Auto

Käufer immer älter Kunden kommen in die Jahre

In der Werbung ist er vor allem eines: jung. Tatsächlich wird der Autokäufer allerdings immer älter. Schließlich ist er Teil einer Gesellschaft, in der der Anteil der Senioren in den kommenden Jahren stark ansteigt.

Die Autoindustrie dürfte daher in Zukunft verstärkt die Frage beschäftigen, was der in die Jahre kommende Kunde verlangt. Und auch im Straßenverkehr wird es möglicherweise etwas anders zugehen.

Wie sehr sich das Alter des Autokäufers in der näheren und fernen Zukunft ändert, hat jetzt das Prognoseinstitut B&D Forecast von Ferdinand Dudenhöffer in Leverkusen ermittelt. Während 2002 gerade einmal 26 Prozent der Autokäufer 60 Jahre oder älter waren, steigt der Anteil bis 2015 auf 34 Prozent. Eine Zunahme gibt es auch bei den Neuwagenkäufern im Alter zwischen 50 und 59 Jahren. Ihr Anteil steigt im gleichen Zeitraum von 21 Prozent auf 25 Prozent.

Bei den Jungen dagegen verläuft die Entwicklung der Studie zufolge genau umgekehrt. Der Anteil der 40- bis 49-jährigen Neuwagenkäufer sinkt von 24 auf 20 Prozent, bei den 30- bis 39-jährigen gibt es einen Rückgang von 21 auf 16 Prozent. Die 2002 noch mit 8 Prozent vertretenen Autokäufer im Alter bis 29 Jahre werden 2015 mit nur noch 5 Prozent in der Gruppe der Neuwagen-Käufer dabei sein.

Allerdings bedeutet das steigende Alter der Kundschaft wohl nicht, dass künftig nur noch höchst konservativ gestaltete «Rentnerautos» in den Schauräumen stehen. Schließlich werden laut B&D Forecast schon heute viele sportliche Autos wie der BMW Z4 oder der Mercedes SL von älteren Menschen gefahren. Smart und Mercedes A-Klasse zählen ebenfalls zu den auch bei Älteren beliebten Fahrzeugen.

Bemerkbar wird sich das Alter der Insassen wohl aber bei den gewünschten Ausstattungen machen, vor allem im Bereich moderner technischer Hilfen. Schon heute zielen viele der Hightech-Zusätze nicht ausschließlich auf die technikverliebte jüngere Kundschaft. «Die Autohersteller haben bei vielen Fahrassistenzsystemen ältere Menschen im Blick», sagt Heike Elisabeth Philipp-Metzen aus Laer (Nordrhein-Westfalen). Die Gerontologin hat sich im Rahmen ihrer Diplom-Arbeit intensiv mit diesem Thema beschäftigt.

Ein Beispiel für solche technischen Hilfen sind Philipp-Metzen zufolge Parksensoren, die beim Einparken vor zu dichter Annäherung an ein Hindernis warnen. «Diese Systeme sind natürlich auch für ältere Menschen gedacht, die sich nicht mehr so gut umdrehen können.»

«In der Branche wird sehr viel für die älteren Kunden getan», sagt Opel-Sprecher Ulrich Weber. «Man wirbt nur nicht so gerne damit - das ist aber bekanntlich nicht nur in der Autobranche so.» Die neuen, am Körper ausgerichtete Sitze seien ein Beispiel für die aktuellen Entwicklungen, die sich auch an ältere Kunden richten. Hilfreich sei zum Beispiel auch das Kurvenlicht, bei dem die Scheinwerfer eine Kurve ausleuchten. «Das ist das bereits für Menschen, die gut sehen, eine Hilfe. Im Alter ist so etwas dann umso wertvoller.»

Mittlerweile wendet sich zumindest manchmal auch die Werbung an die Zielgruppe oberhalb der bislang so wichtigen Altersgrenze von 49 Jahren. «Wir gehen zum Beispiel beim neuen Fiat Panda dazu über, uns auch verstärkt an die Zielgruppe über 49 Jahre zu wenden», sagt Thomas Kern von Fiat in Frankfurt. «Dazu gibt es in der Werbung verschiedene Möglichkeiten - zum Beispiel indem man Leute aus dem alltäglichen Leben zeigt, und zwar nicht nur junge Leute.»

Trotz allem dürfen die Autobauer nach Einschätzung der Experten nicht vergessen, dass die Leistung des Mensch mit zunehmendem Alter abnimmt. Das gilt auch im Hinblick auf die Kontrolle über Anzeigen und Schalter für die technischen Helferlein im Auto. «Man hat festgestellt, dass jüngere Menschen mehr Informationen auf einmal aufnehmen können als ältere», sagt Heike Elisabeth Philipp-Metzen.

«Es besteht die Gefahr der technologischen Überfrachtung», sagt auch Rainer Hillgärtner, Sprecher des Auto Club Europa (ACE) in Stuttgart. «Es könnte riskant sein, wenn es nicht gelingt, die Ausführung der Systeme zu vereinfachen.» Sinnvoll könnte laut Hillgärtner eine für alle Autos identische Gestaltung wichtiger Bedienelemente sein, um Missverständnisse zu verhindern. Heike Elisabeth Philipp-Metzen kann sich bei Geräten wie Navigationssystemen abgespeckte Versionen für Ältere vorstellen.

Allgemein könnte das steigende Alter der Verkehrsteilnehmer auch zu einem etwas ruhigerem Verkehrsverlauf führen: So neigen ältere Fahrer laut Philipp-Metzer weniger als Jüngere zu Tempo-Verstößen oder Alkohol-Fahrten. Abgesehen davon sorgt der Spaß am Autokauf wohl ohnehin dafür, dass es auf den Straßen in Zukunft nicht mehr so schnell voran geht: Die Zahl der Pkw in Deutschland wird laut B&D Forecast von jetzt rund 45 Millionen auf etwa 51,6 Millionen zum Jahr 2025 wachsen.

Quelle: n-tv.de