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Eigenwilliger Einzelgänger: Laut Piaggio ist der MP3 Hybrid 125 der erste und bislang einzige Roller mit kombiniertem Elektro-Verbrennungs-Antrieb.
Eigenwilliger Einzelgänger: Laut Piaggio ist der MP3 Hybrid 125 der erste und bislang einzige Roller mit kombiniertem Elektro-Verbrennungs-Antrieb.(Foto: picture alliance / dpa-tmn)
Dienstag, 17. August 2010

Motorräder der Zukunft: Hybrid noch die Ausnahme

Während bei Automobilen die Zukunft im dualen Antrieb zu liegen scheint, spielt der Hybridantrieb bei Zweirädern bisher so gut wie keine Rolle. Das hat gute Gründe, die aber nicht für die Ewigkeit gelten müssen.

Die Kraft der zwei Herzen haben Motorradhersteller im Gegensatz zu ihren Kollegen aus der Automobilindustrie bisher noch nicht für sich entdeckt: Hybrid-Zweiräder sind die absolute Ausnahme. Und dafür gibt es gute Gründe.

Für die Automobilbauer ist es Pflicht, sich um das Thema Hybridantrieb zu kümmern. Fast jeder Hersteller tüftelt an der Kombination aus Verbrennungs- und Elektromotor. Viele Firmen haben bereits Fahrzeuge im Testbetrieb - oder sogar schon fix und fertig in den Verkaufsräumen stehen. Die Motorradhersteller haben das Thema dagegen bislang vernachlässigt. Zwei Antriebe auf zwei Rädern sind derzeit noch selten.

Premiere mit drei Rädern

Der Piaggio MP3 Hybrid 125 ist nach Herstellerangaben der erste und bislang einzige Roller mit Hybridantrieb der Welt. Wobei er genau genommen nicht einmal als Zweirad durchgeht. Wegen seiner zwei Vorderräder wäre er eigentlich als Dreirad einzustufen.

Mit der Kraft der zwei Herzen: Piaggios Roller MP3 Hybrid 125 lässt sich sowohl an einer Zapfsäule als auch an einer Steckdose betanken.
Mit der Kraft der zwei Herzen: Piaggios Roller MP3 Hybrid 125 lässt sich sowohl an einer Zapfsäule als auch an einer Steckdose betanken.(Foto: picture alliance / dpa-tmn)

Als Antrieb haben die Entwickler einen 124 Kubikzentimeter großen Einzylinder-Viertaktmotor mit einem bürstenlosen E-Motor mit Permanentmagnet kombiniert. Der Elektromotor kommt auf eine Leistung von 2,6 kW/3,3 PS - im Hybridmodus entwickelt das System 10 kW/14 PS.

Kein Markt oder keine Technik?

Der Strom für den E-Motor kommt aus einer Lithium-Ionen-Batterie, deren Kapazität im reinen Elektromodus für 20 Kilometer reicht. Dann muss sie drei Stunden an der Steckdose aufgeladen werden. Unterwegs gewinnt das Gefährt aber beim Bremsen elektrische Energie zurück. Im Kombinationsmodus aus zwei Drittel Hybrid- und einem Drittel E-Modus kommt der Roller laut Piaggio mit einem Liter Sprit 60 Kilometer weit. Den CO2-Ausstoß beziffert man mit 40 g/km. 9000 Euro müssen Interessenten für den MP3 Hybrid 125 hinblättern.

Ansonsten sieht es bei den Motorradherstellern in Sachen Hybridantrieb mau aus. Nur von Hybrid-Studien einzelner Designer war mal die Rede, wobei es fraglich ist, ob diese futuristischen Konzepte je realisiert werden. "Es scheint so zu sein, dass die Mehrheit der Anbieter beim Hybridantrieb für sich noch keinen Markt sieht", vermutet Achim Marten vom Industrieverband Motorrad (IVM). "Oder sie hat die Technik noch nicht parat."

Erhebliches Mehrgewicht

Es fehlt außerdem am nötigen Druck der Kunden auf die Hersteller, so etwas auf den Markt zu bringen. Laut Ruprecht Müller, Motorradexperte beim ADAC-Technikzentrum in Landsberg, nutzen viele Zweiradfahrer ihre Maschine als reines Freizeitfahrzeug. "Der Verbrauch spielt bei einem Spaßgerät eine untergeordnete Rolle. Er ist selten der kaufentscheidende Grund." Somit stehen die Motorradbauer nicht so sehr unter dem Zwang, verbrauchsgünstige Modelle zu entwickeln, wie ihre Automobilkollegen.

Kombiniert Muskelkraft mit elektrischer Energie: Das Hybrid-Zweirad Erockit soll laut Hersteller bis zu 80 km/h schnell sein.
Kombiniert Muskelkraft mit elektrischer Energie: Das Hybrid-Zweirad Erockit soll laut Hersteller bis zu 80 km/h schnell sein.

Hinzu kommt, dass die zwei Antriebstechniken auch ein erhebliches Mehrgewicht bedeuten. "Die Fahrzeuge werden relativ schwer, und das ist im Motorradbereich immer ein Problem", erläutert Müller. Schließlich müssen die Fahrer ihr Gerät auch im Stand noch handhaben können - ganz zu schweigen von den fahrdynamischen Nachteilen, die ein paar Kilo mehr bei einem Zweirad zwangsläufig bedeuten. "Das Gewicht ist der größte Pferdefuß", betont Müller.

Multiplikation der Muskelkraft

Immerhin gibt es eine andere Alternative für Hybrid-affine Zweiradfahrer: das Erockit, eine Art Zwitter aus Motorrad und Fahrrad. Für das "Human-Hybrid"-Konzept haben die Entwickler einem Fahrrad einen 8 kW/11 PS starken Elektromotor und eine ausgefeilte Regelungselektronik verpasst. Tritt der Fahrer in die Pedale, katapultiert ihn der Antrieb mit zusätzlichem Schub voran.

Die Funktionsweise des Antriebs basiert nach Herstellerangaben auf "Muskelkraftmultiplikation": Die Elektronik registriert die vom Fahrer aufgewendete Muskelkraft und gibt sie multipliziert mit einem Faktor bis 50 an das Hinterrad ab. Auf diese Weise soll "die Leistung eines Motorrads" drin sein. Immerhin erreicht das Gefährt laut Hersteller eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h. Rasant ist auch der Preis: Stolze 12 460 Euro soll das Erockit kosten. Und was Interessenten vor dem Kauf beachten sollten: Um es in Deutschland fahren zu dürfen, ist ein Führerschein der Klasse A oder A1 oder der alten Klasse 3 erforderlich.

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Quelle: n-tv.de