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Kostengünstig, sparsam, leicht zu reparieren: der R4.
Kostengünstig, sparsam, leicht zu reparieren: der R4.(Foto: Renault)
Samstag, 06. August 2011

Kultobjekt Renault R4: Das "Bluejeans-Auto" wird 50

Als Renault 1961 seinen R4 der Öffentlichkeit vorstellt, rechnet keiner damit, dass dem Autobauer damit der große Wurf gelungen war. Die rollende Blechschachtel passt genau in seine Zeit, und nicht nur jungen Familien, sondern auch vielen Betrieben dient der R4 als fahrbarer Untersatz. Heute ist er eine Ikone.

Der Auftrag des damaligen Renault-Chefs Pierre Dreyfus an seine Ingenieure war knapp formuliert: Sie sollten ein Auto für den Normalverbraucher konzipieren - kostengünstig, leicht zu reparieren und sparsam im Verbrauch. "Bauen Sie ein Bluejeans-Auto", sagte der Manager im Jahre 1956. Fünf Jahre später war es so weit: Im Oktober 1961 wurde der erste kastenförmige R4 mit seiner spartanischen Innenausstattung beim Pariser Automobilsalon der Öffentlichkeit vorgestellt - und wohl kaum einer ahnte damals, dass Renault damit der große Wurf gelungen war. Genau 8.135.424 Exemplare des Kleinwagens rollten vom Band, bis Anfang der 90er Jahre die Produktion eingestellt wurde.

Damit sei der R4 das Auto mit den weltweit drittbesten Verkaufszahlen nach dem VW Käfer und dem Ford T aus den 20er Jahren, sagt ein Renault-Sprecher. Der R4 sei in 28 Ländern gebaut und in mehr als hundert Staaten verkauft worden. Wie viele davon heute noch unterwegs sind, kann bei Renault niemand sagen. Doch eines ist sicher - der kleine Franzose mit seinen Schiebefenstern, der stangenförmigen Revolverschaltung und den leicht herauszunehmenden Sitzen ist mittlerweile zum Kultobjekt geworden.

Zahlreiche Fan-Clubs

Und so wird sein 50-jähriges Bestehen in diesem Jahr auch gebührend gefeiert - mit Ralleys, Oldie-Treffen und Präsentationen auf Automessen. Höhepunkt der Feierlichkeiten soll eine Sonderausstellung im Automuseum der elsässischen Stadt Mülhausen sein, die am 14. November eröffnet wird. Rechtzeitig zum Jubiläumsjahr feiert der R4, in Frankreich 4L genannt, auch ein Comeback in den Kinos - als Einsatzwagen zweier Zöllner in der Komödie "Nichts zu verzollen" des französischen Filmemachers Dany Boon.

Der Kastenwagen hat sich zum Kultauto gemausert.
Der Kastenwagen hat sich zum Kultauto gemausert.(Foto: Renault)

Dass die rollende Blechschachtel noch immer viele Freunde hat, zeigt ein Blick auf die Webseiten der zahlreichen R4-Fanclubs in Frankreich, Deutschland und anderen Ländern. Hier werden Reparaturtipps ausgetauscht, Ersatzteile oder auch unterschiedliche R4-Modelle angeboten, mit oder ohne TÜV. "Der R4 war mein erstes Auto und nun habe ich wieder einen", erzählt die Straßburger Architektin Evelyne. Für 4000 Euro leistete sie sich eine generalüberholte Cabriolet-Variante, mit der sie aber nur im Sommer fährt - vorzugsweise auf kleinen Landstraßen. "Das Fahren im R4, das ist Autospaß pur", begeistert sich die 46-Jährige.

"So recht für junge Leute"

Andere schätzten die praktischen Vorzüge, die den kleinen Kastenwagen auch für Familien attraktiv machten. "Dank der Heckklappe konnten wir im Kofferraum ruckzuck unseren großen Kinderwagen zusammengeklappt unterbringen - zu einer Zeit, als Buggys noch nicht üblich waren", erinnert sich ein Familienvater. "Renault 4: So recht für junge Leute", steht denn auch auf einem Werbeplakat für Deutschland aus den 70er Jahren, das eine junge Familie beim Picknicken neben ihrem R4 zeigt.

Viele waren mit dem Kleinwagen aber vor allem beruflich unterwegs: In Frankreich wurde der R4 unter anderem von der Post, der Gendarmerie, der Feuerwehr, der Armee und dem Zoll eingesetzt - jeweils leicht zu erkennen an den Farben gelb, blau, rot, grau und weiß. Lange Zeit gehörten die kastenförmigen bunten Autos zum Bild Frankreichs wie die Bistros oder das Baguette.

"Die Behörden wollten ein billiges, im Verbrauch sparsames und leicht zu reparierendes Fahrzeug haben", sagt der Renault-Sprecher. Allein auf diese Eigenschaften sei der Erfolg des R4 aber nicht zurückzuführen. "Er passte in die Zeit der 60er und 70er Jahre". Eine Ikone ist der R4 wohl auch geworden, weil er im Laufe der Jahrzehnte praktisch unverändert blieb. Zwar seien einige technische Verbesserungen hinzugekommen, erläutert der Renault-Sprecher. "Von außen blieb der R4 aber immer gleich - und dieses Bild hat sich eingeprägt".

Quelle: n-tv.de