Auto

Tschechen lassen den Bären los Skoda Kodiaq feiert Weltpremiere in Berlin

KOdiaq_1.jpg

Im Kraftwerk Berlin feierte der Skoda Kodiaq seine Weltpremiere.

Holger Preiss

Skoda hat jetzt endlich seinen Bären freigelassen: Der Kodiaq feiert in Berlin seine Weltpremiere und präsentiert sich als ausgewachsenes SUV, das "ein bisschen mehr bieten soll" als die Konkurrenz. Und damit ist nicht nur die Größe gemeint.

Kodiaq_2.jpg

Klare Flächen und eine stark abfallende Dachlinie geben dem Skoda Kodiaq trotz seiner Größe etwas Dynamisches.

(Foto: Holger Preiss)

Kaum hat VW die zweite Generation des Tiguan von der Leine gelassen, da zieht die Tochter aus Mladá Boleslav mit dem Kodiaq blank. Bereits auf dem Autosalon in Genf sorgte die Studie "Vision S" für Aufsehen und für einen ersten Ausblick auf das, was die Tschechen unter einem großen Kompakt-SUV verstehen. Gestern Nacht feierte nun das Serienmodell unter den Augen von 600 Journalisten aus der ganzen Welt seine Premiere in Berlin.

"Immer ein bisschen mehr"

Warum Berlin? Weil die Stadt den Bären im Wappen trägt ebenso wie der US-Bundesstaat Alaska, wo der Kodiakbär beheimatet ist. Neben dem Kamtschatkabären gilt er als eines der größten an Land lebenden Raubtiere und ist gleichsam der Namensgeber für das SUV, das sich allerdings am Ende mit Q und nicht mit K schreibt. Doch wie dem auch sei, Fakt ist, dass der Kodiaq von Skoda das größte SUV ist, das die Tschechen in ihrer inzwischen 121-jährigen Geschichte gebaut haben. Die Entwicklung des Kodiaq hat davon allerdings nur vier Jahre beansprucht. Dabei ist ein Offroader entstanden, der sich sehen lassen kann und der dem Motto treu bleibt: "Bei Skoda muss es immer ein bisschen mehr sein."

Kodiaq_4.jpg

Die Lichtgrafik am Heck des Skoda Kodiaq wirkt wie eine gekippte Streitaxt.

(Foto: Holger Preiss)

Ebenso wie der Konzernbruder Tiguan, der die gleiche Multimodell-Plattform benutzt, präsentiert sich der Kodiaq scharfkantig - steht dabei aber ganz im neuen Skoda-Marken-Look, den Chefdesigner Jozef Kaban bereits mit dem neuen Octavia geprägt hat. Mit 4,70 Meter Länge ist der tschechische Bär gut 20 Zentimeter länger als sein Kollege aus Wolfsburg, wirkt aber deutlich bulliger. Die Front wird von einem wuchtigen Kühlergrill geprägt, der von charakterstarken Scheinwerfern flankiert wird, deren LED-Tagfahrlicht wie ein Lidstrich am unteren Rand der Verglasung strahlt. Am Heck wirkt die geschliffene Lichtgrafik wie eine gekippte Streitaxt und kooperiert in 3D-Optik hervorragend mit den zackig gefalzten Blechkanten.

Glaskunst und Kubismus

Fragt man Kaban, was ihn bei der Gestaltung beeinflusst hat, wird der Philosoph des Auto-Designs nicht müde, die Details am Kodiaq zu erläutern. So sind in den Frontscheinwerfern Einflüsse der böhmischen Glasbläserkunst zu entdecken. Im Zusammenspiel mit den Nebelleuchten ergibt sich gar ein Kleeblatt, dass nicht nur Licht, sondern auch Glück verspricht. Ein echter Kunstgriff sind dem Tschechen bei der Gestaltung der Rücklichter gelungen: Hier sind Einflüsse des Kubismus zu finden - eben jener Kunstrichtung, die die Objekte auf geometrische Figuren reduzierte. In der Übersetzung heißt das nichts anderes als klare Flächen und Strukturen. Oder wie Kaban es zusammenfasst: "Ein Skoda ist wie ein Glas frisches Wasser, das man jeden Tag trinken kann."

