Auto

Individualist aus der Offensive Peugeot 3008 - der kernige Franzose

3008_Peugeot_460.JPG

Aus dem einstigen Van ist ein waschechtes SUV geworden. Als solches möchte der Peugeot 3008 auch wahrgenommen werden.

(Foto: Karl-Heinz Augustin)

Peugeot hat seine Vans 3008 und 5008 in SUV umgewidmet. Das ist optisch erstaunlich gut gelungen, wie man auf dem Pariser Autosalon sehen konnte. Doch wie macht sich ein solches Kompakt-SUV wie der 3008 auf der Straße oder gar im Gelände?

3008_Peugeot_458.JPG

Charismatisch ist das Gesicht des Peugeot 3008.

(Foto: Karl-Heinz Augustin)

Fünf neue SUV hatte Peugeot im vergangenen Jahr zur Auslobung seiner Offensive im Bereich der Offroader versprochen. Zwei wurden auf dem Autosalon in Paris vorgestellt und die sind für die europäische Kundschaft auch die relevanten: der Peugeot 3008 und der 5008. Während der 3008 am Samstag bei den deutschen Händlern seine Markteinführung feiert, kommt der große 5008 erst im März 2017. Und was ist mit den drei anderen? Nun hierbei handelt es sich um den alten, aber aufgehübschten 3008, einen 4008 und die Langversion des erstgenannten. Alle drei Modelle sind für den chinesischen Markt und insofern für das hiesige Publikum irrelevant.

Insofern gilt die Aufmerksamkeit an dieser Stelle dem neuen 3008, denn dieses Auto soll noch ein Versprechen erfüllen: die Höherpositionierung. Die ist im Übrigen nicht mit dem Umstand zu verwechseln, dass die Franzosen jetzt auf Premium machen wollen. Dafür gibt es im PSA-Konzern inzwischen DS. Nein, es geht vielmehr um ein Innovations- und Qualitätsversprechen. Und das erfüllt der neue 3008 auf den ersten Blick umfänglich. Vor allem qualitativ ist das SUV erneut ein ganz großer Schritt nach vorne. Als einziger Importeur können die Franzosen zum Beispiel das AGR-Zertifikat der "Aktion Gesunder Rücken" an ihre Polster heften.

Spiel auf Augenhöhe

Innenraum.jpg

Der Innenraum macht im Peugeot 3008 einen sehr wertigen Eindruck und entbehrt nicht einer gewissen Eigenständigkeit.

(Foto: Holger Preiss)

Und tatsächlich macht das Gestühl einen ganz hervorragenden Eindruck, glänzt auf Wunsch sogar mit Massagefunktion, Vollleder- oder Alkantarabespannung. So platziert hat der Pilot einen extrem entspannten Blick auf ein volldigitales Cockpit, das in keiner Optionsliste zu finden, sondern tatsächlich in der Grundausstattung enthalten ist. Ebenfalls bereits im Einstiegsmodell für 22.900 Euro: die Verkehrszeichenerkennung und der Spurhaltewarner. Wer mehr will, der bekommt mehr. Zum Beispiel adaptive Assistenten, die den Wagen auf Kurs halten, den Abstand messen, im Zusammenspiel das Tempo halten und 3008 am Ende bis zum Stillstand abbremsen. Natürlich wird auch der tote Winkel aktiv überwacht oder der Parkvorgang mit 180-Grad-Umsicht übernommen. Kurz, der Peugeot 3008 ist nicht nur im 21. Jahrhundert angekommen, er spielt, was die kleinen Helferlein betrifft, auf Augenhöhe mit der etablierten Konkurrenz.

Und noch etwas hat sich im Cockpit geändert: Während beim Peugeot 308 beispielsweise kein Knopf mehr das Gesamtbild stört und alle Funktionen über den acht Zoll großen Touchscreen bedient werden, haben Designer und Ingenieure im 3008 den Weg zurück zu den Tasten gefunden. Die sind verchromt und können über einen Klick die am häufigsten benötigten Dienste aufrufen: Navi, Klima, Radio, Telefon und Konnektivität zum Smartphone, das über Apple CarPlay und ab kommenden Jahr auch über Android Auto gekoppelt werden kann. Das entbindet den Fahrer vom Gang in die Menü-Untiefen und sieht zudem ausgesprochen stylisch aus.

Individualist für Individualisten

3008_Peugeot_459.JPG

An dem markanten Heck strahlen die Leuchten in der typischen Drei-Krallen-Optik von Peugeot.

(Foto: Karl-Heinz Augustin)

Ansonsten hat der Franzose äußerlich und innerlich immer noch seine Eigenarten. Eigenarten, die ihn zum Individualisten für Individualisten machen. Da sind die zackigen Frontleuchten und ein fröhlich lächelnder Kühlergrill, der dem kräftigen Auftritt des 4,45 Meter langen SUV etwas Freundliches gibt. Hinzu kommen Sicken, die die ausgestellten Kotflügel unterstreichen, eine abfallende Dachlinie, die so schnittig im Spoiler endet, wie es vorn beginnt. Am Heck strahlen die drei Löwenkrallen als LED, geklammert von einer schwarzen Spange.

