Auto
Wie aus einem Science-Fiction-Film fliegt der TF-X von Terrafugia vor.
Wie aus einem Science-Fiction-Film fliegt der TF-X von Terrafugia vor.(Foto: Terrafugia)
Montag, 28. April 2014

Terrafugias fliegendes Auto: TF-X - Der Tesla für die Lüfte

Von Holger Preiss

Mit dem Auto hat der Mensch sich ein Stück persönlicher Freiheit geschaffen. Doch viel zu oft halten uns Dinge in der Bewegung auf. Schöner wäre es die dann fliegend überwinden zu können. Ideen dafür gibt es seit hundert Jahren. Gezündet hat bis heute keine. Doch vielleicht jetzt mit dem TF-X?

Dr. Trajan Vuia mit seinem fliegenden Auto im Jahr 1903.
Dr. Trajan Vuia mit seinem fliegenden Auto im Jahr 1903.

Der Traum vom fliegenden Auto ist alt. Noch bevor Staus die mit der Motorkutsche neu gewonnene Beweglichkeit einschränkten, gab es die Idee. Bereits am 17. August 1903 meldete Dr. Trajan Vuia das erste Patent für ein fliegendes Auto in Paris an. Gebaut wurde es nicht. Auch der Entwurf eines "Autoplane" von Glenn Curtiss aus dem Jahr 1917 schaffte es nicht in die Serie. Sein größtes Problem war wohl, dass es nicht einmal vom Boden abheben konnte. Das erste flugfähige Auto baute Waldo Waterman 20 Jahre später. Am 21. März 1937 führte er mit seinem "Aerobile" den Jungfernflug durch. Auf dem Boden und auch in der in der Luft sorgte ein Motor von Studebaker für den Vortrieb. Abgehoben brachte es das "Aerobile" auf 177 km/h und auf dem Boden waren es immerhin noch 88 Kilometer pro Stunde.

Was das Mobil für die Straße allerdings untauglich machte, war die Flügelspannweite von 12 Metern. Im Zusammenspiel mit der Länge von 6,10 Metern war das "Aerobile" selbst auf US-amerikanischen Highways nicht mehr zu fahren. Um der Spannweite aus dem Weg zu gehen, wurden futuristische Ideen entwickelt. Das Flugauto des Kanadiers Paul Moller glich einer fliegenden Untertasse. Erste Versuche startete Moller bereits 1965. Aber erst mit dem M200 gelang 1989 ein Start, der Sicherheit halber an einer Leine. Auch Mollers Skycars, die mit Hilfe von Jet-Düsen vertikal starten und landen sollten, hoben bis heute nicht vom Boden ab.

Transition fliegt schon

Mollers Skycars wollen einfach nicht fliegen.
Mollers Skycars wollen einfach nicht fliegen.

Die wohl im Augenblick ernst zu nehmende Firma in puncto fliegendes Auto ist Terrafugia. Nicht, dass sie sich von den hier vorgestellten Ideen deutlich unterscheidet, aber das Unternehmen mit Sitz in Woburn im US-Staat Massachusetts hat sein Flugauto mit dem Namen "Transition" wenigstens schon acht Minuten in der Luft halten können. Stolz wurde es auf der New York Auto Show im Jahr 2012 präsentiert und bereits zu jener Zeit sollen sich mehrere hundert Interessenten für einen Kauf des eigenwilligen Gefährts interessiert haben. Dabei liegt der Preis bei 279.000 US-Dollar, etwa 210.000 Euro. Die Auslieferung der Fluggeräte soll im kommenden Jahr starten.

Um mit der Spannweite von 8,38 Metern auf der Straße nicht zum Problem zu werden, können die Flügel elektrisch eingeklappt werden. Auf vier Rädern rollt der Transition dann, angetrieben von einem 104 PS starken Rotax-Motor, 105 km/h schnell und in der Luft schafft das Gefährt sogar 185 km/h. Um da hinzukommen, benötigt es aber einen Anlauf von mindestens 518 Metern. Bei aller Vision muss Firmenchef Carl Dittrich zugegeben, dass es sich beim Transition nicht um ein Konkurrenzfahrzeug zu herkömmlichen Autos handelt. Vielmehr besteht der Vorteil darin, dass der Pilot vom Kleinflughafen direkt vor die Haustür fahren kann. Allerdings benötigt man dafür nicht nur einen Autoführerschein, sondern auch eine Fluglizenz und mindestens 20 Stunden Flugerfahrung mit anderen Maschinen.

Der TF-X wäre die Lösung

Für den Transition sollen schon hundert Vorbestellungen eingegangen sein.
Für den Transition sollen schon hundert Vorbestellungen eingegangen sein.

Umso interessanter mutet die neueste Idee der Firma Terrafugia an. Hierbei handelt es sich um ein Helikopter-Flugzeug-Auto. Da sich das TF-X genannte Gefährt beim Start in einen Helikopter verwandelt, benötigt es nicht einmal eine Startbahn, sondern kann von der Stelle weg starten. In der Luft klappen die Propeller ein und der Vortrieb erfolgt jetzt wie bei einem Flugzeug. Die Technik der Kipprotoren findet bei der Marine bereits mit dem V-22 Osprey ("Fischadler") seinen Einsatz. Das sogenannte Wandelflugzeug startet senkrecht von Schiffen und bewegt sich dann waagerecht fort. Aerodynamisch scheint es beim TF-X unmöglich, dass sich der Viersitzer mit seinen kurzen Stummelflügeln überhaupt in der Luft hält. Das ist aber kein Problem, beteuern die Ingenieure.

Angetrieben wird der Auto-Flieger als Plug-in-Hybrid von zwei 600 PS starken Elektromotoren und einem Verbrenner mit 300 PS. Im Zusammenspiel soll das für eine Reichweite von etwa 800 Kilometern sorgen. Und die sollen immerhin mit einer Spitzengeschwindigkeit von 320 km/h überwunden werden. Bisher gab es zwar noch keine praktischen Versuche, aber ein Computervideo soll die Möglichkeiten des TF-X verdeutlichen. Allerdings räumt Terrafugia ein, dass die Entwicklung noch mindestens zehn bis zwölf Jahre dauern kann.

Datenschutz

Bleibt nur zu hoffen, dass bis dahin der Transition reichlich gekauft wird und dem Unternehmen nicht vor der Zeit das Geld ausgeht. Vorbestellungen können jedenfalls jetzt schon aufgegeben werden. Und während des Wartens müssen Sie auch keinen Pilotenschein machen. Um den TF-X steuern zu können braucht es nämlich nicht mehr als fünf Stunden Ausbildung, verspricht Terrafugia. In der Luft ist der Flieger nämlich mit dem Datennetz verbunden und das steuert im Wesentlichen die Flugbahn. Das bedarf aber noch der Anpassung bestehender Regeln an die neue Technik, räumt Terrafugia-Chef Dietrich ein. Und da die Mühlen der Bürokratie auch in den USA langsam mahlen, wird vielleicht der TF-X schneller zum Kauf stehen, als dass die Richtlinien zur Erlangung eines Flugscheins geändert wurden.

Quelle: n-tv.de