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200.000 Euro "Werbekostenzuschuss" aus Vereinskasse? Neue Vorwürfe gegen ADAC-Chef Meyer

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Keine Ruhe beim ADAC - ganz im Gegenteil: Flossen 200.000 Euro "Werbekostenzuschuss" aus der Vereinskasse für ein Funktionärsmitglied?

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Druck auf den ADAC und dessen Führung wächst. Umstrittene Hubschrauberflüge, Fälschungen beim Autopreis "Gelber Engel" und nun auch noch finanzielle Hilfen unter Funktionärskollegen mit Geldern des Automobilclubs?

Das Image des ADAC bekommt immer mehr Kratzer. Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" soll ADAC-Präsident Peter Meyer in ein fragwürdiges Geschäft unter Club-Funktionären verwickelt sein. Der von Meyer geleitete ADAC Nordrhein e.V. habe der Firma eines Funktionärskollegen 200.000 Euro "Werbekostenzuschuss" für ein Fernsehstudio auf dem Nürburgring, der legendären Rennstrecke in der Eifel, gegeben, so das Blatt. Demnach habe im November 2009 der Regionalverband Nordrhein einen Vertrag mit einer Firma namens Wige Performance geschlossen, die zur Wige Media AG gehört, einem Unternehmen, das unter anderem Fernsehbilder von Sportereignissen produziert.

Alte Bekannte

Bei der Wige Media AG saß laut "Süddeutscher Zeitung" damals der ADAC-Funktionär Peter Geishecker im Vorstand, er war zudem Großaktionär. Geishecker war zugleich einer der beiden Chefs von Wige Performance. Meyer und Geishecker kennen sich seit Langem aus dem ADAC Nordrhein. Meyer steht diesem Regionalverband seit 2005 vor und war dort zuvor schon aktiv. Geishecker ist seit mehr als drei Jahrzehnten Funktionär im ADAC Nordrhein und saß dort zeitweise mit Meyer im Vorstand; auch im Jahr 2009, als der Vertrag zwischen dem Regionalverband und Wige Performance zustande kam, schreibt das Blatt. 2011 schied Geishecker aus Altersgründen aus dem Vorstand des ADAC Nordrhein aus.

Im Herbst 2009 hatte die Wige Media AG große finanzielle Probleme: sinkende Umsätze, Verluste, eine Sanierung war nötig und erfolgte dann auch. In dieser Lage sagte der Zeitung zufolge der von Meyer geleitete ADAC Nordrhein der vom ADAC-Funktionärskollegen Geishecker geleiteten Wige Performance 200.000 Euro zu. Den Verdacht, dass Meyer seinem ADAC-Kollegen Geishecker mit dem "Werbekostenzuschuss" behilflich sein wollte, wiesen beide zurück. Es sei um die "satzungsgemäße Förderung des Motorsports gegangen", erklärte der ADAC dem Blatt.

Als Gegenleistung für die 200.000 Euro sollte laut Vertrag  ein "Gläsernes Studio" auf dem Nürburgring nach dem ADAC benannt werden. Außerdem sollte ein Hubschrauberlandeplatz als "ADAC-Heliport" ausgewiesen werden. Hinzu kam ADAC-Reklame auf dem Wegweisersystem am Ring, auf sogenannten Stelen, wie die "Süddeutsche Zeitung" weiter schreibt.

Kein Schaden für ADAC?

Eigentlich ist es ADAC-Funktionären in einem "Selbstkontrahierungsverbot" untersagt, mit Vereinsvermögen untereinander Geschäfte zu machen. Der sechsköpfige Vorstand des ADAC Nordrhein, in dem Meyer und Geishecker zusammen saßen, und der 20-köpfige Vorstandsrat sollen nach Angaben des Autoclubs für dieses Geschäft das "Selbstkontrahierungsverbot" jedoch aufgehoben haben.

Von langer Dauer war die Partnerschaft zwischen ADAC und Wige Performance allerdings nicht. 2012 ging der Nürburgring pleite. Es entstand, so der ADAC, ein "Geschäftsvakuum", auch beim Gläsernen Studio. Der Vertrag wurde aufgelöst, die Wige Performance zahlte 100.000 Euro zurück.

Dem ADAC Nordrhein sei kein Schaden entstanden, betont der Automobilclub gegenüber der Zeitung. Mit dem Vereinsvermögen werde sorgsam umgegangen. Präsident Meyer lege Wert auf die Feststellung, dass seine Kontakte zu Geishecker nur im Zusammenhang mit seiner ehrenamtlichen Tätigkeit beim ADAC Nordrhein e.V. standen. "Persönliche Kontakte oder Verbindungen außerhalb dieser ehrenamtlichen Tätigkeit fanden nicht statt."

Geishecker sagteseinerseits, man habe alles "sauber getrennt". Außerdem seien die Leistungen seiner Wige Performance für den ADAC Nordrhein seien deutlich mehr wert gewesen als die vereinbarte Summe. Hätte der ADAC nicht die Werberechte gekauft, dann hätte man diese an einen anderen Interessenten vergeben, betonte Geishecker.

Quelle: n-tv.de, bad

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