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Optisch löst sich der V88 von seinem Vorgänger V77. Moderner und kantiger kommt der Sachsen-Renner daher.
Optisch löst sich der V88 von seinem Vorgänger V77. Moderner und kantiger kommt der Sachsen-Renner daher.(Foto: VSpeed)
Montag, 27. Juli 2015

Ein schnelles Radeberger bitte: Zweite Sachsen-Corvette geht an den Start

Von Holger Preiss

Melkus, Artega, Gumpert, Wiesmann - Kleinserienhersteller, deren Schicksal längst besiegelt scheint. Doch einer hält die Fahne hoch. Im beschaulichen Radeberg baut VSpeed seine Flitzer. Mit dem V88 soll ein echter Sachsenhammer kommen.

Die einen haben ein springendes Pferd im Logo, die nächsten einen Stier. Beiden gemeinsam ist der Umstand, dass sie Sportwagen bauen. Legendäre Sportwagen wohlgemerkt, die einen in Rot, die anderen in Gelb. Sie haben es längst erkannt: Die Rede ist von Ferrari und Lamborghini. Doch auch in Deutschland lässt ein Autobauer ein Tier springen. Im Zeichen der in Radeberg beheimateten Sportwagenschmiede VSpeed springt ein silberner Hirsch vor schwarzem Grund. Typisch deutsch? Mag sein, denn ein solches Tier vermutet man in der Heimat des königlichen Bieres eher auf einem Kräuterlikör als auf der Motorhaube eines Supersportwagens.

Mit der V77 startete Bernd Nörmer die Produktion bei VSpeed.
Mit der V77 startete Bernd Nörmer die Produktion bei VSpeed.(Foto: VSpeed)

Herr über die Boliden-Manufaktur in Sachsen ist Bernd Nömer. Vor genau einem Jahr stellte er seinen auf der Corvette C6 basierenden Zweisitzer dem Publikum vor. Doch während der US-amerikanische Bolzer mit seinem 6,2-Liter-V8 nur 437 PS leistet, lässt der Radeberger 40 Pferde mehr laufen und steigert das Drehmoment auf 626 Newtonmeter. Allerdings war die Corvette C6, die von 2005 bis 2013 gebaut wurde, seinerzeit bereits für knapp 77.000 Euro zu bekommen. Der V77 GT hingegen kostet 100.000 Euro mehr. Doch wen juckt's? Mit dem Hirsch gelabelt und dem Siegel "Made in Germany" versehen, ballert der Sachsen-Ami in 3,9 Sekunden an der Tempo-100-Marke vorbei und soll bis auf 320 km/h beschleunigen. Immerhin, so heißt es bei VSpeed, haben sich bereits fünf Käufer für den stilistisch der DDR-Rennwagenlegende Melkus verpflichteten und mit italienischem Flair versehenen V77 GT begeistert. Damit bleiben noch ganze sieben Kaufoptionen, denn die Produktion ist auf zwölf Fahrzeuge limitiert.

V88 noch heißer als V77

Aber eigentlich ist das alles Schnee von gestern, denn VSpeed arbeitet längst an einer noch heißeren Rakete. Anlässlich des fünfjährigen Firmenjubiläums soll nämlich ein V88 auf die Räder gestellt werden. Die Grundlage liefert diesmal die Corvette C6 Z06. Noch steckt die Idee im Computer, aber die von VSpeed bekannt gegebenen technischen Daten lassen aufhorchen: Geplant ist, dem Sieben-Liter-V8 mindestens 800 PS zu entlocken. Ob das mit Hilfe zweier Turbolader oder über zwei Kompressoren erfolgt, ist noch nicht sicher. Sicher ist aber, dass das Drehmoment bei über 750 Newtonmetern liegen wird.

Der Glasüberbau des V88, der sich bis ins Heck zieht, lässt einen Mittelmotorsportler ahnen.
Der Glasüberbau des V88, der sich bis ins Heck zieht, lässt einen Mittelmotorsportler ahnen.(Foto: VSpeed)

Auch der V88 wird als Leichtgewicht mit 1299 Kilogramm wieder für opulente Fahrwerte sorgen. Nach knapp drei Sekunden soll der Sachsen-Renner auf 100 km/h beschleunigen. Für die Spitze stehen jetzt 360 km/h im Datenblatt. Aber damit nicht genug. Die Gewichtsverteilung liegt bei 50:50, was bereits der Corvette entspricht, die mit 51:49 an den Start geht. Für den nötigen Grip sorgen 255er Pirellis auf 19-Zoll-Felgen vorn und 20-Zöller hinten mit 305er Pneus. Und für die Alltagstauglichkeit gibt es für den Zweisitzer sogar 500 Liter Kofferraumvolumen.

Mit 277.000 Euro kein Schnäppchen

Wer sich für den rasenden Sachsen interessiert, der sollte aber noch Folgendes wissen: Die Kosten für die auf fünf Stück limitierte Auflage des Supersportlers liegen bei 277.000 Euro. Ein Hammer-Preis, wenn bedacht wird, dass selbst die C6 Z06 in ihrer 2015er Variante "lediglich" 100.000 Euro kostet. Natürlich ist die Exklusivität des V88 größer und die Wahrscheinlichkeit, einem zweiten Besitzer eines solchen Unikats zu begegnen, geht gegen null. Wenn sich also Käufer finden, kann die Produktion sofort starten und nach zwei bis drei Monaten sollte die Flunder aus der Bierstadt vor der Tür stehen.

Ob das Gros der potenten Sportwagenfans aber die Notwendigkeit sieht, sich für sehr viel Geld einen Ami mit sächsischem Akzent in die Garage zu stellen, bleibt abzuwarten. Kleinserienhersteller wie Melkus, Artega, Gumpert und selbst Wiesmann mussten schmerzvoll lernen, dass Exklusivität nicht alles ist, was die Kunden haben wollen.

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Quelle: n-tv.de