Auto

Renault definiert elektrische Zukunft Jeder Zehnte ein Stromer

2 Heck Fluence.jpg

Die Abwesenheit eines Auspuffrohres verrät die elektrische Version des Fluence.

Renault hat sich ambitionierte Ziele in Sachen Elektromobilität gesetzt. Mit zwei bereits fertigen und zwei geplanten Modellen in der Tache sowie umfangreichen Bestrebungen in Sachen Stromversorgung spielen die Franzosen ganz oben mit.

Es muss schon ein wichtiger Grund vorliegen, wenn sich Franzosen freiwillig der ungeliebten englischen Sprache bedienen. "Zero Emission" - verkürzt "Z.E." ist der Namenszusatz, den Renault für die abgasfreien Varianten seiner Modelle Kangoo und Fluence erkoren hat - und der für eine weltweite Elektro-Strategie steht. Ab 2011 soll man die beiden Modelle auch in Deutschland kaufen können.

Die Unternehmensberatung McKinsey, die allmonatlich eine Rangliste der Nationen für den Fortschritt in der Elektromobilität aufstellt, sieht derzeit Frankreich vor Deutschland. Dazu passt, dass allein Renault schon vier konkrete Projekte für Elektroautos entwickelt hat. Zu den bereits fertigen Modellen Kangoo (Kleintransporter) und Fluence (Mittelklasselimousine) werden in zwei Jahren noch das City-Mobil Twizy und das originelle Kompakt-Coupé Zoe kommen. Der mit dem japanischen Nissan-Konzern verbandelte französische Hersteller hat sich ambitionierte Ziele in Sachen Elektromobilität gesetzt. Schon 2020 soll jedes zehnte verkaufte Auto aus eigener Produktion ein Stromfahrzeug sein.

1 Ladeanschluss.jpg

Über diesen Steckkontakt am rechten Kotflügel wird der Fluence Z.E.-Akku aufgeladen.

Nicht geklärt ist freilich, wo genau die Kunden für diese Autos ihren Strom her bekommen, den sie zum Nachladen ihrer Batterie brauchen. Um diese Probleme schneller zu lösen, hat sich Renault mit dem deutschen Energiekonzern RWE verbündet. Gemeinsam mit dem Stromproduzenten wird seit Herbst 2009 eine Modellregion entwickelt, die beispielhaft die Versorgungsmöglichkeiten in der Praxis demonstrieren und testen soll.

Die Ladezeiten verkürzen

Gegenwärtig müsste der Fahrer eines Elektromobils nicht nur reichlich Geld (die Akkus sind noch sehr teuer) sondern auch viel Geduld haben. Der Ladevorgang bis zur Wiederherstellung einer komfortablen Reichweite dauert am öffentlichen 220-Volt-Netz mehrere Stunden. Die Schnellaufladung an der 400-Volt-Kraftsstromsteckdose mit 32 bis 63 Ampere Ladestrom soll in weniger als einer halben Stunde erledigt sein. Zuviel für jemanden, der sich wegen Termindrucks nicht mal mehr einen Tankstopp mit herkömmlichem Kraftstoff leisten könnte. Nur drei Minuten soll das so genannte Quick-Drop-System benötigen, das den Komplettaustausch der schwachen gegen eine frisch geladene Batterie vorsieht. Dafür, wie auch für die Versorgung über Kraftstrom, ist der Aufbau einer eigenen Infrastruktur nötig.

3 E-Motor.jpg

Der Elektromotor der Limousine Fluence leistet 70 kW, was etwa 95 PS entspricht.

Wie das in Deutschland funktionieren könnte, wird an einem Modellversuch in der Rhein-Rhur-Region entlang der Autobahn A 44 erprobt. Entsprechend der Ergebnisse von Untersuchungen, wonach nur rund 13 Prozent der täglichen Individualfahrten mit dem Auto weiter als 60 Kilometer sind, wird in dem Förderprojekt "E-Mobilität im Pendlerverkehr" die Praxistauglichkeit eines standardisierten Fahrt- und Lade-Rhythmus erprobt. Renault stellt dafür 30 Fahrzeuge zur Verfügung, wovon 25 zur Baureihe Kangoo gehören, die übrigen sind Modelle Fluence. Der Energieversorger RWE baut entlang der Autobahn 400 Ladepunkte auf, die von den Nutzern angesteuert werden können.

Außerhalb Deutschlands hat Renault ebenso eine große Zahl von Partnern eingebunden. In überschaubaren Märkten wie zum Beispiel Israel und Dänemark existieren schon seit dem Frühjahr 2008 Kooperationen. Für beide Länder ist die Lieferung von 100.000 Fahrzeugen vom Typ Fluence für die Zeit bis 2016 vereinbart. Partner ist dort das amerikanische Unternehmen Better Place, das Batteriewechsel- und Ladestationen aufbaut.

