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US-Justiz greift hart durch Worldcom-Manager verhaftet

Die US-Justiz steuert einen harten Kurs gegen Bilanzkriminalität. Am Donnerstag gab es die zweite spektakuläre Festnahme binnen einer Woche. Wie am Abend bekanntgegeben wurde, nahm das FBI zwei frühere Top-Manager des insolventen US-Telekomkonzerns fest. Der Vorwurf lautet Betrug. Hintergrund sind die Fehlbuchungen des Konzerns in Höhe von fast vier Mrd. Dollar.

Bei den Festgenommenen handelt es sich um den ehemaligen Finanzchef von Worldcom Scott Sullivan und den Ex-Controller David Myers. Beide wurden in Handschellen abgeführt, obwohl sie sich freiwillig dem FBI gestellt hatten. Im Laufe des Tages wurden sie vor das Bundesgericht Manhattan gebracht, am selben Abend aber bereits wieder gegen Kaution auf freien Fuß gesetzt.

Mit einer Schuldenlast von fast 40 Mrd. Dollar hatte Worldcom im Juli nach dem Eingeständnis der Fehlbuchungen die bislang größte Insolvenz der Geschichte beantragt. Den Ermittlungen der US-Justiz zufolge hatten Sullivan und Myers im vergangenen Jahr mehr als drei Mrd. Dollar an laufenden Ausgaben als Investitionen verbucht. Die Manipulationen sollten den Absturz der Aktie abfedern.

Sullivan und Myers sollen dem damaligen Worldcom-Chef Bernard Ebbers zudem einen Firmen-Kredit von 400 Mio. Dollar eingeräumt haben, um den Verfall seines Aktienprogamms auszugleichen. Ebbers war bereits im April zurückgetreten.

Die Staatsanwaltschaft erhebt gegen die Top-Manager Anklage in sieben Punkten: Anlagebetrug, Verschwörung zum Anlagebetrug und falsche Mitteilungen an die US-Wertpapier- und Börsenaufsicht SEC in fünf Fällen. Im Fall einer Verurteilung drohen ihnen Haftstrafen von bis zu 65 Jahren und Geldbußen in Millionenhöhe.

Myers will nach den Worten seines Anwalts auf nicht schuldig plädieren, Sullivans Anwalt wollte sich nicht zu den Plänen seines Mandanten äußern. Sullivan wurde gegen eine Kaution von 10 Mio. Dollar wieder freigelassen, Myers gegen eine Kaution von sieben Mio. Dollar.

Ebbers selbst hat vor einem anderen Gremium alle Schuld an dem Bilanzskandal von sich gewiesen. Er war Anfang des Monats vor dem für Finanzdienstleistungen zuständigen Ausschuss des US-Parlaments zitiert worden. Auch Sullivan hatte sich nicht zu den schweren Vorwürfen äußern wollen.

Der ehemalige Worldcom-Chef gehört zu den Unternehmenslenkern, die Millionen aus Aktienverkäufen und mit Aktien besicherten Krediten einnahmen, bevor ihre Unternehmen zusammenbrachen.

Seit kurzem erwarten kriminelle Unternehmensmanager in den USA deutlich härtere Strafen. Vor dem Hintergrund immer neuer Finanzskandale unterzeichnete Präsident George W. Bush am Dienstag ein Gesetz gegen Unternehmensbetrügereien und Bilanzfälschungen.

Die Haftstrafen wurden von fünf auf 20 Jahre vervierfacht. Zugleich gibt das Gesetz der Polizei mehr Möglichkeiten bei ihren Ermittlungen gegen Bilanzfälscher. Das Gesetz war vergangene Woche bereits mit überwältigender Mehrheit vom Kongress gebilligt worden.

Vor einer Woche waren bereits der 77-jährige Gründer des US-Kabelunternehmens Adelphia, John Rigas, und zwei seiner Söhne festgenommen worden.

Quelle: ntv.de