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In der Gunst der Kunden legt der F-Type immer mehr zu. 40 Prozent der Neuzulassungen bei Jaguar gehen auf sein Konto.
In der Gunst der Kunden legt der F-Type immer mehr zu. 40 Prozent der Neuzulassungen bei Jaguar gehen auf sein Konto.
Sonntag, 30. November 2014

Temperament und Komfort: F-Type ist beim Start aufmüpfig

Von Axel F. Busse

Der Jaguar F-Type ist ein Erfolg. Inzwischen macht er fast ein Drittel des Gesamtabsatzes der Marke in Deutschland aus. Rundstrecken-Ambitionen sind dem knapp geschnittenen Coupé nicht abzusprechen, doch es kann auch Alltag, wie der n-tv.de-Praxistest zeigte.

Genau wie beim legendären E-Type folgt das Coupé dem Roadster mit zeitlichem Abstand – und legt fast monatlich in der Gunst der Kunden zu. Obwohl erst seit Frühjahr erhältlich, gehen schon mehr als 40 Prozent der Neuzulassungen auf das Konto der geschlossenen Variante. In diesem Test kam das Starterpaket zum Einsatz, das mit drei Litern Hubraum und 340 PS die Eintrittskarte in die F-Type-Welt löst.

Die versenkbaren Türgriffe schmiegen sich beim F-Type bündig ins Blech.
Die versenkbaren Türgriffe schmiegen sich beim F-Type bündig ins Blech.(Foto: Textfabrik/Busse)

Chefdesigner Ian Callum und sein Team standen vor der Herausforderung, den Mythos des alten Kult-Jaguars in eine zeitgemäße Form zu gießen, gleichzeitig den F-Type aber so markant und eigenständig zu machen, dass er selbst zum Kultobjekt werden kann. Als Zitat aus der Formensprache des Vorbilds ist die vorn angeschlagene und die Kotflügel überlappende Motorhaube zu verstehen. Und im Gegensatz zur Frontpartie, wo man sich im Vergleich mit italienischen Sportwagen dieses Kalibers durchaus noch mehr jaguar-typische Akzente wünschen könnte, ist das Heck ein Meisterwerk von zeitloser Eleganz. Eine seitlich angeschlagene Glasklappe, wie man sie noch an der Studie bewundern konnte, ist es leider nicht geworden, aber die sich nach hinten verjüngende Dachkuppel und die muskulös ausladenden Radhäuser erzeugen einen Spannungsbogen, der sich an den schmalen Heckleuchten und der spitzen Spoilerkante kraftvoll entlädt.

Harmonisch und wie hingegossen

Die an der Hinterachse um fünf Zentimeter breitere Spur tut ein Übriges, um Dynamik und Potenz zu signalisieren und man kann sich leicht vorstellen, dass die kleine Antennen-Finne auf dem Dach nicht auf der Wunschliste der Designer stand. Sie wirkt wie ein Fremdkörper auf der in sanfter Harmonie hingegossenen Silhouette, wo nicht einmal aufgesetzte Türgriffe die fließende Linienführung stören. Sie verschwinden bündig im Türblatt und tragen so zum ausgewogenen Gesamteindruck bei.

Alternativ zur 8-Gang-Automatik wird Jaguar demnächst eine Handschaltung anbieten.
Alternativ zur 8-Gang-Automatik wird Jaguar demnächst eine Handschaltung anbieten.(Foto: Textfabrik/Busse)

Zwei Sitzplätze, sechs Zylinder und nur zehn PS Leistungsunterschied machen das F-Type-Coupé zu einem Wettbewerber des Porsche Caymann GTS. Und auch wenn die Preise etwa das gleiche Niveau haben, bringt der Jaguar ab Werk die umfangreichere Ausstattung mit. Dazu gehört unter anderem die ebenso beliebte wie bewährte Acht-Gang-Automatik aus Friedrichshafen, Bi-Xenon-Scheinwerfer, Sportabgasanlage, Notbremsassistent, Reifendruckkontrolle, Scheinwerferreinigungsanlage, teilbelederte Sportsitze, elektrische Sitzverstellung, Pollenfilter, eine Radio-CD-Kombination mit 180-Watt-Sounssystem und eine Zentralverriegelung mit automatischer Türsperre bei Anfahrt.

Gelegenheiten, seinen F-Type teurer zu machen, hat der Kunde reichlich. Die elektrische Verstellbarkeit der Außenspiegel ist serienmäßig, aber wer sie einklapp- und automatisch abblendbar haben möchte, zahlt 525 Euro Aufpreis. Ein bisschen rote Farbe auf den Bremssätteln – 370 Euro. Und "Premium"-Fußmatten kosten 150 Euro. Mit Sonderfelgen, Metallic-Lack, Navi-System und Hochleistungsbremse kostete der Testwagen gut 15.000 Euro mehr als das Einsteigermodell.

Immerhin 407 Liter Gepäckraum

Obwohl sieben Zentimeter länger als der Mittelmotor-Sportler aus Zuffenhausen, ist der Innenraum des F-Types eher von der kompakten Enge eines Rennwagen-Cockpits geprägt. Zwar lassen sich farbliche Akzente durch die Wahl der Polster setzen, es dominieren doch die gedeckten Lederfarben und dunklen Oberflächen. Die tiefe Sitzposition und die relativ kleinen Scheiben tragen zu einer Atmosphäre bei, die vereinzelt als beengt empfunden werden könnte – auch wenn die wie angegossen passenden Sitze schnell das Gefühl der Einheit von Fahrer und Fahrzeug vermitteln. Das Anlegen des Dreipunkt-Gurtes kann in dieser Umgebung ein paar Sekunden länger dauern als üblich, denn da er nicht (wie bei manch anderem Coupé) von einer Schlaufe an der Sitzlehne fixiert werden kann, verkriecht er sich gern in dem schmalen Spalt zwischen Polster und B-Säule.

