Auto

Souverän durchs Unterholz Toyota frischt Land Cruiser auf

Er gehört seit Jahrzehnten zu den Allrad-Ikonen: Jetzt wurde der Toyota Land Cruiser runderneuert und das Motorprogramm reduziert - zudem glänzt er mit allerhand Fahrwerks-Elektronik.

Toyota_Land_Cruiser_16153.jpg

Komplett neu gestaltet: der Toyota Land Cruiser.

Über die Uniformität des Autodesigns im 21. Jahrhundert zu klagen, ist ebenso ehrenwert wie sinnlos. Schon in der Mitte des 20. Jahrhunderts hat es automobile Einheitsware gegeben, die von "Eltern" auf unterschiedlichen Kontinenten abstammten. Der Toyota Land Cruiser gehörte 1951 dazu, seit Ende November steht die neueste Generation bei den deutschen Händlern.

Als der erste Geländewagen von Toyota vorgestellt wurde, hieß sein Zwilling Willys Jeep. Nicht einmal die Anzahl der Längsrippen am senkrecht stehenden Kühlergrill sagte etwas darüber aus, welches Fahrzeug aus den USA und welches aus Japan stammte. Beide hatten neun Schlitze. Ihre  rechtwinkligen Karosserieflächen, die kurzen Überhänge sowie sagenhafte Robustheit und Geländetauglichkeit prägten Jahrzehnte der Entwicklung und Generationen von Allrad-Personenwagen.

An diesen Primärtugenden hat auch die Entwicklung der so genannten Sports Utility Vehicles (SUV) nichts geändert, die oft als weich gespülte, hochbeinige Kombis daher kommen und immer öfter sogar auf Allradantrieb verzichten. Zwar geizt der neue Land Cruiser nicht mit Komfort, doch jenseits der Straße gibt es keine Kompromisse. "Wir haben uns darauf konzentriert, beides weiterzuentwickeln und es ist uns gelungen, die augenscheinlich widersprüchlichen Qualitäten gleichzeitig zu verfeinern und zu verbessern", sagt Chefingenieur Makoto Arimoto.

Nur noch Dieselmotoren

Toyota_Land_Cruiser_16136.jpg

Der SUV verbindet eine gute Geländetauglichkeit ...

Diese Weiterentwicklung darf durchaus als Konzentration auf das Wesentliche verstanden werden. Denn zwar gibt es den Land Cruiser auch künftig in zwei Karosserieformen, aber nur noch mit einem Motorkonzept. Wegen anhaltender Erfolglosigkeit wurde der Benzinmotor aus dem Angebot gestrichen; der bekannte 3-Liter-Diesel mit 173 PS wird künftig lediglich durch den 4,5 Liter großen V8-Selbstzünder ergänzt. Dieses Top-Modell ähnelt zwar äußerlich dem 5-türigen Land Cruiser, ist aber 19 Zentimeter länger und hat einen um sechs Zentimeter größeren Radstand.

Wer der Jagd frönt oder einen Waldbesitz inspizieren muss, für den ist nicht selten der dreitürige Land Cruiser das richtige Auto. Mit einem Radstand von 2,45 Metern ist er auch an steilen Kuppen nicht so lang, als dass ein Aufsetzen des Unterbodens am Scheitelpunkt befürchtet werden müsste. Auf der Straße ist der kurze Radstand eher hinderlich, einen wirklich gehobenen Fahrkomfort zu erzielen. Der Neigung des hohen Aufbaus, in zügiger Slalomfahrt zur Seite zu wanken und auch der Tendenz zu Nickbewegungen begegnet Toyota mit einer neuen elektronischen Fahrwerkskontrolle, die in der Ausstattungslinie "Life" serienmäßig an Bord ist.

Toyota_Land_Cruiser_16135.jpg

... mit Fahrfreude auf der Straße.

Das System hat mehrere Aufgaben. Es soll auf der Straße die Seitenneigung minimieren und das Lenkverhalten verbessern. Die Stabilisatoren an Vorder- und Hinterachse sind dazu mit eigenen Hydraulikzylindern versehen, die ihrerseits miteinander verbunden sind. Durch die Steuerung der Flüssigkeitsbewegungen in den Hydraulikzylindern wird einerseits der Federhub gedämpft, andererseits werden die durch kleine Unebenheiten auf der Fahrbahnoberfläche hervorgerufenen Vibrationen minimiert.

Wer weder Jagdpächter ist, noch Forst sein Eigen nennt, dennoch mit dem Land Cruiser die Feldmark erkunden will, dem bleiben oft nur Areale wie zum Beispiel der TF-Ring bei Kallinchen südlich von Berlin, wo auch für diese Testfahrt der passende Schauplatz gefunden wurde. Das 300 Hektar große Gelände diente schon der Kaiserlichen Wehrmacht als Übungsplatz, später pflügten Panzer der russischen Streitkräfte den Boden des zu 80 Prozent mit Mischwald bewachsenen Gebietes um. Nationale Volksarmee und DDR-Staatssicherheit, die hier Personenschutz- und Feuerwaffen-Ausbildung abhalten ließ, wussten das gut abgeschirmte Terrain zu schätzen. "Wir können hier Testbetriebe, Rallye- und Fahrertraining anbieten, einschließlich der ehemaligen Kieskuhlen haben wir für die Geländefahrt alle denkbaren Schwierigkeitsgrade", sagt Ulrich Hausmann, der als Geschäftsführer der Betreibergesellschaft des heutigen TF-Rings vorsteht.

Beherzt durch den Sand gewühlt

Der wie eh und je auf einem stabilen Leiterrahmen aufgebaute Land Cruiser setzt auf unbefestigten Wege die hier und da nicht ganz vorbildlichen Straßeneigenschaften in verblüffende Souveränität um. Lange Federwege sind natürlich bestens geeignet, die von Querrinnen, Furchen oder Wurzelgehölz herrührenden Stöße wegzubügeln. Auch weicher Sand kann seinen Vorwärtsdrang kaum bremsen, vorausgesetzt, der Fahrer geht beherzt zu Werke und vertraut auf die solide Bauweise dieses Offroad-Urgesteins.

Nicht nur permanenter Allradantrieb hilf dem weniger geübten Fahrer, auch die zuschaltbare Differenzialsperre, ein Untersetzungsgetriebe und die üppigen Böschungs- und Rampenwinkel sorgen für zügiges Vorankommen an bis zu 42 Grad steilen Hängen. Elektronische Hilfen wie Bergan- und -abfahrkontrolle erleichtern den Nutzern des Automatikgetriebes den Offroad-Parcours. Auf schwerem Geläuf die Leichtigkeit des Seins erleben zu lassen, scheint eine Spezialität dieses Toyota-Zweitonners zu sein.

Toyota_Land_Cruiser_16149.jpg

Der Toyota Land Cruiser zeichnet sich durch ein klares, schnörkelloses Design aus.

Die wahre Schwere liegt derzeit woanders. Mit einem Rückgang der Neuzulassungen um mehr als zwei Drittel wurde der Land Cruiser in Deutschland dieses Jahr so gebeutelt wie kaum ein anderer Geländewagen. Von 2953 KBA-Registrierungen in den ersten elf Monaten 2008 blieben nur noch 916 dieses Jahr übrig. Sogar die ebenfalls mit Kundendesinteresse gestrafte Marke Mitsubishi steht mit  ihrem 1149 Exemplaren Pajero besser da. Der Einstiegspreis von 36.950 Euro für den Dreitürer erscheint moderat, 58.350 Euro kostet der Fünftürer in der Executive-Ausstattung, dem Toyota Deutschland einen Verkaufsanteil von 36 Prozent zutraut. Der Niedergang der Verkaufszahlen hat den Importeur  Bescheidenheit gelehrt. Auf 700 Einheiten wird das Verkaufsziel des Land Cruisers für 2010 beziffert.

Quelle: ntv.de