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Mannesmann-Affäre Zwickel lehnt Rücktritt ab

Die jetzt erhobene Anklage in der Mannesmann-Abfindungsaffäre ist für den Vorsitzenden der IG Metall, Klaus Zwickel, kein Grund für einen Rücktritt. "Dazu gibt es keinerlei Veranlassung, da sich alle Anschuldigungen als haltlos herausstellen werden", sagte Zwickel der "Bild"-Zeitung.

Die Vorwürfe gegen ihn seien "an den Haaren herbeigezogen", so der Gewerkschaftschef weiter. Nach wie vor habe er zudem den Rückhalt seiner Organisation. Die Gewerkschaft stehe zu ihrem Vorsitzenden.

Gleichzeitig räumte Zwickel jedoch ein, in seiner Rolle bei der Mannesmann-Übernahme durch Vodafone auch Fehler begangen zu haben. Zwar habe er in seiner Funktion als Aufsichtsrat von Mannesmann nicht für die Millionen-Prämien für den damaligen Mannesmann-Chef Klaus Esser und andere Top-Manager gestimmt. Besser wäre es aber gewesen, wenn er sich nicht nur der Stimme enthalten, sondern mit einem klaren Nein seine Ablehnung deutlich gemacht hätte, räumte der Gewerkschaftschef jetzt ein. Er selbst habe aber bei der Firmenübernahme "keinen Cent" erhalten.

Die Abfindungssumme von insgesamt 30 Mio. Euro, die Mannesmann-Chef Klaus Esser erhalten haben soll, erscheint Zwickel nun im Nachhinein auch als "unanständig hoch und für keinen Arbeitnehmer nachvollziehbar". Dieser Fall zeige, dass die Globalisierung ihre hässliche Seiten hat, meint der Gewerkschaftsführer.

Er glaube nicht, dass das Image der Gewerkschaften oder der IG Metall unter der Mannesmann-Affäre leide, fügte Zwickel hinzu. In erster Linie habe er sich selbst vermeidbaren persönlichen Ärger eingehandelt.

Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf hat in der Mannesmann-Affäre am Montag Anklage gegen sechs Personen erhoben. Neben Zwickel und dem ehemaligen Mannesmann-Chef Esser ist auch der Chef der Deutschen Bank und ehemalige Mannesmann-Aufsichtsrat Josef Ackermann von der Anklage betroffen. Die Behörde ermittelt zum Vorgehen von Führungskräften und Aufsichtsräten bei der Übernahme von Mannesmann durch die britische Vodafone vor rund drei Jahren.

In dem seit März 2001 laufenden Ermittlungsverfahren untersuchen die Staatsanwälte, ob hohe Abfindungs- und Bonuszahlungen nach der Mannesmann-Übernahme durch die britische Konkurrentin rechtens waren. Nach einem rund drei Monate dauernden Übernahmepoker war Mannesmann im Februar 2000 für 188 Mrd. US-Dollar von Vodafone übernommen worden.

Mannesmann-Managern, die sich gegen die Übernahme gesträubt hatten, wurde der Deal mit millionenschweren Abfindungen aus den Kassen von Mannesmann "versüßt". Die "Abschieds-Zahlungen" wurden von einem vierköpfigen Aufsichtsrats-Gremium genehmigt, dem unter anderen der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann und der IG-Metall-Chef Klaus Zwickel angehörten.

Josef Ackermann hatte anlässlich der Bilanzpressekonferenz der Deutschen Bank erklärt, er werde auch im Falle einer Anklage nicht von seinem Amt zurücktreten. Er sehe der Entscheidung über eine Anklage gelassen entgegen.

Quelle: ntv.de