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Farbige Spiegelkappen und ordentlich Dampf unter der Haube. So zeigt sich der Nissan Juke NIsmo auch in Berlin.
Farbige Spiegelkappen und ordentlich Dampf unter der Haube. So zeigt sich der Nissan Juke NIsmo auch in Berlin.
Donnerstag, 19. Februar 2015

Bei Nissan lebt der Sport auf : Mehr Nismo für den Juke

Von Axel F. Busse

Aus den Worten "Nissan" und "Motorsport" den Kunstbegriff "Nismo" zu bilden, mag vielleicht nicht die originellste Wortschöpfung sein. Die Produkte mit diesem Beinamen überzeugten bisher aber durchaus. Neueste Kreation ist das Modell Juke Nismo RS.

Vom Design her polarisierend, von seinen Qualitäten eher rechtschaffen, hat das Crossover-Mobil Juke im vergangenen Jahr fast 8900 Kunden in Deutschland überzeugt. So viele Neuzulassungen registrierte das Kraftfahrtbundesamt und es waren, da ist Nissan sehr stolz drauf, in großer Zahl Privatkunden, die sich einen Juke zulegten. Die Privatkunden sind deshalb für den Hersteller interessant, weil sie in der Regel das vollständige Eigentum am Fahrzeug erwerben und nicht, wie viele Firmenkunden, das Auto nach Ablauf der Leasingfrist zurückgeben wollen.

Nissan sieht sich in Deutschland im Aufwind, konnte die Marke doch erheblich stärker zulegen, als der Gesamtmarkt wuchs. Waren 2014 im Schnitt durch alle Anbieter knapp drei Prozent mehr Neuzulassungen zu verzeichnen, konnte Nissan um 13,7 Prozent zulegen. Das ist mehr als das europäische Ergebnis des japanischen Herstellers, wo im fünften Jahr in Folge eine Steigerung des Absatzes erzielt werden konnte. Rund die Hälfte der europäischen Kunden entschied sich für ein Crossover-Modell, also für einen Juke oder einen Qashqai. Im ersten Monat des Jahres 2015, so freut man sich in der deutschen Nissan-Zentrale in Brühl, setzte sich der Trend fort.

Ohne Start-Stopp-Funktion

Die Optik eines Nissan Juke bleibt Geschmackssache, die Leistung nicht.
Die Optik eines Nissan Juke bleibt Geschmackssache, die Leistung nicht.

Obwohl der erste Juke Nismo durchaus nicht als untermotorisiert gelten konnte, hat der Hersteller noch ein bisschen Leistung draufgelegt. Statt 200 PS liegen nun 218 Pferdestärken an, was der frontgetriebenen Version zu einem erstaunlichen Sprintvermögen verhilft. Von Null auf Hundert vergehen gerade mal sieben Sekunden. Quelle dieser Leistung ist der 1,6 Liter große Vierzylinder-Motor, der mittels Turbolader und Direkteinspritzung zum Kraftpaket wird. In der über die Vorderachse angetriebenen Version beträgt das maximale Drehmoment 280 Newtonmeter. Der Knopf zum Anlassen des Vierzylinders ist zwar mit "Start-Stopp" beschriftet, ein System zur Unterbrechung des Motorlaufs an der Ampel und Restart via Kupplung gibt es aber nicht.

In der Allradversion, wo die Hinterachse über eine elektronisch gesteuerte Mehrscheibenkupplung aktiviert wird, differieren die Kerndaten geringfügig. 214 PS und 250 Newtonmeter können genutzt werden, wobei die maximale Durchzugskraft von 2500 Umdrehungen bereitgestellt wird, während der Fronttriebler dafür 3600 Touren braucht. Die 4x4-Variante wiegt etwa 100 Kilogramm mehr, weshalb sie nicht ganz so schnell sprintet (8,0 Sekunden) und die Höchstgeschwindigkeit nicht bei 220, sondern bei 200 Stundenkilometern liegt. Sie wird ausschließlich mit einem CVT-Automatik-Getriebe geliefert, was sich in acht simulierten Schaltstufen mittels Lenkradpaddel bedienen lässt.

Dem Juke Nismo RS soll man unbedingt ansehen, wes Geistes Kind er ist. Rote Außenspiegelkappen, eine rote Akzentlinie, die sich vom vorderen Stoßfänger fast um das ganze Fahrzeug zieht, LED-Tagfahrleuchten sowie auffällige Endrohre und 18-Zoll-Leichtmetallfelgen unterscheiden ihn von den schwächeren Modellen der Baureihe. Das Sportlenkrad mit dem roten Einleger bei "12 Uhr", spezielle Pedale, Anzeigen und Türverkleidungen sowie ein veränderter Schaltknauf setzen die sportlichen Kontraste im Innenraum. Das interessanteste und für sportlich orientierte Fahrer wahrscheinlich auch wichtigste Ausstattungsmerkmal gibt es leider nur gegen Aufpreis: Rennschalen vom Autositz-Spezialisten Recaro werden für 1500 Euro dazu geliefert. Sie sind äußerst bequem und seitenfest, stützen den Schulterbereich gut ab und sorgen so für die Vervollständigung des Rennsport-Feelings, das der Nismo RS erstaunlich überzeugend rüberbringt.

Rau-rebellischer Sound

Eine Kupplung mit kurzem Weg und festem Trittwiderstand, eine bissige Bremse und ein knackiges Schaltgefühl passen gut zum beherzten Antritt, den dieser Juke bei Gaszufuhr an den Tag legt. Das mit Velours bezogene Sportlenkrad ist griffig und die Lenkung gibt gute Rückmeldung, doch es fehlt etwas, was in dieser Fahrzeugklasse eigentlich Standard sein sollte: Die Längsverstellbarkeit der Lenksäule sucht man vergebens, so dass vor allem Fahrer von überdurchschnittlicher Körpergröße damit rechnen müssen, ihre optimale Sitzposition nicht zu finden. Die Höhenverstellbarkeit der Sicherheitsgurte ist gut gemeint, doch die Schiene reicht nicht so weit die B-Säule hinauf, wie die Sport-Schalensitze es verlangen würden.

Das temperamentvolle Fahrerlebnis wird von einem rau-rebellischen Sound begleitet, der authentisch wirkt und gut zum trocken-robusten Federungskomfort passt. Die sportliche Attitüde ist also konsequent durchgestylt und wären da nicht die unverkennbaren Antriebseinflüsse, die von der Lenkung bei straffem Beschleunigen in die Hände des Fahrers oder der Fahrerin durchgereicht werden, könnte man das Paket wohl als perfekt geschnürt bezeichnen. Mit Wahl der Allrad-Variante dürfte man dieser Gefahr aus dem Wege gehen, zumal die elektronische Steuerung auch das sogenannte Torque-Vectoring beherrscht, also die variable Zuteilung des Antriebsmoments auf die Räder einer Achse.

Fällt die Fahrweise so aus, wie Ausstattung und Ambiente es nahe legen, werden 7,2 Liter Durchschnittsverbrauch wohl eine technische Randnotiz bleiben. Bei der überwiegend im Stadtverkehr absolvierten Testrunde waren es jedenfalls 10,1 Liter. Der Verkauf des Juke Nismo RS hat schon begonnen, er kostet mindestens 28.200 Euro. Nissan erwartet, dass sich etwa drei Prozent der Juke-Kunden für das potenzielle Spaßmobil entschieden.

Schon bei 25.450 Euro startet das jüngste Mitglied der Qashqai-Modellfamilie, das mit einem zusätzlichen Motorenangebot auf sich aufmerksam macht. Ausgehend von der gleichen Vierzylinder-Basis wie beim Juke, leistet der 1,6-Liter-Motor hier 163 PS und soll sich mit 5,8 Litern Sprit je 100 Kilometer begnügen. Für einen runden Tausender mehr kann man seinen Qashqai mit der 360-Grad-Rundum-Überwachung ausstatten lassen, in der mehrere Assistenzsysteme zusammengefasst sind und Fahrer oder Fahrerin vor gefährlichen Annäherungen jedweder Art warnen.

Der Qashqai bleibt bis auf Weiteres die Cash-Cow aus dem Nissan-Modellportfolio. Gegenüber Januar 2014 hat sich der Absatz im ersten Monat dieses Jahres fast verdoppelt. Das neue Motorenangebot soll die Nachfrage auf hohem Niveau halten. Mit einem Einstiegspreis von 19.990 Euro bleibt das Fahrzeug unter einer psychologisch wichtigen Grenze. So konnten vergangenes Jahr fast 25.000 Kunden überzeugt werden.

Quelle: n-tv.de