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5 Jahre volle Garantie Das Hyundai-Geheimnis

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Seit 100 Tagen lenkt Markus Schrick die Geschicke von Hyundai Deutschland. Zuvor arbeitete er für Ford, Toyota und Audi.

Während andere Hersteller im laufenden Jahr deutliche Umsatzeinbußen zu verzeichnen haben, bleibt Hyundai weiter auf Erfolgskurs. Grund ist nicht zuletzt die Modelloffensive der Südkoreaner, die für den hiesigen Markt mit europäischen Attributen besetzt wurde und sich explizit an den Kundenwünschen orientiert. Seit 100 Tagen hat Hyundai in Deutschland einen neuen Geschäftsführer. Mit Markus Schrick sprach n-tv.de über die Perspektiven des Autobaus und das Erfolgsrezept von Hyundai.

n-tv.de: Herr Schrick, Sie sind jetzt 100 Tage Geschäftsführer bei Hyundai Deutschland. Bevor Sie diese Stelle angetreten haben, waren Sie für Ford, Audi und Toyota tätig. Was ist bei Hyundai anders?

Markus Schrick: Ich habe noch keinen Automobilhersteller kennengelernt, der in seinen Entwicklungen und in seinen Entwicklungsprozessen so schnell ist wie Hyundai. Die Geschwindigkeit, mit der ein Kundenwunsch – wenn er sich als Trend etabliert und man sagt, dass man im Markt braucht - sich in ein neu entwickeltes Fahrzeug umsetzt, das habe ich noch nirgendwo anders erlebt.

Hinzu kommt eine Qualität, die wirklich so gut ist, dass sie mit allen anderen mithalten kann. Hyundai sagt also nicht, wir nehmen Einbußen in der Qualität hin und sind schneller, sondern wir sind qualitativ hochwertig und schnell. Das Qualitätsniveau wird auch von den Kunden so anerkannt.  Meine Aufgabe ist es jetzt, die Marke weiter ins Bewusstsein potenzieller Kunden zu rücken. Denn das Image hinkt in der Wahrnehmung den Produkten noch etwas hinterher. Dazu gehört natürlich auch, eine Kundenzufriedenheit auf höchstem Niveau zu schaffen.

Apropos Kundenzufriedenheit. Hyundai bietet auf seine Fahrzeuge fünf Jahre Garantie. Das ist außergewöhnlich, denn sogar große Hersteller beschränken sich auf lediglich zwei Jahre. Wirtschaftlich gesehen scheint der kürzere Zeitraum tragfähiger. Ist diese Gewährleistung auf lange Sicht haltbar?

Alles, was Hyundai macht, geht einher mit höchster Qualität bei der Entwicklung, der Produktion und den Arbeitsprozessen. Davon sind wir überzeugt und wollen das Vertrauen, das wir in unsere Produkte haben, an die Kunden weitergeben. Meine Erfahrung ist, dass Hyundai nicht Hyundai wäre, würde man nicht sicherstellen, dass die fünf Jahre Garantie eine Win-Win-Situation für Hersteller und Kunden schaffen. Um die Frage klar zu beantworten: Ja, es ist wirtschaftlich.

Sie haben für Toyota gearbeitet, deren Strategie und Entwicklung stark auf den Hybridantrieb fokussiert ist. Ist das tatsächlich die Zukunft des Automobilbaus und verfolgt Hyundai ähnliche Pläne?

Ich glaube, wir sind in der Marktanalyse und im Übersetzen der Kundenwünsche in neue Produkte wirklich gut. Also konzentrieren wir uns darauf, was die Mehrheit der Kunden will. Dementsprechend sieht unsere Produktpalette aus. Wichtig ist ein attraktives und progressives Design, ausgezeichnete Qualität und schneller sein als andere. Hinzu kommt, dass unsere konventionellen Antriebe mit so geringen Emissions- und Verbrauchswerten aufwarten, dass sie durchaus an die von Hybridfahrzeugen heranreichen.

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Der Hyundai i20 zählt zu den Autos mit dem geringsten CO2-Ausstoß.

Der neue i20 zum Beispiel wird von einem 1,1-Liter-Dreizylinder-Motor angetrieben, der 75 PS leistet, auf 100 Kilometer 3,2 Liter verbraucht und mit einem CO2-Ausstoß von 84g/km den besten Wert seiner Klasse aufweist. Das hat der Kunde auch nachgefragt. Wenn der Verbraucher andere Antriebsarten nachfragt, dann werden wir in unserem Baukasten relativ schnell eine Klappe aufmachen und in kurzer Zeit das bieten, was er möchte. Wenn das ein Hybridmodell ist, tun wir das. Wenn das ein Elektroantrieb ist, werden wir auch den in relativ kurzer Zeit anbieten können. 