Der_neue_SKODA_Kodiaq_Interieur_94374.jpg

Der Innenraum des Skoda Kodiaq wirkt robust und aufgeräumt.

Im Innenraum haben sich die Designer bemüht, eine robuste Atmosphäre zu schaffen, die aber gleichsam eine Eleganz ausstrahlt, die dem Kodiaq gut zu Gesicht steht. Dabei bleibt sich Kaban auch hier treu. Kein überflüssiger Tand, keine Show, alles ist auf Funktionalität ausgerichtet. So wirkt die Instrumententafel, die man bereits aus dem Superb kennt, klar und übersichtlich. Drehregler und Schalter sitzen an den richtigen Stellen, und ein großes Multimediadisplay im Glasdesign sorgt für den Informationsfluss bis hin zur Internetanbindung.

"Bestvernetztes Auto auf dem Markt"

Prinzipiell verspricht Skoda, dass das SUV in Zukunft zu den "bestvernetzten Autos" auf dem Markt zählen soll. Darunter subsummieren sich nicht nur die insgesamt 22 Assistenzsysteme, sondern auch die Möglichkeit der Ferndiagnose des Autos mittels einer eigenen Skoda-App und ein Navi, dass nicht nur die herkömmlichen Daten, sondern auch Google-Earth nutzen kann. Allerdings dürfte dieser Optionenkanon nicht mehr für den angestrebten Grundpreis von knapp 24.000 Euro zu bekommen sein. Inzwischen lässt sich nämlich auch Skoda das Oberklasse-Feeling im Mittelklasse-Format ordentlich bezahlen. Beim komplett ausgestatteten Spitzenmodell mit einem 190 PS starken 2.0 TDI wollen die Tschechen allerdings nicht über die 40.000 Euro hinausfahren.

*Datenschutz

Ansonsten erfreut der Kodiaq, getreu dem Motto "Simply Clever", mit pfiffigen Ideen. Wer häufig mit Kindern unterwegs ist, weiß wie schwer die Verständigung mit der zweiten Reihe werden kann. Das SUV aus Tschechien bietet sogar die Option einer dritten Sitzbank, was die Kommunikation noch beschwerlicher gestaltet. Um lautes Brüllen und Kopfwenden des Fahrers zur Informationsverbreitung zu vermeiden, hat Skoda die Möglichkeit geschaffen, die Stimme des Fahrers via Mikrophon auf die hinteren Lautsprecher zu übertragen.

Noch mehr Platz

Auch die Kindersicherung der hinteren Türen ist jetzt von den vorderen Plätzen elektrisch zu verwalten. Außerdem gibt es im Bären einen automatisch ausfahrenden Türkantenschutz, der 90 Prozent aller Lackschäden beim Öffnen in Parklücken verhindern soll. Neu ist die Möglichkeit, die Seitenwangen der Kopfstützen einzuklappen, so dass auch das Haupt eines schlafenden Reisenden gestützt wird. Kleinigkeiten, wie der Eiskratzer in der Tankklappe oder die abnehmbare Kofferraum-Beleuchtung, gibt es natürlich auch.

Eine ebenfalls nicht zu unterschätzende Innovation ist die Möglichkeit, die elektrisch aufschwingende Heckklappe mit einem Fußwedler unter dem Stoßfänger öffnen zu können. Der dahinter liegende Gepäckraum schluckt beim Fünfsitzer 720 Liter und fasst, wenn die dritte Sitzreihe steht, immer noch 270 Liter. Sind nur die Vordersitze in Gebrauch, werden sogar 2065 Liter frei. Um den Deckel wieder zu schließen, muss nicht mehr daran gezogen werden oder ein Knopf betätigt werden. Ein erneuter Wink mit dem Fuß lässt sie wieder nach unten fahren.

Während das alles neu ist, findet sich unter der Haube vertraute VW-Technik. Zwei Diesel und drei Benziner werden am Anfang den Kodiaq befeuern, wobei das Leistungsband vorerst von schmalen 125 PS bis 190 PS reicht. Grundsätzlich wird der Alaska-Bär über die Fronträder angetrieben, bei den Spitzenmodellen ist natürlich Allrad Pflicht.

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema