Auto

Schweden wollen wieder mitspielen Saab baut altes Auto zu neuem Preis

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Dass der Oldi Saab 9-3 II ein Verkaufsschlager wird, darf bezweifelt werden.

Saab ist wieder da - aber wahrscheinlich nicht mal eine Konkurrenz für Volvo. Denn die Schweden wollen den 9-3 in der 2011er Variante auferstehen lassen. Davon werden nur zwei Stück pro Tag gebaut, der Vertrieb läuft über das Internet.

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Das letzte Facelift erfuhr der Saab im Jahr 2011.

Saab ist zurück. Seit dem 2. Dezember werden im schwedischen Trollhätten nach zwei Jahren wieder Autos gebaut. Nun darf der Begriff Auto in diesem Fall weit gefasst werden. Der neue Eigner, das chinesisch-japanische Konsortium National Electric Vehicle Sweden, kurz Nevs, nahm die Produktion des Saab 9-3 Aero Sedan wieder auf. Wie, kennen Sie? Natürlich, das ist eben jenes Modell, dessen Ursprung im Jahr 1998 liegt. Da tauchte der Nachfolger des Klassikers 900 zum ersten Mal auf dem Markt auf. Im Angebot der ersten Generation waren die Karosserievarianten Schrägheck mit fünf Türen, Coupé und Cabrio. Die zweite Ausführung, die 2002 zu den Händlern rollte, gab es später auch als Kombi. Der damalige Neue wurde noch unter der Ägide vom ehemaligen Saab-Eigner General Motors entwickelt, weshalb die technische Basis auch jetzt noch von den Amerikanern stammte.

Motor stammt aus Restbeständen

Allerdings ist der Saab 9-3 II nicht nur ein modifizierter Opel Vectra C. Von dem guten alten Rüsselsheimer stammen nur noch 30 Prozent aller Teile und somit aus den Regalen von GM. Alle anderen Bauteile wurden von den Schweden entwickelt. Das ist letztlich auch der Grund, warum GM keine Lizenzrechte an diesem Wagen hat und Nevs die Produktion starten kann, ohne zu befürchten, dass GM Ansprüche anmeldet. Allerdings hat das auch zur Folge, dass der Motor ein alter Bekannter ist. Der im neuen 9-3 verbaute Zweiliter-Turbobenziner wurde von GM vor mehr als einem Jahrzehnt entwickelt, leistet 220 PS und wurde als Restbestand am Produktionsstandort im schwedischen Trollhättan in einem Lager "gefunden", das Nevs beim Kauf von Saab mit erworben hatte.

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Der Innenraum, wie man ihn kennt, ist etwas knopflastig.

Bei den Kariosserievarianten beschränken sich die Schweden jetzt auf die Limousine, die im Frühjahr 2011 ein letztes Facelift bekam. Die Änderungen fanden vor allem an der Front und am Heck statt, wobei der Wagen sich optisch mehr dem großen Bruder 9-5 II anpasste. Der Innenraum dürfte dem von 2007 entsprechen, als er seine letzte Überarbeitung erfuhr. Highlights waren seiner Zeit das Navigationssystem und eine Klimatisierungssteuerung. Man kann es drehen wie man will, der Saab 9-3 II ist ein altes Auto, das sich europaweit in homöopathischen Mengen verkaufte.

Teurer Spaß mit Endzeitgarantie?

Das ist dann wohl auch der Grund, warum nach dem Produktionsstart lediglich zwei Autos pro Tag gebaut werden sollen. Die werden dann ab kommender Woche - auch nur übers Internet - nach China und Schweden verkauft. Die Preise starten bei 31.400 Euro für das Modell mit Handschaltung, 32.500 mit Automatikgetriebe. Nicht wirklich günstig für ein Fahrzeug, das veraltete Technik nutzt. Wer vor seiner Bestellung eine Probefahrt mit dem neuen Auto machen will, muss nach Trollhättan kommen, etwa 35 Fahrminuten nördlich von Göteborg, sagte Nevs-Chef Mattias Bergman, denn ein Händlernetz hat Saab nicht mal mehr in Schweden. Und nur zum Vergleich: Ein aktueller VW Passat mit 200 PS ist ab rund 33.500 Euro zu haben. Die vergleichbaren Premium-Wettbewerber Audi A4 (225 PS) und Volvo S60 (180 PS) kosten rund 36.000 beziehungsweise 33.300 Euro.

In Anbetracht der Tatsache, dass die meisten Autobauer Dutzende Autos pro Stunde produzieren müssen, um profitabel zu sein, und nur wenige Hersteller es bis dato versucht haben, Fahrzeuge ohne ein Händlernetz an den Mann zu bringen, erscheint der neuerliche Anfang von Saab ambitioniert, aber auf kurze Sicht zum Scheitern verurteilt.

Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass das Konsortium im kommenden Jahr den Kombi des 9-3 II wieder auflegen und eine rein elektrisch betriebene Variante anbieten will. Bis jetzt wollten die Nevs-Vertreter auch keine Absatzprognose abgeben. Aber jetzt, da die Produktion laufe, "können wir Versprechen zum Preis und den Lieferzeiten abgeben", sagte Nevs-Chef Begamen. Es liegen bereits Angebote für das erste Auto vor, das vom Band rollen wird, sagte ein Sprecher. Aber das wird für eine Zertifizierung erst einmal nach China geschickt. Dann kommt es wieder zurück nach Trollhättan, wo es an das Saab-Museum gehen wird.

Quelle: ntv.de

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