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Betrug mit Hypercar Der Absturz des Milan Red

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Der Milan Red bleibt ein Traum. Über die Straßen wird er jedenfalls nicht fliegen.

(Foto: Milan)

Der Traum vom Hypercar kann, wenn er sich partout nicht erfüllen will, zu unlauteren Mitteln führen. So jedenfalls ging es einem Österreicher, der vor einiger Zeit mit der Ankündigung des Milan Red für Furore sorgte. Jetzt muss er für vier Jahre ins Gefängnis.

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Mit unglaublichen Leistungsdaten wollte der Milan Red die Sportwagen-Fans in den Bann ziehen.

(Foto: Milan)

Supersportwagen sorgen in der Wahrnehmung von Mobilisten für Aufmerksamkeit. Selbst dann, wenn es sie noch gar nicht gibt. Immer wieder treten neue Kleinserienhersteller an, um mit extremen Plänen und rasanten Versprechungen für einen beschleunigten Pulsschlag bei Automobilliebhabern zu sorgen. Dabei bieten sie zu diesem Zeitpunkt meist nicht mehr als beeindruckende technische Daten, eine Computerzeichnung oder im besten Fall ein Modell ohne Motor. Manchmal bleiben diese vorgestellten Hypercars am Ende nichts weiter als Träumereien. Im schlimmsten Fall handelt es sich aber einfach um einen durch einen Traum inszenierten Betrug.

Alles nur erfunden?

Der Milan Red zählt zur letztgenannten Gruppierung. Im vergangenen Jahr präsentierte sich das österreichische Hypercar erstmals im Netz: Ein extremer Keil, der aus einem Quadturbo-V8 mit 6,2 Liter Hubraum ohne Elektrounterstützung 1325 PS schöpft und ein maximales Drehmoment von 1400 Newtonmeter generiert. Entsprechend stellten sich auch die Fahrleistungen im Datenblatt dar. Aus dem Stand auf Tempo 100 sollte es der 1300 Kilogramm leichte Milan Red in 2,47 Sekunden schaffen, die 200-km/h-Marke sollte nach 5,46 Sekunden fallen und 300 km/h wurden laut Wertetabelle schon nach 9,98 Sekunden erreicht. Die Höchstgeschwindigkeit stellt sich erst jenseits von 400 km/h ein. Als maximale Querbeschleunigung werden 2,6 G genannt. Ach so, der Wagen hat natürlich auch drei Fahrmodi: gleiten, jagen und angreifen.

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Aus feinsten Komponenten sollte der Milan Red geschaffen sein.

(Foto: Milan)

Unterdessen wurde der 37-jährige Firmenchef Markus Fux vom Wiener Landgericht wegen schweren Betrugs zu einer Haftstrafe von vier Jahren verurteilt. Um seinen Traum zu verwirklichen, hatte er mit Experten und den feinsten Komponenten aus der Auto-Welt geprahlt: Von AVL (Anstalt für Verbrennungskraftmaschinen List) sollte der Motor kommen und vom Carbon-Spezialisten Peak Technology in Holzhausen die Ultraleicht-Teile. Nach eigenen Aussagen gehörten zu seinem Team der frühere Magna-Manager Siegfried Wolf und Pankl Racing aus dem Reich von Stefan Pierer – sie alle sollten mit ihrem Wissen für den roten Milan bürgen. Aber auch das war nur ausgedacht. Sie gehörten weder zum Milan-Team noch stellten sie ihr Know-how zur Verfügung. Der Österreicher hatte die Bereitschaft prominenter Interessenten für seinen Sportwagen einfach erfunden und mehreren Investoren auf diesem Weg fast eine Million Euro aus der Tasche gezogen. Später besorgte sich Fux weiteres Geld aus seinem engeren Umfeld.

Zu Gunsten des Angeklagten

In welchem Verhältnis beim Milan übersteigerte automobile Sehnsucht und ernsthafte Betrugsabsicht standen, muss der Verurteilte am Ende mit seinem Gewissen ausmachen. Er selbst plädierte auf "nicht schuldig" und legte ein umfassendes Geständnis ab. Das soll sich auch bei der Bemessung des Strafmaßes zu seinen Gunsten ausgewirkt haben, betonte der Vorsitzende des Schöffensenats, Christian Noe, in der Urteilsbegründung.

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Auch der Veritas ist nur ein Traum geblieben.

(Foto: Veritas)

Dass das Geschäft mit Traumautos kein einfaches ist, mussten schon einige Hersteller erkennen, deren hochfliegende Pläne nicht unbedingt aus bösem Willen scheiterten. Zu den bekanntesten Beispielen zählt die Marke Veritas, benannt nach einer alten deutschen Sportwagenlegende. Zu Anfang des Jahrzehnts machte sie mit dem RS III, einem flachen und offenen Hypercar mit reichlich PS und extremen Fahrleistungen auf sich aufmerksam. Es gab sogar fahrfertige Prototypen und die Serienproduktion wurde mehrfach angekündigt. Ob jedoch jemals ein Fahrzeug in Kundenhände gelangte, ist unbekannt. Seit 2014 ist es um Veritas still geworden.

Quelle: n-tv.de, hpr

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