Akku kostet Kofferraum

Die Limosuine Fluence ist äußerlich nur am Fehlen der Auspuffrohre und an einer Klappe am rechten vorderen Kotflügel zu erkennen, hinter dem sich der Steckkontakt für den Ladevorgang verbirgt. Die 250 Kilogramm schwere Lithium-Ionen Batterie ist senkrecht hinter den Rücksitzen platziert und hat eine Kapazität von 22 Kilowattstunden (kWh). Die Platzierung des Akkus bringt natürlich eine Reduzierung des Kofferraums mit sich, der nunmehr 300 Liter beträgt.

4 Zoe.jpg

Das futuristisch anmutende Kompaktmodell Zoe ist für 2012 vorgesehen.

Ob die Batterie die versprochenen 160 Kilometer Reichweite wirklich bringt, konnte die kurze Testfahrt mit dem Fluence natürlich nicht klären. Die mögliche Strecke ist ohnehin von der Art der Beanspruchung und den Möglichkeiten der Rückgewinnung von Bremsenergie (Rekuperation) im laufenden Verkehr abhängig. So wie heftiges Gasgeben und der Betrieb von Radio- oder Klimaanlage beim herkömmlichen Auto den Verbrauch in die Höhe treiben, ist es auch beim Elektrofahrzeug. Da der 160 Kilogramm wiegende Elektromotor sein volles Drehmoment von 226 Newtonmetern schon ab dem ersten Meter Fahrstrecke zur Verfügung stellt, wirkt das Beschleunigungserlebnis beim Anfahren enorm dynamisch. Gleichwohl ist der Elektro-Fluence nicht für Dauerbetrieb auf der Überholspur ausgelegt: Die elektronisch abgeregelte Höchstgeschwindigkeit beträgt 135 km/h.

"Geräuschdesign" im Gespräch

Die Fahrer des Elektro-Transporters Kangoo Rapid Z.E. müssen sich mit 130 km/h begnügen, was im Einsatzbereich dieses Kleinlasters weit weniger auffallen dürfte als bei einer Reiselimousine wie dem Fluence. Bei 4,21 Meter langen Kangoo ist die Batterie in Unterflur-Bauweise installiert. Das hat den Vorteil, dass gegenüber dem mit Verbrennungsmotor ausgestatteten Auto keinerlei Ladekapazität verloren geht. Bis maximal 3,5 Kubikmeter Ladung fasst das Transportabteil des Wagens, welches direkt hinter den beiden Sitzplätzen beginnt. Während der Fluence auf eine Motorleistung von 70 kW (entsprechend 95 PS) zurückgreifen kann, ist der Transporter bei gleicher Batterieleistung (22 kWh) mit einem 44 Kilowatt-Motor bestückt. Ebenso wie die Limousine beschleunigt der Kangoo zügig und fast lautlos, weshalb in der Entwicklungsabteilung von Renault intensiv auch über "Geräuschdesign" für die Elektrofahrzeuge nachgedacht wird. Insbesondere in Städten, wo von Fußgängern eine Fülle von Schallquellen zu unterscheiden ist, könnte ein lautlos herannahendes Auto ein Gefahrenpotenzial bedeuten.

5 Twizy.jpg

Twizy heißt dieses Gefährt und ist Renaults Vision von einem elektrischen City-Mobil.

Kleintransportern wie dem Kangoo Rapide könnte im Elektrozeitalter eine besondere Bedeutung zukommen: Hochrechnungen besagen, dass künftig bis zu 70 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben werden. Deshalb werde das Fahrzeugaufkommen mit Verbrennungsmotor dort noch zunehmen. Sollten sich unter dem Eindruck steigender Abgasbelastung kommunale Behörden gezwungen sehen, ihre Innenstädte für konventionell angetriebene Fahrzeuge zu sperren, bleiben wichtige Lieferanten, Ver- und Entsorgungsaufgaben ausschließlich abgasfreien Autos vorbehalten. Auch deutsche Hersteller wie Mercedes und Ford haben diese Perspektive erkannt und elektrische Kleinlaster ins Programm genommen.

Bis Sperrungsszenarien tägliche Verkehrsrealität werden, sind Stadtfahrzeuge wie der Renaults Twizy Z.E. längst Realität. 2012 ist der Marktstart für das zweisitzige Gefährt geplant, das entfernt an den BWM-Roller C1 erinnert, der 2003 eingestellt wurde. Mit einem 15 kW-Motor soll es bis zu 100 Kilometer weit fahren können. Im gleichen Jahr wird im Renault-Werk Flins der anspruchsvoll designte Zoe vom Band laufen, der mit einer Kombination aus Flügel- und Schmetterlingstüren aufwartet. Sein Elektromotor ist auf 70 kW (95 PS) ausgelegt und die Batterie soll 160 Kilometer halten.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen