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"Vorwärts, wir blicken zurück" Motorradhersteller zitieren vergangene Zeiten

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Getreu dem Motto "Make Life a Ride" zeigt BMW einen Scrambler.

(Foto: fbn/sp-x)

Retro-Bikes sind zweifellos der stärkste Trend des 73. Mailänder Salons. Mit den modernen Klassikern erhält das Motorradfahren eine deutlich emotionalere Facette, auch wenn vieles nicht auf alten Wurzeln basiert.

Bei Harley-Davidson, dem ältesten ununterbrochen produzierenden Motorradhersteller der Welt, ist das Thema "Retro" quasi von Amts wegen Vorschrift: Ein Gutteil des einzigartigen Images der 1901 gegründeten Motor Company basiert auf der Historie. Unentwegt zitiert man in "neuen" Bikes Fahrzeuge, die es vor zig Jahren schon mal im Modellprogramm gab.

Zwar hat Harley-Davidson seine "Neuheiten" für das Modelljahr 2016 längst vorgestellt und wartet deshalb auf der EICMA lediglich mit dem Modellprogramm 2016 auf, doch der Geist der Company wabert durch praktisch alle Messehallen: Zahlreiche Neumodelle - primär von BMW, Moto Guzzi, Triumph und Yamaha - orientieren sich in ihrer Designsprache an vergangenen Zeiten, auch wenn sie technisch gesehen durchaus zeitgemäße Motorräder sind. Aber auch die Hersteller von Helmen und Motorradbekleidung stürzen sich auf den Trend "Vorwärts, wir blicken zurück".

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Auch Ducati setzt auf Retro-Design.

(Foto: fbn)

Schon immer war Motorradfahren eine emotionale Sache. Das Gefühl des Fahrens und beim Fahren spielt die wichtigste Rolle - auch beim Kauf. "Mehr Emotionen!" lautet denn auch der Schlachtruf der Marketing-Abteilungen, denn Emotionen vermögen die Funktionalität häufig zu dominieren - oder auch fehlende Funktionalitäten in den Hintergrund treten zu lassen. Fein raus sind diejenigen Hersteller, deren Historie - ähnlich der von Harley-Davidson - lange genug währt, um Anleihen bei sich selbst machen zu können.

Triumph zeigt "Modern Classics"

Besonders deutlich ist das am Stand von Triumph zu sehen: Der englische Hersteller, ebenfalls 1901 gegründet, hat eine komplett neue Bonneville-Generation auf die Räder gestellt. Technisch von heute, deshalb mit LED-Licht, Traktionskontrolle, ABS und Multifunktionsdisplay ausgestattet, orientieren sich Bonneville T120, Thruxton und Street Twin an den Fahrzeugen von Ende der 1950er-Jahre. "Modern Classics" nennt Triumph diese Baureihe, die ein starkes Umsatz-Bein darstellen soll.

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Das Einstiegsmodell V7 dienst Moto Guzzi als Basis für die neue Version V7 Stornello.

(Foto: Motor Guzzi)

Besonders heftig zitiert wird derzeit die Scrambler-Mode aus den frühen 1970er-Jahren. Scrambler waren damals leicht modifizierte unverkleidete Motorräder, deren Auspuffanlagen hochgelegt wurden und die dank etwas grobstolligerer Reifen auch Spaß abseits des Asphalts ermöglichten. Dieses Jahr nahm Ducati einen Scrambler ins Programm und konnte innerhalb von nur zehn Monaten mehr als 14.000 davon absetzen - der größte Erfolg einer Ducati seit Firmenbestehen. Für 2016 schieben die Italiener dem 800-Kubik-Erstling mit der Sixty2 eine kleinere Version mit 400 Kubik-Zweizylindermotor nach.

Auch BMW zeigt einen Scrambler: Von der ungemein erfolgreichen R nineT abgeleitet, transportiert sie perfekt den neuen Firmen-Slogan "Make Life a Ride". Selbst Faltenbälge aus Gummi an der Teleskopgabel fehlen nicht. Technisch ist freilich alles topaktuell. Kaum ein Experte zweifelt, dass auch dieser boxende Scrambler zum Erfolgsmodell wird.

Retro überall

Sein klassisches Einstiegsmodell V7, aktuell in der Version "Due" gebaut, hat Moto Guzzi als Basis für die neue Version V7 Stornello hergenommen und ebenfalls einen Scrambler komponiert. Der überzeugt durch eine gelungene Formensprache. Zugleich hat man in Italien eine Version der neuen V9 als Bobber gestaltet: Mit dicken, aber kleinen Rädern zitiert auch dieses Modell längst vergangene Zeiten.

Auf demselben Trip ist als einziger japanischer Hersteller Yamaha unterwegs. Hier bedient man sich hochmoderner Modelle der MT-Baureihe und macht sie primär durch den Austausch von Bauteilen wie Tank, Räder sowie Karosserie optisch älter und damit emotionaler. Passend dazu herrschen auch bei dieser Marke nicht klare oder gar grelle Farben vor, sondern Pastelltöne. In Mailand hat man der noch sehr jungen XSR 700 eine deutlich stärkere Version namens XSR 900 zur Seite gestellt. Fraglich ist allerdings, ob die Yamaha-Fans sich für diese Modelle erwärmen können - streng genommen handelt es sich nämlich nicht um Zitate früherer Modelle, sondern um die Implantation eines von außen kommenden Trends ins Modellprogramm. Aber dem Hipster mag's egal sein - wer heute Vollbart trägt und Baumfäller-Hemden schätzt, ist mit einer XSR allemal gut bedient. Und funktionale Nachteile gegenüber einer MT-07 oder MT-09 hat Yamahas Retro-Version ganz sicher nicht.

Quelle: n-tv.de, kse/sp-x

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