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180 Kilometer Fahrspaß? Zero SR/S - E-Sportstourer mit Kurvendrang

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Mit 21.540 Euro ist die Zero SR/S in der Preisskala ganz oben angesiedelt.

(Foto: Zero)

Noch ist das Angebot an elektrischen Motorrädern recht überschaubar. Doch Vorreiter Zero aus den USA hat unterdessen sein Angebot deutlich erweitert. Seit kurzem gehört auch ein Sporttourer zum Portfolio und der macht seine Sache gar nicht schlecht.

Schon seit 14 Jahren hat sich das US-amerikanische Unternehmen Zero auf elektrische Motorräder spezialisiert. Anfangs belächelt, hat sich das Startup aus dem kalifornischen Santa Cruz dank des langen Atems unterdessen zu einem ernstzunehmenden Hersteller zweirädriger Mobilität gemausert. Jetzt versuchen die US-Amerikaner ein bislang von Elektromotorrädern nicht abgedecktes Segment zu erobern: Die neue SR/S markiert einen Sporttourer klassischer Prägung, nur eben mit Elektromotor.

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Die Zero SR/S kommt mit einer Vollverkleidung und einem zweigeteilten Sitzmöbel daher.

(Foto: RKM)

Deshalb kommt die Zero mit einer Vollverkleidung und zweigeteiltem Sitzmöbel daher, das dem Fahrer tatsächlich ein tourentaugliches Ambiente anbietet: In niedrigen 80,5 Zentimetern Höhe ergeben sich auf dem straffen, aber nicht unbequemen Polster entspannte Kniewinkel und ein erstaunlich hoher Lenker, an den sich der Pilot über die etwas zu lang geratene Tankattrappe strecken muss.

110 PS über 30 Minuten

Wie bei einem normalen Motorrad wird der Zündschlüssel gedreht, das bunte TFT-Display leuchtet auf und schon beim ersten Dreh am Gasgriff geht's richtig ab. Wer mit der momentanen Beschleunigung nicht gerechnet hat, wird ganz schön überrascht sein. Deshalb sollte man zunächst den Fahrmodus "Rain" einlegen, um sich an die nahtlose Kraftentfaltung zu gewöhnen. Über die linke Lenkerarmatur stehen vier werksseitig vorgegebene und ein im Stand über eine kostenlose App frei konfigurierbarer Fahrmodus parat, die Geschwindigkeit, Leistung, Drehmoment und den Grad der Rekuperation und die Traktionskontrolle kombinieren.

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Das technische Datenblatt weist für die Zero maximal 110 PS Leistung aus.

(Foto: RKM)

Aus dem Stand begeistert die Zero mit gleichmäßigem Druck in allen Lebenslagen, und das vom ersten Dreh am Gasgriff. Ohne Getriebe und Gangwechsel geht die Zero nahtlos vorwärts. Das technische Datenblatt weist maximal 110 PS Leistung, im Fahrzeugschein steht bei Elektrofahrzeugen aber die Dauerleistung, die über 30 Minuten erbracht werden kann. Für den Vortrieb sorgt bei der SR/S der quer eingebaute bürstenlose Synchronmotor mit seinen 54 PS. Und tatsächlich stehen ausgefahren kurzfristig echte 196 km/h auf dem Tacho.

Bei Gefahr von Überhitzung durch zu viel Vollgas reduziert die Zero den luftgekühlten Motor und lässt maximal autobahntaugliche 173 km/h zu. Ihr großes Pfund ist aber das gewaltige Drehmoment von 190 Newtonmeter, das die Zero zusammen mit dem fehlenden Getriebe konkurrenzlos durchzugsstark macht. Beispielsweise vergehen bei ihr beim Beschleunigen von 50 auf 120 km/h gerade mal 4,2 Sekunden, eine 165 PS starke BMW S 1000 R benötigt im letzten Gang dafür 5,9 Sekunden.

Mit viel Zug um die Radien

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Die Ladezeit der Zero SR/S ist Ausstattungsabhängig. Und die hängt bekanntermaßen vom persönlichen Geldbeutel ab.

(Foto: RKM)

Als Besonderheit bietet die Zero wie andere Elektromotorräder auch, via App das Maß der Rekuperation zu bestimmen, also die Energierückgewinnung durch den vom Schub angetriebenen E-Motor, der als Generator arbeitet und die Batterie lädt. Im Fahrbetrieb wirkt das wie eine Motorbremse. Dazu setzt die Elektronik Schubbefehle gut regulierbar und nur mit minimaler, kaum wahrnehmbarer Verzögerung um. Hat man sich darauf eingelassen lässt sich die SR/S schwungvoll und mit viel Zug um die Radien bewegen. Ohne Fahrgeräusche besteht allerdings die Gefahr, zu schnell in die nächste Kurve einzubiegen. Dann hilft die gute Dosierbarkeit der Zero-Stopper, die zwar nicht vehement zubeißen, dafür aber ein sehr gutes Gefühl für die Verzögerung geben.

Richtig wendig flitzt die 234 Kilogramm schwere SR/S über kleine Asphaltbänder und zischt mit sauberer Linienwahl akkurat und ohne Stabilitätsprobleme durch schnelle Kurven. Die geringeren bewegten Massen im Motorinneren im Vergleich zum Verbrenner machen die Fahrt leicht und genussvoll. Dazu agiert die schräglagengesteuerte Traktionskontrolle sehr sensibel, die den Vortrieb sehr behutsam zähmt.

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Die Rekuperation der Zero SR/S kann über eine entsprechende App gesteuert werden.

(Foto: RKM)

Das liegt daran, dass beim Elektromotor das Drehmoment direkt reduziert wird und nicht indirekt über geschlossene Drosselklappen und verschobene Zündzeitpunkte wie beim Ottomotor. Hochwertige, voll einstellbare Showa-Federelemente erlauben zudem eine personifizierte Einstellung. In der Grundabstimmung komfortabel sprechen sie gut auf Bodenunebenheiten an und stellen mit progressiver Dämpfung eine satte Straßenlage sicher. Nur über schnell aufeinanderfolgende kleine Wellen stottert die Gabel unschön hinweg.

Kein Schnäppchen in der Anschaffung

Natürlich kommt kein Elektrotest ohne einen Blick auf die Knackpunkte Reichweite, Ladezeit und Kosten aus. Bei gemischter und alles andere als zurückhaltender Fahrweise reicht der voll geladene 14,4-kWh-Akku der Zero für rund 180 Kilometer; weil bei knappem Akku-Stand die Leistung gekappt wird, sind in der Praxis sogar mehr als 200 Kilometer drin. Die Ladezeit ist eine Frage der Ausstattung: Die Premium-Version für ohnehin stattliche 23.740 Euro bietet für 2200 Euro mehr als die Standardversion (21.540 Euro) Heizgriffe, Alu-Lenkerenden und ein schnelles 6-kW-Ladesystem statt 3 kW.

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Bei gemischter Fahrweise reicht der voll geladene 14,4-kWh-Akku der Zero SR/S für rund 180 Kilometer.

(Foto: RKM)

Über ein optionales Typ2-Ladekabel, für weitere 300 Euro, zieht die Zero an einer Schnellladesäule - die es auf dem Land kaum gibt - gut fünf Kilowatt, wobei bis zur Vollladung etwa zweieinhalb Stunden vergehen. An der Haushaltssteckdose fließen 2,7 kW in die Batterie, das bedeutet fünf Stunden und 20 Minuten Ladezeit. Bei einem Energiepreis von 30 Cent je kWh kostet eine Akkuladung also weniger als fünf Euro - umgelegt auf knapp 200 Kilometer Fahrstrecke ist das ziemlich günstig.

Doch die Zero SR/S ist weit mehr als bloß ein gutes Elektro-Mobil mit praktischen Features wie dem Staufach in der Tankattrappe. Sie kann als grundsolides Motorrad überzeugen - Fahrwerk, Platzangebot und Tourentauglichkeit liegen auf konkurrenzfähigem Niveau. Ihr Elektroantrieb steuert reichlich, jederzeit beherrschbaren Schub bei, die Reichweite erlaubt immer noch keine Urlaubsreisen. Preislich nähern sich vollausgestattete Verbrenner langsam an. Die Zero ist sicher noch nicht massenkompatibel - ein faszinierendes Fahrerlebnis bietet sie trotzdem.

Quelle: ntv.de, Thilo Kozik, sp-x