Und weil der 3008 nicht nur der Ansage nach ein SUV ist, hat er auch einen Unterfahrschutz, liegt 22 Zentimeter über Grund und kann sogar mit einem Böschungswinkel in den Papieren glänzen. Vorne sind es 29, hinten 20 Grad. Was es aber nicht für Geld und gute Worte gibt, ist ein Allradantrieb. Den wird es erst 2018 in Form einer Hybrid-Variante geben. Dabei soll ein Elektromotor dann zusätzlich die Hinterräder antreiben. Auch das wird nicht für die Dakar reichen, aber leichtes Geläuf ist bereits mit dem Fronttriebler zu bewältigen. Und damit das ohne Vertun funktioniert, gibt es optional eine Grip-Control, im Verbund mit einer Bergabfahrhilfe. Anders als bei anderen Herstellern wird die per Knopfdruck aktiviert und arbeitet dann selbständig, ohne Zutun des Fahrers.

Klein, aber fein

3008_Peugeot_456.JPG

Der Peugeot 3008 lässt sich ausgesprochen agil und mit Spaß bewegen.

(Foto: Karl-Heinz Augustin)

Aber der Fahrer darf natürlich auch selbst tätig werden. Und das ist gut so, denn der 3008 überrascht mit einer unglaublichen Agilität, die man ihm so gar nicht zutrauen möchte. Das inzwischen peugeottypische kleine und für ein SUV sehr ungewöhnliche Volant in der Hand, wedelt der Franzose ganz famos und ohne spürbare Seitenneigung um die Kurven. Selbst wer es ein wenig übertreibt, wird keine Probleme haben, den Franzosen wieder einzufangen. Um derart sportlich unterwegs zu sein, bedarf es auch keiner großvolumigen Motorisierung. Flott ist man auch mit dem Dreizylinder am Start. Der Benziner leistet 130 PS und drückt 230 Newtonmeter auf die Vorderachse. Das brennt am Ende keine Löcher in den Asphalt, reicht aber für einen unbeschwerten Ampelstart, die 100-km/h-Marke ist nach 10,8 Sekunden erreicht. Die Höchstgeschwindigkeit gibt Peugeot mit Tempo 188 an.

Der kleine Dreiender soll unter freundlichem Knurren lediglich 5,1 Liter verbrauchen. Die interne Anzeige gab nach ausgelassener Berg- und Talfahrt die doppelte Menge an. Auch hier wird die Wahrheit dazwischen liegen. Was an dem 3008 mit dem kleinsten Aggregat nicht wirklich erfreut, ist die etwas ungeschmeidige manuelle Sechsgang-Handschaltung. Hier fühlt sich der Tester doch allzu sehr an längst vergangen geglaubte französische Zeiten erinnert. Die gibt es definitiv nicht mehr im 2.0 Liter Diesel mit 150 PS. Hier flutschen die Gänge ganz leicht durch die Gassen und 370 Newtonmeter schieben ordentlich an. Der Spurt auf Landstraßentempo gelingt eine Sekunde schneller als beim Dreizylinder und am Ende soll die digitale Tachonadel bei 208 stehen. Verbrauchstechnisch müssten die Fahrer bei angegebenen 4,5 Litern jubeln, real muss natürlich auch hier der eine oder andere Liter draufgepackt werden.

Was die Bedienbarkeit betrifft, ist der Diesel durch das höhere Gewicht auf der Antriebsachse in den Kurven noch besser zu handhaben als der Dreizylinder. Der poltert im Leerbetrieb im Übrigen auch etwas über die Hinterachse.

Wer den sportlichen Rausch im Peugeot 3008 sucht, muss sich selbstredend für einen den 2,0-Liter-Vierzylinder-Turbodiesel mit 180 PS in der GT-Variante entscheiden. Der verteilt seine Kraft über eine wirklich gut arbeitende Sechsgang-Wandlerautomatik und schiebt den 3008 mit 400 Newtonmetern in 8.9 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Der Anschaffungspreis liegt hier allerdings schon bei 39.700 Euro. Die Ausstattungsliste ist in diesem Fall aber recht umfänglich: Lediglich die Soundanlage von Focal, Lederpolster, die 3D-Navigation + DAB und die Peugeot Connect Box können gebucht werden. Unterm Strich stehen dann 43.250 Euro. Ach und noch etwas: Wer jetzt den Van wegen seines Platzangebotes vermisst, der muss das nicht. Auch als SUV bietet der Franzose ausreichend Raum auf allen Plätzen. Der Kofferraum schluckt 520 bis 1482 Liter. Das sollte auch für die Familie und den Großeinkauf reichen.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema