Auto

Immer mehr Player im Spiel Wird das Auto zum Smartphone-Zubehör?

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Mit Apples CarPlay hält das Smartphone Einzug ins Auto und auf den Touchscreen.

(Foto: Holger Preiss)

Der Einmarsch von Google und Apple in die Cockpits dieser Welt lässt sich nicht mehr aufhalten. Die Autobauer versuchen immer noch mit eigenen Lösungen gegenzuhalten, während ganz neue Player glauben, auch in der Autobranche mitmischen zu können.

Der Wettstreit zwischen Autoindustrie und IT-Konzernen um die Führungsrolle im Fahrzeug-Cockpit verschärft sich. Während Apple und Google mit Rückenwind des Smartphone-Erfolgs die Displays der Infotainment-Anlagen besetzen, rüsten die Hersteller zur Gegenwehr. Die Branchenriesen Ford und Toyota prüfen derzeit eine Kooperation bei Systemen zur Integration von Smartphones in künftigen Modellen, wie sie beim Finanzdienst Bloomberg ankündigten. Damit würden sie verstärkt mit Carplay von Apple oder Android Auto von Google konkurrieren.

Spielraum für Differenzierungen fehlt

Carplay und Android Auto waren vor einem Jahr vorgestellt worden und finden jetzt allmählich den Weg in neue Fahrzeuge von Marken wie Opel, Volkswagen, Seat, Mercedes, Audi, Chevrolet oder Hyundai. Die Systeme lassen ausgewählte Smartphone-Apps zur Unterhaltung oder Navigation auf dem Auto-Bildschirm erscheinen und binden auch Kurzmitteilungen und Anrufe ein. Die meisten Hersteller unterstützen beide Plattformen und bauen weiterhin auch eigene Lösungen ein. Toyota und Ford sind auch Partner bei Carplay. Ford ist im Gegensatz zum japanischen Konzern ebenso bei Android Auto dabei.

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Mit zusätzlichen eigenen Ideen versuchen die Autohersteller, neben Google und Apple im Spiel zu bleiben.

"In der Industrie wird viel über das Verhältnis zu Google und Apple diskutiert", sagt ein gut vernetzter Unternehmensberater, der die Hersteller bei der Entwicklung eigener Systeme unterstützt. "Die Autobauer haben Angst, Daten an Google und Apple zu verlieren." Es gehe um Kontrolle: "Carplay und Android Auto sind so designt, dass das Auto zum Zubehör des Smartphones wird." Zudem vermissten die Konzerne Spielraum für Differenzierung: "Zu ihrem Geschäftskonzept gehört, dass die Bedienung in einem Maserati hochwertiger aussieht als in einem Fiat."

Fiat gegen Google und Co.

Der italienische Autobauer versucht bei seinem neuen Fiat 500X noch einmal, mit einer Infotainment-Lösung aus eigener Entwicklung dagegenzuhalten. Das System im Cockpit nutzt zwar das Smartphone zur Internet-Verbindung - die gesamte Bedienoberfläche wurde aber bei Fiat unter anderem mit Hilfe des US-Konzerns Harman entwickelt. Zugleich ließ Fiat-Chef Sergio Marchionne jüngst eine kleine Schockwelle durch die Branche gehen, als er erklärte, er sei bei seiner Suche nach einem starken Partner auch offen für Allianzen mit Apple und Google.

Marchionne tauchte außerdem im Silicon Valley auf und traf sich dort mit Apple-Chef Tim Cook sowie mit dem Gründer des Elektroauto-Bauers Tesla, Elon Musk. Cook sei interessiert an Apples "Intervention im Auto", erklärte der Fiat-Chef danach etwas kryptisch. Das gießt Öl ins Feuer der seit Monaten andauernden Gerüchte, Apple arbeite an einem Elektroauto, das zum Jahr 2020 auf den Markt kommen könnte. Die Spekulation kommt Apple - vielleicht auch mit Blick auf Gespräche mit den Autobauern - nicht ungelegen. So schürte Top-Manager Jeff Williams, der bei Apple für das Tagesgeschäft zuständig ist, die Gerüchte vergangene Woche sogar selbst.

Auto als "ultimatives Mobil-Gerät"

"Das Auto ist das ultimative Mobil-Gerät, nicht wahr?", antwortete er mit einem verschmitzten Lächeln auf die Frage nach möglichen künftigen Produktbereichen auf einer Konferenz des Tech-Blogs "Recode". Die Anspannung liegt inzwischen spürbar in der Luft. Volkswagen-Chef Martin Winterkorn holte vor wenigen Tagen zu einer überraschenden Attacke gegen Apple aus. "Ein Konzern wie Apple lässt seine Produkte nahezu ausschließlich bei Zulieferern in Asien fertigen - unter teilweise fragwürdigen Bedingungen", kritisierte er bei einer Forschungskonferenz in Berlin. "Das ist nicht unsere Vision!" Dass Apple inzwischen seine weltweite Zulieferkette einer strikten Kontrolle unterzieht, ließ der Konzern-Boss dabei unerwähnt.

Fest steht, dass sich das Auto in den kommenden Jahren gewaltig verändern wird. Selbstfahrende Fahrzeuge könnten auf lange Sicht ohne Lenkräder und Pedale auskommen, wie es Google schon jetzt bei seinen kugeligen Prototypen verspricht.

Ein Umstieg auf Elektro-Mobilität wird ganze Teil-Industrien etwa in der Produktion von Benzinmotoren oder Getrieben schröpfen. Und je tiefer die Elektronik ins Auto vordringt, desto mehr Gewicht bekommen die IT-Schwergewichte aus dem Silicon Valley, allen voran Google und Apple. Dazu könnten die Autokonzerne es mit noch ganz neuen Playern zu tun bekommen. An die Roboterwagen von Google haben sich inzwischen alle gewöhnt, aber selbst der Exot Local Motors, der auf Autokarosserien aus dem 3D-Drucker setzt, traut sich zu, mit der Zeit ein selbstfahrendes Fahrzeug auf die Straße zu bringen. "Warum nicht? Wir rechnen damit, dass die Technologie rasch günstig verfügbar sein wird", sagt Europachef Damien Declercq. Und Taxi-Schreck Uber holte sich auf einen Schlag 40 Forscher vom Robotik-Labor der Universität Carnegie Mellon, einem Vorreiter bei selbstfahrenden Fahrzeugen.

Quelle: ntv.de, Andrej Sokolow, dpa