Praxistest

"Ein Paradiesauto" Raus aufs Land im Mazda 6

Wer als kinderloser Single Kombi fährt, braucht gute Gründe: ein Hobby mit sperriger Ausrüstung oder einen reiseintensiven Job. Die Autorin hat weder das eine, noch das andere.

ma2.gif

(Foto: Isabell Noé)

Knappe 4,80 Meter lang, 1,80 Meter breit und fast 1,5 Tonnen schwer – keine Frage: Dieses Auto ist ein Schiff. Für Menschen ohne Kinder und ausrüstungsintensive Hobbies eigentlich viel zu groß. Doch mit schnittigen Zweisitzern kann die Autoredaktion gerade nicht dienen, und so schreit man eben auch dann laut "hier", wenn ein Kombi zum Probefahren zur Verfügung steht. Der neue Mazda 6, verspricht der Autoredakteur, der das Fahrzeug schon bei der offiziellen Präsentation im Frühjahr fahren durfte, sei ein schönes Auto.

Facelift macht schnittig

ma1.gif

Der überarbeitete Mazda 6 wirkt angriffslustiger als sein Vorgänger.

(Foto: Isabell Noé)

Ein paar Tage später steht der weiße Riese dann auf dem Hof. Und der Kollege hat Recht: Schick sieht er aus, der Mazda 6 Kombi. Nachdem die Verkaufszahlen des Mittelklasse-Klassikers zuletzt etwas schwächelten, haben die Japaner ihrem Zugpferd im Frühjahr ein kleines Facelift spendiert. Und das steht ihm wirklich gut. Anfänglich noch wenig begeistert – "ausgerechnet ein Kombi!" – stellt man nun erfreut fest: Der Mazda ist zwar groß, aber nicht plump. Dafür sorgt die schnittige Linienführung mit dem leicht abfallendem Dach und den nach hinten schmaler werdenden Fenstern. Vorne wirkt er muskulöser als sein Vorgänger, die Frontschürze wird durch ausgestellte Kotflügel und die weit außen platzierten Nebelscheinwerfer optisch breiter. Das Flügelmotiv des neu gestalteten Kühlergrills findet sich auch in den Front- und Rückscheinwerfern wieder, hinten werden die Konturen zusätzlich mit Chrom betont.

Aufgeräumtes Innenleben

Und nicht nur Außen gibt sich der Mazda glanzvoll: Im Innenraum funkeln Chromelemente und Oberflächen in Klavierlack-Optik um die Wette. Dazu trägt der Kombi in der Sports-Line reichlich Leder, nicht nur auf den Sitzen, sondern auch am Drei-Speichen-Sportlenkrad und am Schalthebelknauf. Das wirkt alles schön verarbeitet und wertig, wie der Autoredakteur nun sagen würde. Das reichlich vorhandene Raumangebot haben die Innenraumdesigner sinnvoll genutzt: Ablagefächer, Kartentasche, Getränkehalter oder Brillentasche – viel Platz, um Ordnung zu schaffen oder Müll anzusammeln. Wenn man sich das denn traut in diesem Auto, das wohltuend aufgeräumt wirkt. Keine überfrachtete Mittelkonsole, deren Bedienung zunächst ein Lehrgang erfordern würde, stattdessen Reduktion aufs Wesentliche: Klimaregelung, für jede Seite getrennt,  Touchscreen-Navi und ein Bose-Soundsystem mit 6-fach CD-Wechsler.

ma6.gif

Das Cockpit ist erfreulich übersichtlich.

(Foto: Isabell Noé)

Letzteren würde man nun gerne bestücken, findet aber keinen Einschubschlitz. Das Handbuch würde helfen, ein Anruf beim Autoredakteur tut es aber auch: Der Fachmann weiß, dass sich CD-Player moderner Bordcomputer auch hinter dem Bildschirm verstecken können, und so ist es dann auch. Jamiroquai im CD-Player, die Temperatur auf 16 Grad heruntergeregelt und die Badetasche im Gepäck, die sich im 519 Liter umfassenden Kofferraum fast verliert:  Alles bereit für die Spritztour ins hochsommerliche Brandenburg. Der Weg: meist schnurgerade, das Ziel: ein Dorf in der tiefsten Prignitz, die Mission: Freunde besuchen, die dort wohnen. Mit einem 180 PS Turbodiesel sollte das zu machen sein.

