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VDA rühmt "automobiles Kulturgut" Oldtimer-Bestand wächst weiter

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Unter den rollenden Preziosen sind deutsche Fahrzeuge besonders beliebt.

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Als Oldtimer gelten in Deutschland jene Fahrzeuge, die die Voraussetzungen für die Zuerkennung eines H-Kennzeichens erfüllen. Der achte Buchstabe des Alphabets steht dabei für "historisch". Im vergangenen Jahr waren 231.000 betagte Pkw mit solch einem Kennzeichen für den öffentlichen Straßenverkehr zugelassen. Zehn Jahre zuvor waren es nicht einmal 100.000. Seitdem ist der Bestand im Schnitt jedes Jahr um neun Prozent gewachsen.

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Bei der Anschaffung von Oldtimern handelt es sich nicht um die Schrullen von Superreichen.

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VDA-Präsident Wissmann, dem es im Zusammenhang mit Oldtimern nicht an Bekennermut fehlt ("...mein ganz persönliches Lieblingsthema") dürfte nicht unzufrieden damit sein, dass sich unter den rollenden Preziosen deutsche Erzeugnisse als ebenso beliebt wie haltbar erwiesen haben. Fast zwei Drittel der registrierten Klassiker sind einheimischer Herkunft. Mercedes ist die am häufigsten vertretene Marke, der VW Käfer das beliebteste Modell.

Keine Spekulationsobjekte

Letzterer gilt den Verbandslobbyisten als Beleg dafür, dass Besitz und Pflege eines historischen Fahrzeug weder als elitäres Steckenpferd noch Schrulle von Superreichen angesehen werden kann: "Die weitaus überwiegende Zahl der Liebhaber sind ganz normale Bürger, die ihr Hobby pflegen", sagt Wissmann. Der Durchschnittspreis eines Oldtimers in Deutschland, so habe der VDA ermittelt, liegt nicht etwa im sechsstelligen Bereich, sondern bei 13.800 Euro. Autos in solchen Preisregionen taugten nicht zum Spekulationsobjekt. Die Statistik der Besitzerwechsel untermauere dies: Umschreibungen werden im Schnitt bei sieben Prozent der im Bestand geführten Oldtimer aktenkundig, bei normalen Gebrauchten ist dieser Anteil doppelt so hoch. "Hier geht es", fasst der Verbandspräsident und ehemalige Verkehrsminister die offizielle Haltung seiner Organisation zusammen, "um die Bewahrung eines Kulturguts und nicht um Privilegien für Wohlhabende".

Dieses Statement zu wiederholen ist Teil der Verbandspolitik, denn der Betrieb eines anerkannten Oldtimers ist tatsächlich mit Privilegien verbunden. Dies sind Vorteile bei der Kfz-Steuer ebenso wie technische Zugeständnisse. Ein Klassiker im Originalzustand braucht keine Sicherheitsgurte und auch der Motor unterliegt weder Feinstaubnormen noch sind Umweltplaketten zum Befahren der Innenstädte nötig. Die Gründe für diese Bevorzugung erscheinen nachvollziehbar: Gemessen am gesamten Verkehrsgeschehen spielen die Oldtimer aufgrund ihrer geringen Zahl und ebenfalls überschaubaren Jahres-Laufleistung eine untergeordnete Rolle.

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Die meisten Oldtimer fahren im Jahr weniger als 1500 Kilometer.

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Die meisten fahren im Jahr weniger als 1500 Kilometer, was einem Zehntel der durchschnittlichen Kilometerleistung anderer in Privathand befindlicher Pkw entspricht. Der Beitrag der historischen Fahrzeuge zum Gesamtvolumen der Schadstoff-Emissionen ist deshalb eher dürftig. Außerdem sucht der Schnauferl-Besitzer, der am Wochenende sein Fahrzeug bewegen will, nicht die Innenstadt von Großstädten auf, sondern fährt raus aufs Land. Unheil sieht der Verband aber aus Brüssel herauf ziehen. Eine neue Luftreinhalte-Richtlinie der EU könne die Fahrzeuge vollständig aus den Innenstädten aussprerren.

80er stehen in den Startlöchern

Der VDA rechnet für die nächsten Jahre mit einem weiteren Anstieg der Nachfrage für H-Kennzeichen. Gerade haben die ersten Fahrzeuge aus den 80er Jahren die für das Klassiker-Nummernschild erforderliche 30-Jahre-Grenze überschritten. Technisch höherwertig als die Autos der Sechziger und Siebziger, zunehmend ausgestattet mit Hohlraumversiegelung und anderen konservierenden Technologien, dürften die Besitzer verstärkt  in den Zulassungsstellen um Aufnahme in den noch immer einigermaßen exklusiven H-Club anstehen. Allerdings sieht der Chef-Lobbyist die Ausgestaltung der Verordnung über Wechselkennzeichen als "Enttäuschung" an. Die erlaubten zwei Fahrzeuge sein zu wenig, die erwarteten Steuererleichterungen habe es nicht gegeben.

Matthias Wissmann macht das keine Sorge. Einen Anteil von bis zu einem Prozent am Gesamtbestand der zugelassenen Fahrzeuge hält er für "absolut vertretbar". Bisher spielten die Veteranen auch im Unfallgeschehen kaum eine Rolle. Ebensowenig hapere es an der gesellschaftlichen Akzeptanz. Der VDA verweist dazu auf eine Studie des Allensbach-Institus vom vergangenen Jahr, wonach in Deutschland rund 4,42 Millionen Menschen ein "besonderes Interesse" an Oldtimern haben. 88 Prozent davon sind Männer. Man solle deshalb seitens der Politik den Zugang zu H-Kennzeichen "nicht unnötig begrenzen". Um dem erwarteten Zuwachs mit einer Professionalisierung der Interessenvertretung begegnen zu können, hat der VDA bereits 2009 mit dem ADAC und dem Zentralverband des deutschen Kfz-Gewerbes (ZDK) eine Arbeitsgemeinschaft geschaffen, in der regelmäßige Konsultationen stattfinden.

Aus Sicht der Arbeitsgemeinschaft erschöpft sich die Bewahrung des automobilen Kulturguts jedoch nicht auf Erwerb und Betrieb eines Oldtimers. Auch die Fähigkeit, ihn ordnungsgemäß zu warten und gegebenenfalls zu reparieren gehört dazu. Und längst nicht alle Oldie-Besitzer liegen regelmäßig mit ölverschmierten Händen unter ihren Schmuckstück. Die Kompetenz, veraltete Technik am Laufen zu halten, gehört aus Sicht der Arbeitsgemeinschaft ebenfalls zum Bewahrenswerten.

In der normalen Kfz-Werkstatt hat jedoch der Einzug der Elektronik das Berufsbild der dort Beschäftigten komplett verändert. Viele Azubi von heute haben noch nie einen Vergaser gesehen. Der ZDK bietet deshalb seit wenigen Jahren eine Zusatzausbildung zum Oldtimer-Mechaniker an. Das dort erworbene Know-how, so Wissmann, trage dazu bei, "dass die Liebe zum Auto weiterhin Bestand hat".

Quelle: n-tv.de

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