Praxistest

Endlich wieder ein Kompakter Nissan lässt es mit Pulsar pulsieren

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Dank guter Traktion gibt sich der Nissan Pulsar auch auf rutschigem Untergrund unkompliziert.

(Foto: Textfabrik/Busse)

Noch mit kleinem Motorangebot, aber mit großen Ambitionen startete Nissan im vergangenen Herbst seinen neuen Kompakten, den Pulsar. Ob der Fünftürer sich in dem vom VW Golf dominierten Massen-Segment behaupten kann, soll der n-tv.de-Praxistest beweisen.

Auch wenn die echten und die Möchtegern-SUV kräftig aufholen, noch immer ist die Kompaktklasse das volumenstärkste Segment auf dem deutschen Markt. Mehr als 800.000 Fahrzeuge dieser Kategorie wurden im vergangenen Jahr neu zugelassen. Kein Wunder, dass dort jeder mitspielen und ein kleines Stück vom großen Kuchen abhaben will, das der VW Golf an der gemeinsamen Tafel zurücklässt. Von den nicht wirklich erfolgreichen Modellen Almera und Tiida hat sich Nissan nicht entmutigen lassen und den Pulsar auf die Räder gestellt. Obwohl er keine wiederkehrenden Signale aussendet wie die gleichnamigen Himmelskörper, so könnte er doch kräftige Impulse für die Marke in Deutschland geben.

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Der 1,2-Liter-Vierzylinderim Nissan Pulsar leistet 115 PS - ist aber zuweilen recht durstig.

(Foto: Textfabrik/Busse)

Bevor im März ein 1,6-Liter-Turbo nachgeschoben werden soll, ist der 1,2-Liter-Ottomotor der einzige Benziner im Angebot. Er leistet 115 PS, was für angemessenen Vortrieb eines rund 1300 Kilo schweren Autos reichen sollte. Der Testwagen ist mit einer Sechsgang-Handschaltung ausgestattet und fährt in der mittleren Ausstattungslinie "Acenta" auf den Redaktionshof.

Die Kompaktklasse ist ein Vielseitigkeits-Wettbewerb. Extravaganzen im Design lässt man lieber bleiben, denn die sind selten massenkompatibel. Vielmehr kommt es auf Familienfreundlichkeit und Funktionalität, auf unkomplizierte Handhabung und eine nennenswerte Transportkapazität an. Bei dieser Disziplin hat der Pulsar schon mal einen Punkt gegenüber dem Klassenprimus gemacht: 385 Liter Gepäckraum, die zu 1395 nach Umklappen der Rücksitzlehne werden, sind ein Wert, der sich sehen lassen kann. Beim Golf endet das Zählen bei 1270 Litern. Mit 70 Zentimetern liegt die Ladekante auf durchschnittlicher Höhe. Leider hat das geräumige Abteil einen kleinen Schönheitsfehler: Nach Umlegen der Lehnen bleibt eine 20 Zentimeter hohe Stufe zurück, so dass längere Transportgüter nicht plan aufliegen.

Gute Ausstattung ab Werk

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In dem aufgeräumten Cockpit des Nissan Pulsar findet man sich auf Anhieb zurecht.

(Foto: Textfabrik/Busse)

So mutig und polarisierend gestaltet wie der technisch nahe Verwandte Nissan Juke ist der Pulsar nicht. Ohne Probleme könnte man das knapp 4,40 Meter lange Auto auch einem anderen japanischen oder koreanischen Hersteller zuordnen. Gut möglich, dass hinter dieser Unauffälligkeit auch System steckt: "Warum nicht mal einen Nissan nehmen?" könnten sich potenzielle Käufer fragen. "Wenn’s sowieso keiner merkt…" Dem gefälligen Äußeren versucht der Innenraum mit Wohnlichkeit und ordentlichem Platzangebot ein Pendant zu sein.

Standardmäßig geht der nur als Fünftürer lieferbare Pulsar zu Preisen ab 15.990 Euro in den Handel. Klimaanlage, höhenverstellbarer Fahrersitz, CD-Radio mit USB-Anschluss, Tempomat und elektrische Fensterheber sind immer Serie. Der Testwagen in der Acenta-Linie verfügte noch über Notbrems-Assistent, Fahrlichtautomatik, Scheibenwischer mit Regensensor, Sitzheizung vorn, Nebelscheinwerfer und beheizbare Außenspiegel.

Die sieben Zentimeter mehr Radstand, die der Pulsar gegenüber dem Golf für sich verbuchen kann, kommen den hinten Sitzenden voll zugute. Der Knieraum ist reichlich, die Kopf- und Schulterfreiheit gut. Vorn fühlt man sich ebenfalls gut aufgehoben, die Polster sind bequem, könnten aber ein wenig mehr Seitenhalt bieten. Die vom Modell Qashqai bekannten Fahrerassistenzsysteme inklusive 360°-Rundumsicht-System sind gegen Aufpreis auch für den Pulsar erhältlich. Vom großen Bruder stammt auch das Multifunktions-Lenkrad. Wer für 800 Euro das Nissan-Connect-Navigationssystem ordert, bekommt die Rückfahrkamera inklusive. Dem Kamerabild fehlt leider die horizontale Hilfslinie, die unmissverständlich den drohenden Kontakt mit einem Hindernis zeigt. Das ist deshalb unschön, weil es akustische Warner auch gegen Aufpreis nicht gibt. Die Tasten für die Sitzheizung sind an der richtigen Stelle und haben gut sichtbare Kontrolllampen.

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Unterm Dach des Nissan Pulsar können fast 1400 Liter Laderaum genutzt werden.

(Foto: Textfabrik/Busse)

Zwar ist der Verzicht auf unansehnliches Hartplastik nicht vollends geglückt, doch die meisten Oberflächen sind anschmiegsam, teilweise unterschäumt und machen insgesamt einen wertigen Eindruck. Der Startknopf liegt gut sichtbar oberhalb des Ganghebels und ist zur besseren Orientierung bei Dunkelheit beleuchtet. Die oval eingefasste Mittelkonsole ist übersichtlich gestaltet, nur hätte man sich besser dafür entscheiden sollen, den Monitor oben und die Lüftungsdüsen darunter zu platzieren. Dann läge die 5,8-Zoll-Touchscreen als Kommandozentrale noch besser im Blick- und Bedienfeld des Fahrers. An Ablagen und Getränkehaltern herrscht kein Mangel. Die Rundumsicht ist gut, nur die hinteren Kopfstützen stören etwas beim Blick in den Rückspiegel, weil sie nicht komplett versenkbar sind.

Das Soll in weiter Ferne

Der kleine 1,2-Liter-Motor arbeitet kultiviert und unauffällig, schon nach kurzer Zeit ist das Start-Stopp-System auch bei niedrigen Temperaturen zuverlässig auf dem Posten. In dne unteren Touren kann man den Turbolader leise säuseln hören, steigt die Drehzahl über 2000 Umdrehungen ist der zusätzliche Schub im Nu spürbar. 190 Newtonmetern bei einem kleinvolumigen Benziner, das ist schon recht ordentlich und sorgt für Temperament. Nur steigt mit dem Druck auch der Durst. Ohne das Gaspedal über Gebühr zu strapazieren, bleibt der Bordcomputer am Ende der Testfahrt bei fast drei Litern über dem Soll stehen. Zieht man wohlwollend einen Liter für häufige Scheibenheizung, Innenraumerwärmung und Kurzstreckenanteil ab, bleibt immer noch mehr als der branchenübliche Zuschlag.

Das trübt etwas die Freude an einem unkomplizierten und pflegeleichten Begleiter, dessen Fahrkomfort den Mitbewerbern nicht nachsteht. Die elektromechanische Lenkung hat ausreichend Rückstellkräfte, um nicht zu weich und unpräzise zu erscheinen. Die Federung ist komfortabel abgestimmt. Der lange Radstand hilft, Unebenheiten wegzubügeln, nur bei kurzen Stößen reagieren die Dämpfer manchmal etwas nervös.

Fazit: Der Pulsar ist ein gelungenes Auto, das man allerdings überschätzen würde, wenn man ihm zutraute, die Golf-Hersteller nervös zu machen. Für Qualität kann man ab Werk sorgen, Wiederverkaufswert muss man sich verdienen. Es ist aber gut möglich, dass die Anbieter von Toyota Auris, Honda Civic, Kia Ceed oder Hyundai i30 nachdenklich werden, denn hier rollt ein Mitbewerber auf Augenhöhe an. Bei den Nutzern dieser Fabrikate ist oft die Wechselbereitschaft zu einem ambitionierten Newcomer größer als bei den Haltern eines VW Golfs.

DATENBLATTNissan Pulsar 1.2 DIG-T
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,39 / 1,77 / 1,52 m
Leergewicht (Herstellerangabe)1265 kg
Radstand2,70 m
Sitzplätze5
Höhe Ladekante70 cm
Ladevolumen normal / Rückbank umgeklappt385 / 1395 Liter
Maximale Zuladung485 kg
Motor4-Zylinder-Reihenmotor mit 1197 ccm Hubraum und Turboaufladung
Getriebe6-Gang manuell
Leistung115 PS (85 kW) bei 4500 U/min
KraftstoffartSuperbenzin
AntriebVorderradantrieb
Höchstgeschwindigkeit190 km/h (Herstellerangabe)
max. Drehmoment190 Nm bei 2000 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h10,7 Sekunden
Normverbrauch (außerorts/innerorts/kombiniert)4,3 l / 6,3 l / 5,0 Liter
Testverbrauch7,8 Liter
Tankinhalt46 Liter
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
117 g/km
Grundpreis15.990 Euro
Preis des Testwagens20.040 Euro

Quelle: n-tv.de

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