Respektabler Sportler

Hat der Bilderbuch-Kombifahrer mindestens zwei lärmende Kinder im Fond sitzen, so erschließt sich der Testpilotin ziemlich bald ein Vorzug des neuen Sechsers: Er ist angenehm leise, und das selbst in den oberen Leistungsregionen. Leider lassen sich die 216 km/h heute nicht ausfahren. Selbst wenn die Schilder am Straßenrand nicht ständig zu den maximal erlaubten 130 km/h mahnen würden und hinter jeder Autobahnbrücke die Rennleitung lauern könnte - es ist einfach zu voll für Geschwindigkeitstests. Dass der athletische Riese in 8,7 Sekunden von Null auf Hundert beschleunigt, glaubt man aber gern. Ein wenig Druck aufs Gaspedal reicht, um dem aufdringliche BMW im Rückspiegel den gebührenden Respekt abzuringen. Für den Rest der Strecke hält der Drängler jedenfalls Abstand.

ma5.gif

Das abfallende Dach sorgt für eine schnittige Silhouette.

(Foto: Isabell Noé)

Abseits der Autobahn geht es mitunter über Wege, die nur mit viel gutem Willen noch als Landstraßen zu bezeichnen sind. Der Mazda 6 schlägt sich wacker und trägt einen auch über holprige Betonplattenwege ziemlich komfortabel. Die Kinder des Bilderbuch-Kombifahrers könnten jetzt ungestört im Fond schlummern und erst zehn Minuten später aufwachen, wenn endlich das Dorf erreicht ist. Dort fahren die Menschen eher alte Trecker als brandneue Kombis, entsprechend groß ist das Aufsehen, das der elegante Sportler erregt. Leider nur ein Testwagen, bedauert man. Für die knapp 33.000 Euro Grundpreis des 2.2 l MZR-CD Sports-Line bekommt man in dieser Gegend schon ganze Häuser. Doch wozu noch ein Haus, wenn man sich auch bequem auf der wohnlichen Rückbank einnisten kann, fragen die Nachbarskinder und stellen entzückt fest: "Ein Paradiesauto!"

Karakuri und andere Finessen

Auch die Erwachsenen sind vom Platzangebot angetan und davon, wie simpel sich die Rücksitze mit einem einzigen Handgriff zu einer ebenen Fläche umlegen lassen können. "Karakuri" hat Mazda dieses System getauft, in Anlehnung an die gleichnamigen mechanisch gesteuerten Puppen aus Japan. Neben dieser praktischen Spielerei hat der Mazda noch reihenweise weiterer Schikanen an Bord, vom Bergfahrassistent bis zum adaptiven Kurvenlicht – alle sind ausführlich im dicken Handbuch erklärt. Mit Informationen zum Verbrauch lässt sich auch ohne Nachschlagen dienen: Rund 7,8 Liter auf 100 Kilometer sind gemessen. Auf dem Weg zurück in die Hauptstadt dürften es allerdings deutlich mehr sein: Stop and go im Ostsee-Rückreiseverkehr. Bei 30 Grad im Stau lernt man die Klimaanlage so richtig zu schätzen und hat auch noch genügend Zeit, ein wenig im Handbuch zu blättern. Später wird dann klar, welche Information man hätte nachlesen sollen: Wie war nochmal die Sache mit dem Einparkassistenten? 4,79 Meter sind bei spärlich vorhandenem Parkangebot schon eine echte Herausforderung, zumal der Wagen nach hinten nicht ganz übersichtlich ist. Die Mazda-Freunde auf dem Land dürfte das allerdings nicht weiter stören.

 

 

Datenblatt

Mazda 6 Kombi, 2.2 l MZR-CD 132 kW

Abmessungen LxBxH
4,79 / 1,80 / 1,49 m
Leergewicht
1575 kg
Sitzplätze
5
Ladevolumen
normal/maximal
519 / 1751 l
Maximale Zuladung
645 kg
Motor
4-Takt Dieselmotor MZR-CD 2.2, Turbolader, 4 Zylinder in Reihe, 2184 cm³ Hubraum
Antrieb und Getriebe
Frontantrieb,
6-Gang Schaltung
max. Leistung
180 PS (132 kW) bei 3000 U/Min
Kraftstoffart
Diesel
Tankinhalt
64 Liter
Höchstgeschwindigkeit
216 km/h
max. Drehmoment
400 Newtonmeter zwischen 1800 und 3000  U/Min
Beschleunigung 0 - 100 km/h
8,7 Sekunden
Verbrauch pro 100 Kilometer(Innerorts/Außerorts/Schnitt)
Testverbrauch

6,9 / 4,4 / 5,4 Liter
7,8 Liter
CO2-Emissionen
143 Gramm pro Kilometer
Schadstoffklasse / Feinstaubplakette
EURO 5 / Grün
Typklassen
Haftpflicht/Teilkasko/Vollkasko
17/23/24
Grundpreis
32.890 Euro
 

 

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema