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Mit SUV-Anleihen, aber ohne die ikonischen Luftkissen des Vorgängers geht der neue C4 Cactus an den Start.
Mit SUV-Anleihen, aber ohne die ikonischen Luftkissen des Vorgängers geht der neue C4 Cactus an den Start.
Freitag, 03. November 2017

Ein Cactus ohne Stacheln: Citroën geht mit C4 auf Schmusekurs

Mit einem einzigen Modell will sich Citroën in der Kompaktklasse neu aufstellen und führt dafür beide Varianten des Golf-Konkurrenten C4 in einem zusammen. Die Originalität des bislang mit großen seitlichen Luftkissen versehenen Cactus bleibt dabei allerdings auf der Strecke.

Vor gut drei Jahren überraschte Citroën mit einem sogenannten Crossover namens C4 Cactus. Das erste Auto, das durch auffallende Luftkissen sogenannte "Airbumps"  an den Seiten gegen kleine Rempler im Straßenverkehr und auf dem Parkplatz weitgehend geschützt ist. Das hochbeinige Unikum ergänzte die bekannte C4-Limousine und fand rasch viele Fans.

Die Maße des Citroen C4 entsprechen denen des Golf VII.
Die Maße des Citroen C4 entsprechen denen des Golf VII.

Die Idee eines vor allem optisch auffallenden Citroëns in der dicht besetzten Kompaktklasse rund um VW Golf, Ford Focus und anderen gefielt Markenchefin Linda Jackson und ihren Mitstreitern so gut, dass jetzt die eher konservativ gestylte Limousine dran glauben muss. Künftig tritt der Cactus alleine gegen die Heerscharen von bekannten Rivalen an.

Domestizierter Cactus

Dafür allerdings musste er gründlich "zivilisiert" werden. Beim jetzt in Paris vorgestellten Cactus-Nachfolger schrumpften die großflächigen Airbumps an den Seiten auf einen kleinen Rest oberhalb der Türschweller zusammen, das markante Gesicht muss dem neuen Einheitslook aller Citroëns weichen und das optisch schwebend wirkende Dach fällt nun leicht nach hinten ab.

Auch im Innenraum haben die Franzosen den Cactus etwas geglättet.
Auch im Innenraum haben die Franzosen den Cactus etwas geglättet.

Natürlich blieb die Grundform des derzeitigen Cactus weitgehend erhalten, ist in Summe aber nicht mehr so originell und extravagant wie bisher. Neben einem normalen Kompakten wie eben dem Golf stellt sich dennoch der gewünschte Aha-Effekt ein, da auch der neue Cactus höher als der Rest erscheint, obwohl er mit 1,48 Metern das gleiche Maß aufweist wie der Wolfsburger Bestseller. Das liegt auch an den recht breiten Kunststoffumrandungen der großen Radhäuser, in denen sich die 17-Zoll-Räder zu verlieren scheinen.

Einfache Strategie

Die Strategie der Franzosen ist recht einfach. Der normale C4 hat in der Kompakt-Riege viel Boden verloren, konnte sich gegen all die anderen kaum noch durchsetzen, während die Schwestermarke Peugeot mit den neuen 308 und auch der Renault Megane Erfolge feiern. Also besinnt sich Citroën auf die alte Tugend "Wir sind anders" und setzt vor allem auf das Thema Insassenkomfort. "Wir wollen die Marke sein, die als Volumenhersteller möglichst vielen Menschen höchsten Komfort bietet", sagt die englische Chefin Linda Jackson und nennt den neuen C4 Cactus einen "fliegenden Teppich", da er durch ein neues Federungskonzept Unebenheiten, Bodenwellen und Schlaglöcher besser wegbügeln soll als es die Konkurrenz vermag.

In den Kofferraum des Citroen C4 kann man tief abtauchen.
In den Kofferraum des Citroen C4 kann man tief abtauchen.

Dazu verfügt der Cactus über eine Eigenschaft, die schon von je her Modelle mit dem Doppelwinkel auszeichnete. Bei der Federung kommen hydraulische Elemente zum Einsatz, die in den Stoßdämpfern an beiden Enden dafür sorgen, dass harte Schläge abgefangen werden. Citroën hat 20 Patente für diese "Federung mit progressivem hydraulischen Anschlag". Zudem ist der C4 das einzige Auto in Europa, das dieses System verwendet. Nur das größere SUV C5 Aircross, das derzeit nur in China gebaut wird und im Laufe des nächsten Jahres auch nach Europa kommt, vertraut auf die gleiche Technik.

Der Sitz passt sich dem Körper an

Damit die Insassen im Cactus auch wie Gott in Frankreich reisen, gibt es ein neues Sitzkonzept, dass der Logik moderner Matratzen folgt. Dabei kommt neben dem normalen recht harten Polsterschaum eine 1,5 Zentimeter starke Auflage mit weicherem Material hinzu. Die Folge ist, dass sich der Sitz der Körperauflage anpasst und so für ermüdungsfreies Reisen ohne Rückenschmerzen sorgen soll.

Ein Display im Sichtfeld des Fahrers übernimmt die Tachoanzeige.
Ein Display im Sichtfeld des Fahrers übernimmt die Tachoanzeige.

Um auch die Akustik für die Insassen störungsfrei zu gestalten, hat Citroën seinem Cactus eine aufwendige Dämmung inklusive dicker Scheiben spendiert. Bei der ersten Sitzprobe im recht geräumigen Fond offenbart sich eine ungewöhnliche Entscheidung: Beim Cactus können die hinteren Seitenscheiben nicht heruntergefahren, sondern durch einen kleinen Spalt ausgestellt werden. Produktchef Xavier Peugeot erklärt: "Umfragen haben ergeben, dass die Menschen das nicht mehr für wichtig erachten. Also haben wir darauf verzichtet."

Wie heute üblich bietet der Neuling eine Fülle von Assistenzsystemen wie Spurhaltewarnung, Notbremsassistent, Verkehrszeichenerkennung, Rückfahrkamera oder halbautomatisches Einparken. Ein Abstandsradar ist ebenso wie LED-Licht noch nicht zu haben. Die standesgemäße Vernetzung mit der digitalen Umwelt findet sich hingegen im neuen Cactus. Apple Carplay und Mirrorlink für Android-Smartphones sind ebenfalls an Bord.

Technische Details will Citroën erst Ende des Jahres offenbaren. Fest steht, dass der neue Cactus mit drei Dreizylinder-Benzinern antritt, die das Spektrum zwischen 82 PS bis 130 PS abdecken. Hinzu kommen zwei Vierzylinder-Diesel mit 100 PS und 120 PS. Verbrauchsdaten und Preise gibt es ebenfalls noch nicht. Unterm Strich erweist sich der neue C4 Cactus aber erneut als ein mutiger, durchaus nachvollziehbarer Schritt von Citroën, in der umkämpften Kompaktklasse eine andere Formensprache zu wagen. Denn schließlich ist der Neuling der erste Cactus, der ohne Stacheln auf Schmusekurs geht.

Quelle: n-tv.de

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