Wir haben ein Brennstoffzellenfahrzeug, das in einem Test kürzlich ohne Tankbegleitfahrzeug, mit fünf Stopps von Oslo nach Monte Carlo gefahren ist. Der ix35 FCEV ist 2015 serienreif. Aber für diese Produkte ist eigentlich noch nicht der richtige Markt da. Und solange das nicht so ist, werden wir weiter auf konventionelle Antriebe mit entsprechend geringem Verbrauch und geringen Emissionswerten setzen.

Hyundai hat seine Entwicklungsabteilungen für das Design und für die Dieselmotoren nach Rüsselsheim verlegt und ist damit sehr erfolgreich. Gibt es vielleicht sogar  Pläne, einzelne Produktionsstrecken nach Deutschland zu verlagern?

Wir sind sehr froh, dass das europäische Entwicklungszentrum in Rüsselsheim sitzt, da dort viele Menschen arbeiten, die den deutschen und den europäischen Markt sehr gut verstehen. Hyundai hat in den wichtigen Regionen der Welt eigene Entwicklungszentren aufgebaut, die Fahrzeuge speziell für ihre Märkte entwickeln. Diese Strategie stellt sich als sehr erfolgreich heraus.

Wir haben in Europa ein auf 300.000 Einheiten ausgelegtes Werk in Tschechien und in der Türkei gerade die Kapazität von 100.000 auf 200.000 erhöht. Insofern gibt es im Augenblick keinen Bedarf, weitere Produktionsstätten zu eröffnen. Das, was nachgefragt wird, kann von den Werken, die uns beliefern, gut abgedeckt werden. Über 70 Prozent der in Deutschland und Europa verkauften Fahrzeuge werden derzeit auch in Europa produziert.

Macht es sich beim Verkauf bemerkbar, dass Fahrzeuge wie der i30 und i40 in Deutschland designt wurden?

Für uns ist es wichtig, dass das Fahrzeug dem Kundenwunsch entspricht und Made by Hyundai ist. Die Tatsache, dass der Kunde hört, das Fahrzeug wird in Deutschland entwickelt, hat sicher eine Zusatzwirkung, ist aber nicht das Wichtigste. Bedeutungsvoller ist, dass das Fahrzeug ein vernünftiges Design hat, ausgezeichnete Qualität bietet, dass man mit dem Auto  zufrieden ist und dass der Kunde etwas von der Marke bekommt, was andere eben nicht bieten.

Aber es ist doch nicht von der Hand zu weisen, dass – sieht man sich die weltweiten Verkaufszahlen des größten deutschen Autobauers an – der Stempel "Made in Germany" für etwas steht?

Wenn ich mir unseren großen deutschen Wettbewerber anschaue, dann sind die Autos, die dort produziert werden, auch von guter Qualität, ja. Dabei ist es aber egal, ob sie in Deutschland oder in einem der Werke im Ausland produziert werden. Wenn ich richtig informiert bin, gibt es sogar Werke im Ausland, die in besserer Qualität produzieren als die in Deutschland. Wichtig ist, dass jedes Auto, egal, wo es produziert wird, eine gute Qualität hat.

Also dürfte es die Kunden von Opel perspektivisch nicht interessieren, ob ihr Astra in Zukunft aus Polen oder England kommt?

Wenn die Qualität, die aus Polen kommt, ebenso gut ist wie die aus Deutschland, sollte das keine Rolle spielen. Letztlich zählt für den Kunden lediglich das Endprodukt und die angesprochene Qualität.

Wie sieht es eigentlich hausintern aus? Neben Hyundai präsentiert das Schwesterunternehmen Kia fast zeitgleich Fahrzeuge aus dem gleichen Segment. Macht man sich da nicht gegenseitig Konkurrenz?

Kia ist die Schwestermarke und somit Teil der Familie und in der Familie verträgt man sich in der Regel. Gleichzeitig ist Kia natürlich ein Wettbewerber wie jeder andere Hersteller auch. Wir haben eben von anderen großen Wettbewerbern gesprochen, letztlich ist das alles eine Kategorie, es sind Mitbewerber. Die Fahrzeuge von Hyundai und Kia sind aufgrund unterschiedlicher Design-Philosophien auch völlig anders gezeichnet und ganz unterschiedlich am Markt positioniert. Hyundai ist die wertige erwachsene Marke, während Kia eher ein junges Publikum ansprechen soll. Und wenn man sich die Entwicklung in letzter Zeit ansieht, dann muss man sagen, da ist Platz, um nebeneinander zu bestehen und sich nicht in die Quere zu kommen. Und wenn doch, dann ist das auch gesund.

Mit Markus Schrick sprach Holger Preiss

Quelle: ntv.de