Aus den zwei Doppelendrohren kann es wundervoll dröhnen.
Aus den zwei Doppelendrohren kann es wundervoll dröhnen.

Stark motorisierte Coupés wurden nicht gekauft, weil sie so praktisch sind. Einer Kompakt-Limousine würde man eine fast 90 Zentimeter hohe Ladekante wohl nicht durchgehen lassen, beim F-Type lautet die primäre Transport-Anforderung, dass zwei Golf-Bags in den Gepäckraum passen müssen. Und 407 Liter Stauraum ist ja nun wirklich kein schlechter Wert. Cupholder und Ablagen sind ausreichend vorhanden, zwischen den Sitzlehnen gibt es in Kopfhöhe noch eine Ablagemulde für Kleinzeug.

Beim Rangieren oder Abbiegen in der City nützt der Blick über die Schulter nur wenig. Die Sicht nach hinten ist bauartbedingt stark eingeschränkt, weshalb man auf die Einparkhilfe hinten (+460 Euro) keinesfalls verzichten sollte. Hilfreich beim Rückwärtsfahren oder Ausparken ist die Rückfahrkamera (+320 Euro). Die teuersten Zusatzausstattungen finden sich in den Karbon-Keramik-Paketen, die außer 20-Zoll-Felgen auch eine Hochleistungs-Bremsanlage beinhalten und zwischen fast 9000 und mehr als 11.000 Euro kosten.

Aufmüpfig bei Starten

Gestartet wird per Knopf auf der Mittelkonsole. Parallel zum heftigen Ausschlag des Drehzahl-Zeigers faucht der V6-Motor bei dieser Prozedur seine Umgebung so kräftig an, dass Freunde eines dezenten Auftritts sich unvermittelt fragen, ob das denn wirklich sein muss. Als junger Spross aus altem Auto-Adel hat man so etwas doch gar nicht nötig. Schon gar nicht, wenn man mit einer derart hinreißenden Optik punkten kann. Immerhin: Beim Re-Start nach Start-Stopp-Abschaltung unterbleibt das aufmüpfige Getöse und der Fahrer hat es in der Hand – besser: im Fuß – ob er akustisch auf sich aufmerksam machen will.

Vor allem die Silhouette gibt dem F-Type seinen Charakter.
Vor allem die Silhouette gibt dem F-Type seinen Charakter.

Die Sportabgasanlage lässt derartiges natürlich zu und ab einer gewissen Drehzahl ist eine kräftige Röhre bekanntlich unverzichtbar für ein sinnliches Fahrvergnügen. Bei der Abstimmung von Federn, Dämpfern, Aufhängung und Lenkung war es vermutlich eine der größten Herausforderungen, den idealen Kompromiss zwischen dem knüppelharten Draufgänger und dem zahnlosen Tiger – pardon: Jaguar – zu finden. Die Suche nach dem bissigen Kurvenräuber muss der F-Type ebenso zufriedenstellen wie die Freude des gepflegten Cruisens. Und: Er tut es.

Da der Kompressormotor ab 3500 Umdrehungen mit 450 Newtonmetern zupackt, wird der Zweisitzer als agil und temperamentvoll erlebt. Lässig drückt er den 100-km/h-Sprint in knapp mehr als fünf Sekunden weg, wie er geschmeidig das geschwungene Landstraßenband durchmisst und lediglich bei spontanen Lenkmanövern den Wunsch nach mehr Unmittelbarkeit in der Reaktion offen lässt. Satt und unbeirrbar jagt er jenseits von 200 km/h dahin, erfordert nur minimale Korrekturen, vermittelt Sicherheit und Souveränität. Windgeräusche machen sich bei hohem Tempo nur mäßig bemerkbar. Der Praxiszuschlag von rund zwei Litern im Durchschnittsverbrauch liegt im erwarteten Bereich.

Fazit: Der F-Type hat das Zeug zum Klassiker und hilft, die Trauer über das Ableben der XK-Baureihe zu überwinden. Dessen hintere Sitze waren ohnehin nur unnötiger Ballast, da kommt ein ehrlicher Zweisitzer mit atemberaubenden Styling und kräftigen Motoren gerade recht. Temperament und Komforteigenschaften stehen in einem ausgeglichenen Verhältnis, und obwohl 67.000 Euro eine Stange Geld sind, ist der Preis geeignet, den einen oder anderen Interessenten von den Marken der Platzhirsche weg zu locken.

DATENBLATTJaguar F-TYpe Coupé V6
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,47 / 1,92/ 1,31 m
Leergewicht (DIN)1577 kg
Sitzplätze2
Ladevolumen407 Liter
MotorV6-Zylinder-Ottomotor mit 2995 ccm Hubraum und Kompressoraufladung
Getriebe8-Gang Quickschift-Automatik
Leistung250 kW/340 PS bei 6500 U/min
KraftstoffartSuper bleifrei
AntriebHeckantrieb
Höchstgeschwindigkeit260 km/h
max. Drehmoment450 Nm bei 3500  - 5000 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h5,3 Sekunden
Normverbrauch (außerorts/innerorts/kombiniert)12,4 / 6,8 / 8,8 l
Testverbrauch10,9 l
Tankinhalt72 l
EffizienzklasseE / EU5
Grundpreis67.000,00 Euro
Preis des Testwagens83.110,00 Euro

Quelle: n-tv.de