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Für die Serie zu exotisch? Blade-Glider - Elektro-Schocker von Nissan

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In unter fünf Sekunden soll der Nissan Blade-Glider aus dem Stand auf Tempo 100 beschleunigen.

Aufregende Konzeptautos gibt es viele. Welche, die auch aufregend fahren, eher nicht. Diesen Anspruch möchte der Nissan Blade-Glidee gerne erfüllen. Eine Fahrt in den elektrischen Spaßmobil erklärt, warum.

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Aus aerodynamischen Gründen ist der Vorderwagen des Blade-Glieders erheblich schmaler als das Heck.

Selbst fahren? Würden man gern, darf es aber nicht. Das war den Verantwortlichen aus der Nissan-Entwicklung dann wohl doch ein bisschen heikel. Schließlich sollte der einige Millionen Euro teure Prototyp namens Blade-Glider, entstanden aus der 2013 in Tokyo gezeigten Studie, die ersten Testfahrten mit Journalisten unbeschadet überstehen.

Denn wenn zwei Elektromotoren mit jeweils 177 PS und gewaltigen 707 Newtonmeter gemeinsamen Drehmoment sich über die Hinterachse eines nur 1300 Kilo leichten Autos hermachen, heißt das für den Fahrer: Alarmstufe Rot! Der Blade-Glider schießt davon wie ein Dragster und will bei so viel Schub sauber in der Spur gehalten werden.

Wie ein Go-Kart, nur elektrisch

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Der Fahrer sitzt mittig. Seine beiden Passagiere sitzen schräg versetzt hinter ihm.

Die Insassen presst es dabei kräftig in die Sitze, um gleich im nächsten Moment mit der Brust im Vierpunktgurt zu hängen, so vehement verzögert der Elektro-Racer, dann an der nächsten Kurve. Die Kombination auf der Rennstrecke nimmt der Blade-Glider wie ein Go-Kart. Die Gewichtsverteilung soll laut Nissan bei 20 Prozent vorne und 80 Prozent hinten liegen. Es riecht nach verbranntem Gummi und unter dem Hintern spürt man deutlich, wie der Karbon-Renner stets mit dem Heck nach außen strebt, dann aber wieder weich von der elektronischen Steuerung eingefangen wird. Es gibt sogar einen Modus-Schalter, der bis zu einem gewissen Grad das Driften zulässt. Geregelter Grenzbereich sozusagen. Die Beschleunigung von null auf 100 km/h gibt das Datenblatt mit "unter fünf" Sekunden an. Was dann auch Porsche-Carrera-Niveau wäre.

Zweifellos, der Nissans Blade-Glider ist ein ultimatives Spaßgefährt. Zumindest soll es dies eines Tages werden, falls sich die weltgrößte Marke von Elektroautos zur Serienfertigung entschließen sollte. Doch das steht in den Sternen. Und wenn, ist damit sicher nicht vor 2020 zu rechnen, wie den Gesprächen mit den verantwortlichen Entwicklern zu entnehmen war.

Das alte Tesla-Konzept?

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Statt Außenspiegel gibt es kleine Kameras, die ihre Bilder auf zwei Monitore links und rechts im Armaturenbrett übertragen.

Auf die Kombination von Sportwagen und Elektroauto hatte ja ursprünglich auch Tesla gesetzt, als es einen Lotus Elise umbaute. Nissan jedoch konstruierte jetzt ein spezielles E-Chassis, das zudem noch über zwei unterschiedliche Spurweiten verfügt. Aus aerodynamischen Gründen ist der Vorderwagen erheblich schmaler als das Heck. Von oben betrachtet gleicht der Blade-Glider einem Dreieck, dem die Spitze gekappt wurde. Eine solche Form zwingt die Entwickler natürlich zu unkonventionellen Innenraumlösungen. Der Fahrer sitzt mittig. Seine beiden Passagiere schräg versetzt hinter ihm, mit üppigem Platz für die Beine und guter Sicht nach vorne. Über alle Köpfe weht eifrig der Fahrtwind: Der Blade-Glider ist nach oben hin offen. Passend dazu gibt es zwei riesige Flügeltüren. Für die große Show vor dem Straßen-Café ist also bestens gesorgt.

Entworfen und gebaut wurde der Blade-Glider in England, ein zweites Exemplar ist zu Werbezwecken im Olympia-Park von Rio ausgestellt. Der gesamte Antrieb und die Batterie stammen nicht von Nissan, sondern von Williams Advanced Engineering. Die jedoch lassen sich nicht in die Karten schauen, besonders dann nicht, wenn es um den Lithium-Ionen-Akku geht. 220 Kilowatt Leistung, das ist alles an technischen Informationen. Kapazität? Reichweite? Schweigen. Zum Vergleich: Die Batterie des Nissan Leaf hat eine Leistung von 90 kW, umgerechnet etwa 123 PS.

Nach einigen Rennrunden ist es aber nicht nur dem Fahrer warm ums Herz geworden. Beim Boxenstopp scheint der Hochleistungs-Akku förmlich zu glühen. Vor den Gittern der seitlichen Lufteintritte werden Trockeneis-Körbe zur Kühlung platziert. So etwas ist dem Kunden eines späteren Serienmodells natürlich nicht zumutbar und es bedarf sicher noch einiger Entwicklungsarbeit. Das gilt auch für die Außenspiegel: Es gibt keine, der besseren Aerodynamik wegen. An ihre Stelle treten kleine Kameras, die ihre Bilder auf zwei Monitore links und rechts im Armaturenbrett werfen. Cooles Feature, aber auf öffentlichen Straßen bis dato nur in Japan erlaubt.

Quelle: ntv.de, Michael Specht, sp-x

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