Auch Stornos von Großkunden habe es noch nicht gegeben.

Ein Konkursantrag hängt nach Angaben von Sidgmore davon ab, ob die Banken dem Unternehmen neue Kreditlinien gewährten. Das Unternehmen verfüge noch über zwei Mrd. Dollar. Das erste Rückzahlungsproblem könnte im Januar 2003 auftreten.

WorldCom hatte am Montag die Prüfung der Buchführung der Jahre 1999 bis 2001 angekündigt, nachdem es bereits Anfang vergangener Woche mit dem Eingeständnis falsch gebuchter Einnahmen in Milliardenhöhe seit Anfang 2001 weltweit die Finanzmärkte in Aufruhr versetzt hatte. Die WorldCom-Gläubiger von ungesicherten Kreditfazilitäten von insgesamt 4,25 Mrd. Dollar hatten dem Unternehmen mitgeteilt, dass sie auf Grund von Vertragsverletzungen eine sofortige Rückzahlung fordern könnten.

Wegen verschiedener Verstöße gegen die Publizitätspflichten und Gebührenordnung der Technologiebörse wird die Nasdaq WorldCom am Freitag vom Markt nehmen. Eine entsprechende Mitteilung soll die Börse dem Telekomunternehmen bereits zugestellt haben. Nach dem Delisting werden die Aktien nur noch am Penny Stock-Markt Bulletin Board gehandelt. Sollte WorldCom eine Anhörung verlangen, wäre das Delisting allerdings vorerst aufgehoben.

Eine Insolvenz nach Chapter 11 des amerikanischen Konkursrechts wird unter den gegebenen Umständen immer wahrscheinlicher. Sollte der Fall der Zahlungsunfähigkeit eintreten, wurde die Anwaltskanzlei Weil, Gotshal & Manges mit den Vorbereitungen für den Antrag auf ein Insolvenzverfahren beauftragt.

Am Montag war der Handel der WorldCom-Aktie vorübergehend eingestellt worden. Nach der Wiederaufnahme brach der Kurs ein und lag mit 0,06 US-Dollar 92,8 Prozent unter dem Schlussstand vom 25.Juni.

Quelle: ntv.de