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In den Tauchurlaub nach Ägypten Sohn von ADAC-Chefin flog im Rettungsjet

Erst war es nur der "Gelbe Engel", doch jetzt holen den ADAC immer mehr Probleme ein. Einem Medienbericht zufolge nutzten Manager und deren Angehörige Rettungsflieger auch privat. Sogar zur Trocknung eines Fußballfelds diente ein ADAC-Helikopter.

Der ADAC kommt aus der Kritik nicht mehr heraus. Offenbar nutzten Manager und deren Angehörige Rettungsflieger des Clubs nicht nur für dienstliche Reisen, sondern auch privat. Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, soll eine ehemalige ADAC-Führungskraft im August 2012 dafür gesorgt haben, dass ihr Sohn und dessen Freund in einem Rettungsjet nach Ägypten mitfliegen konnten.

Dem Bericht zufolge hatten die beiden Jungen den Abflug zum Tauchurlaub nach Ägypten verpasst. Die Juristin, zu deren Aufgaben auch der "Aero-Dienst" gehörte, soll dann den Jungen zwei Plätze im ADAC-Rettungsflieger organisiert haben, der mit Intensivmedizin-Geräten für schwere Notfälle ausgerüstet gewesen sei. An Bord sei neben dem Piloten auch ein Notarzt gewesen, der einen kranken Deutschen aus Ägypten abholen sollte. Die Jungen saßen demnach auf Notsitzen, die für Angehörige von Verunglückten vorgesehen sind.

Wie die "Bild"-Zeitung schreibt, handelte es sich dabei um einen schweren "Missbrauch von Rettungsgeräten". Als der Gratis-Flug aufflog, zog die Top-Managerin im Februar vergangenen Jahres die Konsequenzen und legte ihr Amt nieder.

Club-Präsident ließ sich nach Hause fliegen

Auch Club-Präsident Peter Meyer soll nach einem Bericht der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" nicht nur zu dienstlichen Terminen, sondern auch von einem Geschäftstermin nach Hause geflogen sein. Ein ADAC-Sprecher in München betonte, der Flug am 27. Juni 2003 sei nicht extra für Meyer organisiert worden, sondern der Hubschrauber sei ohnehin auf dem Rückweg zu seinem Standort in Bonn gewesen. "Herr Meyer ist auf diesem Weg in Essen ausgestiegen."

"Der Flug wurde kostendeckend abgerechnet", sagte der ADAC- Sprecher. Der Umweg habe im widrigsten Fall bei 50 Kilometern gelegen. Zunächst hatte der Sprecher allerdings gesagt: "Es ist kein Umweg gewesen." Was genau der Flug damit möglicherweise mehr kostete, blieb unklar. Aber: "Reisekosten wären sowieso entstanden." Diese wären wohl kaum niedriger gewesen als die möglichen Mehrkosten des Fluges.

Der Hubschrauber hatte Meyer zuvor von einem Diensttermin in Hamburg zu einem dienstlichen Termin in Wolfsburg gebracht. Die ADAC-Vorschriften gestatten es Präsidiumsmitgliedern, aus dienstlichen Anlässen mit Reservemaschinen der Luftrettung zu fliegen. Dennoch sind die Flüge umstritten.

ADAC-Helikopter föhnte Rasen

Dabei wurden die ADAC-Flieger offenbar auch noch für andere Dienste eingesetzt. Wie die "Welt" schreibt, trocknete ein Rettungshubschrauber im Februar 2006 sogar mit dem Wind der Rotorblätter den Rasen in einem Fußballstadion.

Dem Bericht zufolge soll es in Braunschweig so geregnet haben, dass das Abendspiel gegen den Zweitligisten Dynamo Dresden auf der Kippe stand. Da alle Versuche, mit Laubsaugern den Rasen zu trocknen, riefen die Verantwortlichen beim ADAC an - der sich sogleich hilfsbereit zeigte.

ADAC-Funktionäre in Doppelfunktion

Wie das ZDF berichtet, hat der ADAC außerdem noch ein Problem: So sollen hochrangige ADAC-Mandatsträger neben ihrem Ehrenamt auch geschäftlich für den Verein tätig geworden sein. ADAC-Vizepräsident für Verkehr, Ulrich Klaus Becker, ist demnach mit seiner Kanzlei zugleich ADAC-Vertragsanwalt. Er sei Ansprechpartner für ADAC-Mitglieder, falls es etwa zu Streit nach einem Unfall kommt. Auch drei regionale Funktionäre sind laut Bericht als Vertragsanwälte tätig.

"Nach dem Kenntnisstand der Zentrale gibt es keinen einzigen Fall, in dem ein Rechtsanwalt aufgrund seines Ehrenamtes beim ADAC e.V. zum Vertragsanwalt ernannt worden ist", teilte der ADAC mit. "Alle Vorstände, Vorsitzenden, Präsidiumsmitglieder im ADAC, die Vertragsanwalt sind, waren lange vor ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit Vertragsanwälte." Der Vorstand des Regionalclubs entscheide, wer eine solche Position ausübe.

Das Bundesverbraucherministerium kündigte an, sich in die Affäre um den Club einzuschalten. Es werde mit dem ADAC über deren Qualitätskontrollen und die Unabhängigkeit von Vergleichen und Zertifikaten sprechen, sagte der für den Verbraucherschutz zuständige Staatssekretär Ulrich Kelber der "Welt". Auch mit anderen Organisationen wie etwa dem TÜV sollten Gespräche geführt werden, so der SPD-Politiker. "Es ist dringend nötig, dass das Vertrauen der Verbraucher auch in Testergebnisse und Zertifikate nicht-staatlicher Organisationen und Firmen hoch bleibt."

Der ADAC teilte indes mit, sich neu aufstellen zu wollen. "Wir glauben, dass wir nur durch eine grundlegende Reform die aktuellen Schwachstellen beheben können", so Präsident Meyer. Die Struktur des Vereins und seiner wirtschaftlichen Aktivitäten werde daher überprüft. Die Mitglieder sollen mehr eingebunden werden. In einer außerordentlichen Hauptversammlung soll die Neuausrichtung beschlossen werden.

Staatsanwaltschaft leitet Vorprüfung ein

Der ADAC steht in der Kritik, nachdem Manipulationen beim Autopreis "Gelber Engel" bekannt wurden. Unter anderem wegen der Hubschrauberflüge hat die Münchner Staatsanwaltschaft eine Vorprüfung eingeleitet. "Wir prüfen den Sachverhalt, haben aber nach wie vor kein Ermittlungsverfahren eingeleitet", sagte ein Sprecher der Behörde. Zudem prüft das Münchner Amtsgericht, ob der ADAC mit seinen rund 19 Millionen Mitgliedern künftig noch den Status eines Vereins haben darf.

Quelle: n-tv.de, ghö/dpa

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