Archiv

Warnstreiks an Flughäfen ver.di zeigt die Zähne

Der Tarifstreit zwischen der Deutschen Lufthansa und der Gewerkschaft Ver.di nimmt nun scharfe Formen an. Die Gewerkschaft hat für Donnerstagmorgen zu Warnstreiks an allen größeren Flughäfen in Deutschland aufgerufen.

Ab 05.00 Uhr morgens müsse an den Flughäfen Frankfurt, München, Hamburg, Köln, Düsseldorf, Berlin und Stuttgart mit erheblichen Einschränkungen gerechnet werden, kündigte Verdi-Verhandlungsführer Jan Kahmann an. In Hamburg beginne der Arbeitskampf um 05.00 Uhr, in München um 06.00 Uhr.

Auf der Lufthansa-Basis in Frankfurt, wo insgesamt rund 20.000 Lufthansa-Mitarbeiter arbeiten, würden ab 05.30 Uhr voraussichtlich mehrere hundert Mitarbeiter der Bereiche Technik, Cargo, Catering und Passage die Arbeit niederlegen, so Kahmann. Der Warnstreik werde maximal drei Stunden dauern. Welche Auswirkungen er habe, sei nicht absehbar. "Dies hängt auch von der Reaktion der Lufthansa ab", betonte der Sprecher. Insgesamt rechnet die Gewerkschaft mit bis zu 1.000 Teilnehmern.

Die Lufthansa bedauerte die Ankündigung der Gewerkschaft. Angesichts des neuen Angebots und des voraussichtlich schwierigen Geschäftsjahres 2003 sei dies überhaupt nicht nachvollziehbar, erklärte ein Sprecher. Zwar könne man die Auswirkungen des Streiks für den Flugverkehr noch nicht abschätzen, Lufthansa werde aber alles tun, um die Auswirkungen auf die Kunden so gering wie möglich zu halten.

Ver.di hatte die Tarifverhandlungen für die 52.000 Beschäftigten des Boden- und Kabinenprsonals am Dienstag nach der vierten Gesprächsrunde vorläufig abgebrochen. Die Lufthansa habe kein neues und verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt, begründete die Gewerkschaft den Schritt.

Ver.di war mit der Forderung von neun Prozent mehr Gehalt in die Gespräche gegangen. Die Lufthansa lehnt das angesichts der Konjunkturflaute und der Risiken eines drohenden Irak-Krieges als überzogen und unrealistisch ab. Sie bietet 2,4 Prozent und gegen Ende des Jahres noch einmal 1,5 Prozent mehr. Zudem hat das Unternehmen sein Angebot ausgeweitet und um eine Ergebnisbeteiligung im Volumen von durchschnittlich 1,6 Prozent des Jahreseinkommens ergänzt. Für die Monate November und Dezember soll es eine Einmalzahlung geben.

Die Lufthansa-Aktie leidet unter den Streikdrohungen und verlor im Handelsverlauf gegen den Trend geringfügig an Wert, nachdem sie kurzzeitig im Plus notiert hatte. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Titel fast die Hälfte seines Wertes eingebüßt.

Quelle: ntv.de