Praxistest

Ein flotter Dreier BMW-Coupé mit Turbopower

von Axel F. Busse

Coupés werden nicht gekauft, weil sie so sparsam sind. Auch nicht, weil man die Kinder damit so schön zur Schule oder den Wochenend-Einkauf so praktisch nach Haus bringen kann. Schon gar nicht, weil sie nach hinten so übersichtlich und handlich einzuparken sind. Coupés werden gekauft, weil sie schön sind.

Mangelnde Schönheit könnte die Ursache dafür gewesen sein, dass 2005 nicht einmal jeder zehnte verkaufte 3er BMW ein Coupé war. Das wird dem neuen Modell nicht passieren. Elegant um die in der Vergangenheit so heftig kritisierten Bangle'schen Design-Prinzipien herum gezeichnet, ist es das, was ein Zweitürer immer sein sollte: Etwas Verlockendes.

Und das gleich in zweifacher Hinsicht: Unter der teilweise aus Kunststoff gefertigten Hülle, der die bei der Limousine spürbare bleierne Heckpräsenz völlig fehlt, schlägt ein neues Herz, mit der BMW in den Kreis der Produzenten von turbobefeuerten Autos zurückkehrt. Sie können eben nicht nur hoch drehende Zehnzylinder bauen, sondern auch Reihensechszylinder, die von gleich zwei Ladern zwangsbeatmet werden. Nach der Faustformel Hubraumvolumen-mal-Turbozuschlag heißt der neue Dreilitermotor "335i".

Turbo mit Spaßfaktor

Satte 306 PS schickt das Aggregat an die Kurbelwelle und das mit einem Drehmoment, das einem (kleineren) Diesel zur Ehre gereichen würde. 400 Newtonmeter, und zwar konstant zwischen1.300 und 5.000 Umdrehungen. Der Spaßfaktor ist enorm, obwohl das Auto mit mehr als 1.600 Kilogramm alles andere als ein Leichtgewicht ist. Ohne die Kunststoffseitenwände (die einen leichten Vorteil gegenüber der Limousine bringen) wäre es natürlich noch schwerer geworden, die 50:50-Balance hinzubekommen.

Gewicht hin oder her - das Coupé streichelt die Netzhaut. Obwohl in objektiv nachmessbaren Kategorien die Unterschiede zur Limousine eher gering sind, ist der optische Gesamteindruck wesentlich geschmeidiger, harmonischer und schicker. Das Dach ein bisschen flacher, die Türblätter ein bisschen länger, den hinteren Überhang etwas mehr herausgezogen - und schon wirkt die lange Nase der Frontpartie noch dynamischer. Dort sind jetzt serienmäßig Bi-Xenon-Scheinwerfer montiert. Außerdem fungieren die von der BMW-Frontoptik bereits bekannten Koronar-Leuchtringe als Tagfahrlicht.

Innen zementiert die bis auf die Rückbank durchgezogene Mittelkonsole das Konzept des 2+2-Sitzers. Die hinteren Sitze sind zwar für Passagiere mit erhöhtem Kopf- oder Beinraumbedarf nur bedingt geeignet, verglichen mit früheren 3er-Modellen sitzt man dort aber erstaunlich bequem. Neu im Innern ist auch der Teleskoparm, der als Gurtbringer lästige Verrenkungen beim Griff zur Anschnallvorrichtung vermeiden soll. Die elektrische Hilfe ist laut BMW "auf vielfachen Kundenwunsch hin" eingebaut worden. Ob sich Kunden auch mehr Gepäckraum wünschten, ist hingegen nicht bekannt. Tatsache ist aber, dass 440 Liter Laderaum den 3er schon fast zu einem Lkw unter den Coupés machen.

Dezente Wedelbewegung

Die Kennziffer "335" wird ab Herbst auch mit dem Zusatzbuchstaben "d" zu haben sein. Die Leistung des Diesels wird mit 286 PS nur geringfügig niedriger als beim Benziner ausfallen, jedoch dürfte das gewaltige Drehmoment von 580 Nm dafür sorgen, dass kein Temperamentsdefizit spürbar wird. Erstmals soll das 3er Coupé auch als Allradler angeboten werden.

Auf ersten Testkilometern über Tiroler Serpentinenstrecken offenbarte sich der 335i als ebenso agiles wie leicht beherrschbares Sportgerät. Provozierende Gasstöße in engen Kurven quittiert der Hecktriebler mit dezenten Wedelbewegungen, die an das Auskeilen eines Vollblüters erinnern könnten, aber niemals in die Nähe der Unkontrollierbarkeit kommen. Das ESP regelt unauffällig und so, dass der Spaß nicht zu kurz kommt. Die sehr direkte Lenkung vermittelt engen Kontakt zur Fahrbahn, die Fanfare der beiden Endrohre könnte allerdings ein etwas sportlicheres Klangbild abgeben.

Als Sonderangebot sind die 43.200 Euro, die für diese Art des Fahrvergnügens zu entrichten sind, wohl nicht anzusehen. Mit rund 141 Euro je PS ist der 335i aber günstiger als das künftige Einstiegsmodell 325i. Für 35.850 Euro bekommt man 218 PS - das sind 164 Euro pro Pferdestärke.

Quelle: n-tv.de