Praxistest

Kampfpreis aus Korea Der "Rexton Xdi s"

Von Axel F. Busse

Eigentlich fehlt nur noch der Stern: Eine nicht zufällig an Mercedes erinnernde Kühlerform und ein Sindelfinger Surren als Motorgeräusch lassen den neuen Rexton Xdi s sehr vertraut erscheinen. Doch der fernöstliche Offroader will nicht mit dem Cousin aus Stuttgart schmusen, sondern ihm Paroli bieten. Als preiswerte Alternative zu den etablierten Allradern von Benz, BMW, Landrover oder Volvo nimmt SsangYong den Wettbewerb auf.

Die kantige Erscheinung der ersten Generation wurde von den italienischen Designern bei Giugiaro geglättet, moderne Klarglas-Scheinwerfer und harmonische Proportionen bestimmen das Bild. Unterm Blech steckt der typische Geländewagen-Aufbau mit stabilem Kastenrahmen und aufgesetzter Stahlkarosserie. Beides zusammen ergibt ein Leergewicht von mehr als zwei Tonnen. Wie fast alle gegenwärtigen Offroader versucht der Rexton, die Tauglichkeit für die Buckelpiste mit der Bequemlichkeit für die Landstraße zu vereinen. Ein Kompromiss, der seinen Preis hat. Auf Schotter, dem Stoppelfeld, am Strand oder auf unbefestigten Waldwegen hat der Rexton unbestreitbare Qualitäten. Dort, wo verborgene Hindernisse lauern könnten, sollte man sich besser nicht wagen, denn Lenkgestänge und Auspuff liegen ungeschützt am Unterboden und in wirklich schwerem Gelände hat schon mancher sich unfreiwillig Blessuren geholt.

Die souverän hohe Sitzposition suggeriert Übersicht und Sicherheit. Die Sitze sind bequem und langstreckentauglich (Lederbezug Serie bei „s“-Version), viel Beinfreiheit herrscht im Fond. Rustikale Funktionalität bestimmt die Instrumentierung, nur die Plastik-Verblendungen im Holz-Look wirken billig und konterkarieren die sonst wohnliche Atmosphäre im Innern. Es muss halt irgendwo gespart werden, will man unter der Fahne des Preisbrechers segeln.

Deshalb wohl kostet die dritte Sitzreihe auch einen Aufpreis von 670 Euro. Auch andere nützliche Helfer sind nur als Extra zu bekommen: Tempomat und elektronisch geregelter Allradantrieb (900 Euro) oder der wegen der wuchtigen Ausmaße wünschenswerte Parksensor (870 Euro).

Am Klang des Common-Rail-Diesels konnten auch die mehr als 100 Millionen Dollar, die SsangYong nach eigenen Angaben in die Weiterentwicklung des Motors gesteckt hat, nichts ändern: Typisch Mercedes. Das Triebwerk bringt die mehr als zwei Tonnen Gewicht dank 345 Nm Drehmoment nicht ohne Temperament in Schwung. Die etwas indirekte Lenkung ist leichtgängig und bei Heckantrieb leider manchmal schwammig. Der Koreaner hat ein gutmütiges Fahrverhalten auf Asphalt. Bei Allradbetrieb sind allerdings Antriebseinflüsse in der Lenkung zu spüren.

Der Motor klingt um 2500 U/min metallisch und angestrengt. Die Sicherheitsausstattung ab Werk mit ESP, ABS, Traktionskontrolle, Front- und Seitenairbags, dazu Sicherheitslenksäule und Kindersicherung für die Hecktüren ist ausreichend. Mit rund 10 Litern Testverbrauch bewegte sich der Spritkonsum in erwarteten Rahmen.

Bequem steigt man auf alle Plätze ein und sieht sich logisch angeordneten Bedienelementen gegenüber. Die Heckklappe öffnet weit und hat eine bequeme Ladekante, die hintere Rückbank lässt sich einfach mit zwei Handgriffen umklappen und die Verzurr-Ösen im Laderaum sind auch mit an Bord.

Hohe Lade- und Transportkapazität bei limousinenartigem Komfort zeichnen das Auto aus. Auch wenn das Prinzip Sparsamkeit in der Qualität der Innenausstattung manchmal allzu sehr durchscheint, gibt es gute Gelände- und Alltagstauglichkeit verbunden mit Solidität in Antrieb und Verarbeitung zu einem Preis, der mit nicht einmal 35000 Euro doch deutlich unter dem der vergleichbaren Allrader aus europäischer Fertigung liegt..

Quelle: n-tv.de