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Leistung satt im Mégane-Coupé Breitensport mit Renault-Raute

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Sportlich unterwegs: Der Mégane RS auf der Start-Ziel-Geraden in Monteblanco.

(Foto: Renault)

Mit dem neuen Mégane Coupé RS ist Renault ein erstaunliches Automobil gelungen. Das gilt für das Leistungsvermögen ebenso wie für den Preis. Erfahrungsbericht einer schnellen Runde.

Der Circuito Monteblanco liegt rund 50 Kilometer von Sevilla entfernt. Die Strecke ist  knapp 4,5 Kilometer lang und wird für Motorsport-Events ebenso benutzt wie für Erprobungs- oder Präsentationsfahrten von Autoherstellern. Die knall-gelben Coupés, die diesmal wie an der Schnur aufgereiht in der Boxengasse stehen, tragen die bekannte Renault-Raute an der Fronthaube. Nur der Rest der Autos ist irgendwie anders.

Der Name Porsche klingt nach Reifenabrieb und hochoktanigem Treibstoff, nach Rennsport eben. Der Name Renault nicht, obwohl Formel-1-Stars wie Michael Schumacher oder Sebastian Vettel mit Renault-Motoren Weltmeister-Titel errangen. Was ist schief gelaufen?

Niemand würde auf die Idee kommen, einem Porsche Cayman den Status eines lupenreinen Sportwagen abzusprechen. Er hat 265 PS, genauso viel wie ein Mégane Coupé Renault Sport, den selbst treue Kunden des französischen Herstellers nicht einmal kennen. Sehr wahrscheinlich würden sie ihre Sicht auf vermeintliche oder tatsächliche Sportwagen gründlich überdenken, wenn sie die Gelegenheit zu einer Testfahrt auf dem Circuito Monteblanco hätten.

Lenkung ohne Antriebseinflüsse

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Die Entkopplung von Lenkung und Dämpfung sorgt für Spurstabilität.

(Foto: Renault)

Von der Boxenausfahrt bis zur ersten Kurve sind es 400 Meter. Genug, um auf mehr als 120 km/h zu beschleunigen. Für die spitze Rechtskurve ist das aber eindeutig zuviel, also "in die Eisen". Die sind von Brembo, einer ausgewiesenen Fachfirma für Verzögerungstechnik. Die Bremsscheiben des Mégane RS sind vorn 340 und hinten 290 Millimeter groß. Während ein entferntes Wummern den Tempoabbau begleitet, geht es vom fünften in den dritten Gang, gleichzeitig muss mit der elektrischen Servolenkung hart eingeschlagen werden. Der zweite Gang wäre besser gewesen, denn es geht etwas zäh aus der Kurve heraus. Zu wenig Drehzahl, der Turbo giert danach, zum Glück sitzt kein Verfolger im Nacken, der wäre sonst vorbei.

Jetzt den rechten Fahrbahnrand anvisieren, es geht leicht bergan und in eine Linkskurve. Sie aufgestellten Markierungskegel helfen, den Scheitelpunkt der Kehre zu finden und den Punkt zum Herausbeschleunigen. Die Lenkung ist dabei erstaunlich neutral. Immerhin zerren in jeder Situation, wo die Drehzahl des Motors über 3000 Touren liegt, 360 Newtonmeter an der Antriebswelle. Das erzeugt enormen Schub, der Saugmotor eines Cayman bringt es zum Beispiel auf 290 Nm. Gegenüber dem normalen Mégane Coupé hat die RS-Version eine um 48 Millimeter breitere Spur an der Vorderachse. Das soll nicht nur den Fahrbahnkontakt verbessern, sondern auch das Einlenkverhalten in die Kurven.

Auf der Piste in Monteblanco kann man Letzteres gut gebrauchen, denn es gibt elf Rechts- und acht Linkskurven zu meistern. Die schönste ist ein Rechtsschwung, der über eine Anhöhe führt. Im vierten Gang kommt man angeprescht, wie es nach der Steigung um drei oder vier Meter weiter geht, ist aber nicht zu sehen. Das vorsichtige Anbremsen der ersten Runde ist einem tapferen Stehenbleiben auf dem rechten Pedal gewichen. Es wird schon niemand hinter der Kuppe angehalten haben. Die folgende Gerade geht in eine 90-Grad-Linkskurve aus, wer sich gut am Lederlenkrad festhält, kann sie im vierten nehmen.

Rennschalen mit festem Sitz

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Die Rennschalen kosten Aufpreis, sind aber ihr Geld wert.

(Foto: Renault)

Fast ein rechter Winkel ist auch die Einfahrt in die Start-Ziel-Gerade, hier radiert zum ersten Mal das Gummi hörbar über den Asphalt. Den Zug nach vorn verliert der RS dabei nicht, auch das Berühren der Curbs unterbleibt, denn die Querbeschleunigung kann dank präziser Lenkkraft und Differenzialsperre im Zaum gehalten werden. Die Sperre ist Teil des Cup-Pakets, das inklusive der erstklassigen Recaro-Rennschalen die stolze Summe von 2990 Euro kostet. Wer die stabilisierende Wirkung der Sitze einmal gespürt hat, würde wohl allein für sie so viel bezahlen.

Kurz vor dem sechsten Gang meldet sich stotternd der Drehzahlbegrenzer. 5500 Rotationen gibt der Hersteller als Maximum für die zu erreichende Leistung an. Knapp 200 km/h sind drin auf Start-Ziel, will man die Spitzkehre am Ende noch schaffen und nicht im Kiesbett landen. Ein wirkliches Duell mit dem Zuffenhausener Zweisitzer wäre an dieser Stelle wohl entschieden gewesen, doch der Rennsport-Fraktion von Renault fehlt es nicht an Selbstbewusstsein: Acht Minuten und acht Sekunden geben sie als Runden-Bestzeit auf der Nordschleife für ihre Schöpfung an.

Der Mégane im Trainingsanzug ist ein gelungenes Spaßmobil. Er zieht famos, dreht den Lader schwindlig, krallt sich in die Piste und beißt mit Vierkolben-Bremssätteln zu, bis die Scheibe glüht. Was fehlt, ist eine angemessene Begleitmusik zum Dynamik-Festival. Die Abgasanlage klingt längst nicht so provokant, wie die Leistungsdaten im Feld der Wettbewerber für Respekt sorgen. Ein bisschen mehr Mut zum Krawallsound wäre den RS-Entwicklern schon zu wünschen. Da dieser Mégane ohnehin nicht massenkompatibel sein muss, darf er auch ein bisschen frecher klingen.

Der EU-Verbrauchsnormtest ordnet den sportlichsten Mégane bei der Marke 8,2 Liter ein. Kein Wunder, Vollgasfahrten sind bei der Standard-Verbrauchsermittlung nicht vorgesehen. Ein Wert unter zehn Liter ist ebenso lebensfremd wie die 9,4 Liter, die Porsche für den Sechszylinder im Cayman angibt. Aber auf zweierlei kann man sich verlassen: Der rarante Franzose ist für 27.990 Euro zu haben. Ein Mittelmotor-Coupé mit dem württembergischen Landeswappen und vergleichbarer Ausstattung würde das Doppelte kosten.

Quelle: n-tv.de

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