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Der Roller als Reisemobil Kleine Räder auf großer Fahrt

Sommer, Sonne, Wasser: Zu Zeiten des großen Rollerbooms in den 1950er und 1960er Jahren rollerte die Nachkriegsgeneration bis zu den Urlaubsländern am Mittelmeer. Nicht selten waren die Gefährte hoffnungslos überladen - ein Abenteuer.

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Auf dem Roller nach Italien: In den 1950er Jahren machten sich viele Deutsche auf die beschwerliche Reise.

Anfang der Fünfzigerjahre drehte nachts zwischen Tübingen und Herrenberg ein seltsames Gefährt geheime Runden. Mit Karosserie und Windschutzscheibe sah es aus wie ein Cabrio, doch dazu fehlten ihm zwei Räder. Was da zwischen der französischen und amerikanischen Besatzungszone im Ammerbuch hin und her kreuzte, war ein Versuchsfahrzeug der Maico-Werke, das spätere MaicoMobil. 1951 wurde es in einer Vorserienversion auf der Gewerbeschau in Reutlingen vorgestellt, ging dann in Produktion und wurde bis 1957 rund 10.000 Mal gebaut. Das MaicoMobil war allerdings kein Umsatzrenner. Integrierte Windschutzscheibe, Aluminiumkarosse, Motorradrahmen, 14-Zoll-Räder und zwei Kofferräume – das ging ins Geld.

Es war auch bei weitem nicht der erste Motorroller, man denke an die italienische Vespa und Lambretta. Aber im Neckarland hatte man mit deutscher Gründlichkeit und schwäbischem Fleiß weiter gedacht. So leitete das MaicoMobil eine lange Entwicklungsreihe komfortabler Motorroller ein: mit besserem Wetterschutz, stärkeren Motoren und so etwas wie Langstreckentauglichkeit. Mit ihnen rollerte die Nachkriegsgeneration bis zu den Urlaubsländern am Mittelmeer.

Das mit Zweitaktmotoren bis 200 Kubikzentimeter Hubraum bestückte MaicoMobil wurde von den Werbeleuten als "Auto auf zwei Rädern" angepriesen. Zwei Jahre später folgte in Bielefeld das Bastert-Einspur-Auto mit schwenkbarem Autositz, Rückenlehne, richtigem Armaturenbrett und ausklappenden Autowinkern.

Etwas nüchterner ging es in Dingolfing zu. Der Goggo-Roller war vergleichsweise einfach gebaut, beschränkte sich zunächst auf 8-Zoll-Räder, einen 125 ccm-Motor und eine durchgehende Sitzbank. Erst die letzte 200 Kubik-Version war formschöner und brachte schon 10-Zoll-Räder und Elektrostarter. Bis zum Bau des Goggomobils 1956 wurden etwa 60.000 Roller produziert. Die Motoren bezogen die Hersteller übrigens von Fichtel & Sachs oder von den Ilo-Werken in Pinneberg.

Mit Zelt, Kocher und Luftmatratze

Dürkopp Diana, Venus, Röhr Roletta, der Progress Strolch, der Hercules R 200, die schöne Triumph Contessa (letztere aus der Zweirad-Metropole Nürnberg) bezeichneten sich zwar ebenfalls als Tourenroller, boten für lange Reisen aber kaum mehr als einen Gepäckträger. Das hatte zur Folge, dass die Fahrzeuge hinten meist überlastet waren, denn Rollerfahrer bezogen damals nicht etwa ein nobles Wellnesshotel, sondern sie waren mit Zelt, Spirituskocher und Luftmatratze unterwegs.

Was Glas mit dem Goggo vorgemacht hat, nämlich möglichst preiswert zu bauen (der Goggo-Roller kostete maximal 1.665 Mark, das MaicoMobil und das Bastert-Einspurauto gut 200 bis 300 Mark mehr), machte dann schließlich Schule. In den Folgejahren wurde in Deutschland fast ein Dutzend eigenständiger Rollertypen auf den Markt gebracht. Die hatten zwar mehr PS als die Italiener, pflegten aber deren gängiges Rezept weiter: Schutzblech vorne, freien Durchstieg, Motor und Tank hinten.

Die erfolgreichsten deutschen Modelle waren die auf eine Gebläsekühlung verzichtende Zündapp Bella (bis 1964 etwa 130.000 Mal gebaut) und der Viertakt-Roller Heinkel Tourist, von dem bis 1965 etwa 106.500 Fahrzeuge abgesetzt wurden. Zu guter Letzt schob Maico den stärksten deutschen Roller nach: die Maicoletta 250/275 mit 14 bzw. 17 PS Leistung. Doch da war dann der Rollerboom hierzulande zu Ende.

Quelle: n-tv.de, sp-x

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