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Sandfloh für Buddelkinder Polaris RZR RS1 - Spaßmacher fürs Grobe

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Der Polaris RZR RS1 ist als All Terrain Vehicle entwickelt.

(Foto: Polaris)

Wer den Polaris RZR RS1 in Gelände ausführt, der muss hart im Nehmen sein. Warum? Weil es nicht sauber ist und weil es nicht schnell vorbei ist. Aber wer in dem Sandfloh sitzt, der will das auch gar nicht, denn dafür macht es viel zu viel Spaß.

Der Dreck spritzt meterhoch, von unten prasseln Steine gegen den Wagenboden wie Schrotkugeln, nach hinten sieht man nicht viel mehr als eine meterlange Staubschleppe und die Spargelstecher im hessischen Ried südlich von Darmstadt kommen aus dem Staunen nicht heraus. Denn von der Deutschlandzentrale des amerikanischen Hersteller Polaris in Weiterstadt ist heute mal wieder ein RZR RS1 auf einer Testrunde und der Fahrer hat den Baja-Piloten in sich entdeckt. Mit breitem Grinsen treibt er da Gefährt zwischen den Äckern über die Piste, springt wie ein Sandfloh, gräbt sich durch den Schlamm wie eine Wühlmaus, nimmt die engen Kehren im Drift hart an der Grenze der Fahrphysik und wähnt sich nach kaum fünf Minuten in Mexiko beim berühmtesten Dünenrennen der Welt.

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Die treibende Kraft im Polaris RZR RS1 ist ein Zweizylinder mit einem Liter Hubraum und 110 PS.

(Foto: Polaris)

Dazu braucht es nicht viel. Schließlich ist der RZR RS1 ein Dreckskerl und auch noch stolz darauf. Als so genanntes All Terrain Vehicle entwickelt und in erster Linie für den Einsatz in der Forst- oder Landwirtschaft, beim Militär und Katastrophenschutz gedacht, ist der Einsitzer so etwas wie der Lamborghini Urus in seiner Gattung – kompromisslos auf Sport ausgelegt und so egoistisch konzipiert, dass er gleich als Einsitzer gebaut wurde.

Den hält nichts auf

Und vor allem ist er so konstruiert, dass er sich von nichts und niemandem aufhalten lässt. Dort, wo sich die vielen neumodischen SUV aus Angst um den blitzblanken Lack und die polierten Alufelgen nie hin trauen würden und wo sich echte Geländewagen wie eine G-Klasse von Mercedes oder ein Wrangler von Jeep schon allen wegen Gewicht und Größe buchstäblich schwer tun, fährt er einfach durch und denkt sich nicht mal was dabei.

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Das ursprüngliche Einsatzgebiet des Polaris RZR RS1 ist die Forst- oder Landwirtschaft, das Militär und der Katastrophenschutz.

(Foto: Polaris)

Knietiefe Pfützen, fußballgroße Steine, halbe Baumstämme, Bodenwellen und Buckelpisten – am Steuer des RZR RS1 lächelt man über so etwas nur milde und zieht allenfalls das Visier des Helms zu, den sie eine vor der Fahrt sicherheitshalber über die Rübe gestülpt haben. Nicht, weil der Polaris das erfordern würde – wozu hat er schließlich einen soliden Gurt über dem bequemen Sitz und Überroll-Käfig über der Kunststoffbadewanne, die einem hier als Karosserie dient. Sondern weil es höllisch weh tut, wenn einem bei der Fahrt durchs Unterholz die Zweige an die Stirn schlagen oder der die grobstolligen Gummis den Dreck so weit aufwirbeln, dass der Matsch auf die Wangen klatscht.

Die Analogie mit der Badewanne passt doppelt gut für den RS1. Zum einen, weil das Sitzgefühl so nackt und ungeschützt tatsächlich etwas von einem Wannenbad hat. Und zweitens, weil es im Fußraum wie daheim im Bad einen Stöpsel gibt. Bevor sich der Fahrer nach seinen schmutzigen Spielen unter die Dusche stellt, kann er so problemlos sein Spielzeug säubern und das Wasser nach dem Kärchern einfach ablaufen lassen.

Alles fürs Gelände

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Knietiefe Pfützen, fußballgroße Steine, halbe Baumstämme, Bodenwellen und Buckelpisten - kein Problem für den RZR RS1.

(Foto: Polaris)

Dass dieses ATV so viel weiterkommt als jeder Geländewagen, hat viele Gründe. Neben dem handlichen Format von etwa 3,00 mal 1,60 Metern und dem kurzen Radstand von 2,11 Metern sowie einem lächerlich niedrigen Gewicht ist es vor allem das Offroad-Fahrwerk: Rallyedämpfer mit über einem halben Meter Federweg und fast 40 Zentimeter Bodenfreiheit garantieren einen spürbar erweiterten Aktionsradius. Und je schneller man fährt, desto glatter fühlt sich die Buckelpiste an. Und weil es natürlich eine Servolenkung gibt, die Gänge automatisch sortiert werden und man auf Wunsch auch mit Allrad fährt, kann sich der Fahrer voll und ganz auf die Strecke konzentrieren: Weite Sprünge, langgezogene Drifts – so ist der maximale Spaß garantiert.

Treibende Kraft ist dabei ein Zweizylinder mit einem Liter Hubraum und immerhin 110 PS, der den RS1 zum Porsche für die Pampa macht. Klar kann man mit einem Spitzentempo von 130 km/h auf dem Weg in die Wildnis keinen Blumentopf gewinnen und fragt sich, ob dieses All Terrain Vehicle wirklich seine Straßenzulassung verdient. Doch wenn der Asphalt erst einmal zu Ende ist, schlägt die große Stunde des kleinen und der Spaß kann beginnen.

Das Vergnügen hat seinen Preis

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Stolze 23.990 Euro verlangen die Amerikaner für den RZR RS1.

(Foto: Polaris)

Stolze 23.990 Euro verlangen die Amerikaner für den RZR RS1. Einerseits ist das ziemlich viel Geld für ein Spielzeug, dem jeder Alltagsnutzen fehlt. Aber andererseits ist der Spaß, den man damit haben kann, schier unbezahlbar. Und gemessen an einem Lamborghini Urus ist der Polaris ja noch immer ein Schnäppchen.

Natürlich sind die ATV wie der RZR RS1 zunächst mal Arbeitsmaschinen für Forst- oder Landwirtschaft oder echte Sportgeräte, mit denen ernsthafte Meisterschaften ausgefahren werden – erst recht, wenn sie so kompromisslos sind wie der neue Einsitzer aus Amerika. Doch mischt sich mittlerweile auch eine Zahl von Zivilisten unter die Kunden, die ihren Spaß an den Sandkastenspielen für Große gefunden haben oder einfach vom Boom der SUV überrollt worden sind. Denn nachdem mittlerweile jeder Kindergarten-Mutti einen Geländewagen fährt, müssen echte Männer offenbar auf härte Kaliber umsteigen, wenn sie den Dreckskerl geben wollen.

Quelle: n-tv.de, hpr/sp-x

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