Auto

Farbenspiele im Pneuhandel Für Reifen gibt's jetzt Noten

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Für Reifen gibt es jetzt auch Noten.

Ab November tragen auch die Reifen ein Gütesiegel. Für die Hersteller steigt der Aufwand. Der lohnt sich für den Verbraucher allerdings, weil zwischen den einzelnen Kategorien im Alltag viele Euro und einige Meter Bremsweg liegen.

Sie bringen das Auto auf Kurs, sorgen für Komfort, retten im Notfall Leben, und doch arbeiten Autoreifen wenig beachtet im Untergrund. Kaum ein Autofahrer nimmt sie zur Kenntnis, und wenn er sein Automobil beschreibt, stehen Leistung, Drehmoment oder die Wattzahl der Audioanlage im Vordergrund – Reifen spielen eine Nebenrolle und rücken höchstens dann in den Vordergrund, weil die tollen Felgen ohne Gummi irgendwie seltsam wirken würden.

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Für die Einstufung der einzelnen Reifen sind die Hersteller selbst verantwortlich.

Von November an könnte sich allerdings die Wahrnehmung der Reifen deutlich ändern. Denn an diesem Datum kommt Farbe in die ansonsten schwarz dominierte Reifenwelt. Wie bei Küchengeräten seit 1992 und Automobilen seit dem vergangenen Jahr üblich, werden nun auch die Reifen nach dem Willen der Europäischen Union in Effizienzklassen von A bis G eingeordnet. Drei Werte entscheiden dabei über die Klassifizierung: Rollwiderstand, Haftung auf nasser Fahrbahn und Außengeräusch beim Abrollen. "Mit diesem neuen Informationen verbessert sich für den Kunden die Transparenz beim Reifenkauf", glaubt Joachim Meis, bei Goodyear Dunlop für Marketing zuständig. "Nun kann er gezielt einen Reifen mit optimalen Eigenschaften wählen."

Große Unterschiede

Über die gesamte Lebensdauer eines Reifen der Klasse A lassen sich im Vergleich zu einem "G-Gummi" rund 300 Euro an Spritkosten einsparen. Bei Nutzfahrzeugen steigt dieser Wert auf mehr als 5000 Euro. "Tatsächlich", so Emmanuel Robert, Entwicklungsleiter bei Goodyear Dunlop, "wird erwartet, dass die Einführung des EU-Reifenlabels zu einer Verbesserung des Rollwiderstandsniveaus führt. Das Potenzial liegt bei einer Reduzierung des jährlichen CO2-Ausstoßes um bis zu 20 Millionen Tonnen und einer Einsparung von jährlich rund zehn Milliarden Euro bei den Treibstoffkosten."

Entwicklung läuft auf Hochtouren

Für die Einstufung der einzelnen Reifen sind die Hersteller selbst verantwortlich. Im Luxemburger Entwicklungszentrum von Goodyear Dunlop laufen daher die Tests der verschiedenen Versionen auf vollen Touren, wobei die drei Parameter, die für die Europäische Union entscheidend sind, nur ein Teil der umfangreichen Tests sind. Während die Fachmagazine 15 Parameter berücksichtigen, untersuchen die Reifenhersteller bis zu 50 Werte, bevor sie einen Reifen in die Serienproduktion rollen. Zwar müssen die Prüfstände und der Asphalt der Teststrecken zertifiziert sein, bevor die ersten Etiketten auf die Reifen geklebt werden dürfen, doch ist bis heute ungeklärt, wer die Einstufungen der Hersteller kontrolliert. In Deutschland sollen die Länder die Aufgabe übernehmen, wobei allerdings noch ungewiss ist, welche Organisation am Ende dafür verantwortlich ist. Misstrauen herrscht in der Branche vor allem gegenüber chinesischen Herstellern, die mit Billigangeboten auf den Markt drängen und auf der Essener Reifenmesse bereits Modelle der Kategorie "A" gezeigt haben.

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Produktion von Reifen.

Es vergeht viel Zeit, bis ein Reifen in die Serienproduktion entlassen wird. Am Anfang stehen die Kreativ-Designer, die ihre Kollegen vom technischen Design mit Entwürfen überraschen. Dabei steht allerdings stets die Leistungsfähigkeit im Vordergrund, sodass "Design immer der Funktion folgen muss", so Michel Robert, technischer Designer bei Goodyear Dunlop. Allerdings spielen auch beim Reifendesign typische optische Eigenschaften der einzelnen Marken eine wichtige Rolle. Auch wenn der Reifen eher im Dunkel des Radkastens arbeitet, so soll er doch auf Anhieb einer bestimmten Marke zugeordnet werden können.

Bis zum Bau des ersten Prototypens untersuchen die Techniker verschiedene Materialmischungen, um dem Reifen die gewünschte Stabilität und Stärke zu geben. Bis zu 100 Materialien werden gemischt, bis die einzelnen Zutaten die gewünschte Wirkung ergeben. "Wir arbeiten hier wie Köche, die ihr Rezept ständig verfeinern, bis sie zufrieden sind", beschriebt Goodyear-Techniker Klaus Schulmeister seine Aufgaben. Erst wenn Design, Materialmix und die Prototypen alle Prüfungen bestanden haben, geht der neue Reifen schließlich in Produktion.

Wie groß die Unterschiede zwischen den einzelnen Kategorien sind, demonstrieren Goodyear-Testfahrer auf der Prüfstrecke im luxemburgischen Colmar-Berg: Bei einer Vollbremsung aus 100 km/h benötigt ein Reifen der Kategorie C 44,92 Meter bis zum Stillstand. Ein "E-Reifen" aus chinesischer Billigproduktion kommt erst nach 56,52 Metern zum Stillstand.

Quelle: ntv.de, sp-x

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