Praxistest

Echter Hingucker Unterwegs im neuen Z4 3.0si

Von Axel F. Busse

Nur das Auf- oder Absetzen eines Basecaps geht noch schneller: Kaum zehn Sekunden vergehen, da steht der Z4 Roadster ohne Verdeck da - die Lust, kein Dach überm Kopf zu haben, nimmt ihren Lauf. Die elektrische Stoffmütze des BMW-Zweisitzers gehört zu den schnellsten, die derzeit zu haben sind. Und schnell ist auch das ganze Auto, erst recht mit dem getesteten 3-Liter-Sechzylindermotor.

Satte 265 PS liegen an, wenn man sich für den mindestens 40.400 Euro teuren Flachmann entscheidet. Mehr hat nur der M-Roadster, der aber genauso wie der "si" bei 250 km/h abgeregelt ist. Kein Unterschied also, denn dieses Tempo offen zu fahren, ist nun wirklich kein Vergnügen mehr.

Über das polarisierende Design dieser Baureihe weitere Worte zu verlieren, ist müßig. Entweder man mag die überlange Schnauze, die Falten, Sicken und die vorwitzig herausragenden Überrollbügel - oder man mag sie nicht. Tatsache ist, dass der Z4 "offen gestanden" ein echter Hingucker ist, während ihn das geschlossene Verdeck weniger kleidet. Ein nur sanftes Facelift im Frühjahr am Äußeren des Z4 verhindert, dass die bislang gebauten Exemplare "alt" aussehen.

Man muss schon zweimal hinsehen, um den Feinschliff an den Frontscheinwerfern zu erkennen (die jetzt weiße Blinkleuchten aufweisen). Kosmetisch modelliert wurden auch die Stoßfänger an der Heckpartie, deren steil aufragender Bürzel für ausreichend Anpressdruck an der Hinterachse sorgen soll. Gänzlich neu sind die Rückleuchten, die je nach Stärke der Bremsverzögerung zweistufig leuchten und nun horizontal eingelegte LED-Leisten aufweisen. Serienmäßige 17-Zoll-Alufelgen vollenden eine harmonische Gesamtkomposition.

Aus der Perspektive der tiefen, weit hinter der Fahrzeugmitte liegenden Sitzposition der Insassen wirkt das Fahrzeug wuchtiger, als es mit nicht einmal 4,10 Metern Länge tatsächlich ist. Probleme mit der Übersicht gibt es dennoch nicht, lediglich bei geschlossenem Verdeck versperrt das Leinentuch den Blick des Fahrers nach schräg hinten.

Schon nach wenigen Kilometern kann er mit dem Reihensechszylinder Freundschaft schließen. Enorm drehfreudig und mit einem guten Klang ausgestattet harmoniert das Aggregat perfekt mit dem knackigen Sechsganggetriebe, das es als Serienausstattung gibt. Das intensivste Sounderlebnis gönnt der Motor den Insassen, wenn aus niedriger Drehzahl in hohen Gängen heraus beschleunigt wird. Ebenso kraftvoll wie der Tempozuwachs schwillt dann die Geräuschkulisse aus sonoren Tiefen bis zu einem heiseren Röhren an. 315 Nm Drehmoment schon bei 2750 Umdrehungen lassen keinen Zweifel an der Durchzugskraft aufkommen.

Dirigiert wird das Sportgerät mittels einer präzisen und direkten Lenkung, die an Fahrbahnkontakt nichts vermissen lässt. Wer allerdings das als Sonderausstattung erhältliche M-Lenkrad einbauen lassen will, sollte sich vorher versichern, dass alle Nutzer des Roadsters die Investition von 406 Euro auch schätzen werden: Mit einem Umfang von 13 Zentimetern dürfte der Lenkradkranz für manche zarte Frauenhand schon etwas sperrig werden.

In der Mittelkonsole zeigt die serienmäßige Sporttaste an, dass noch ein Zacken mehr Agilität rauszuholen ist. Das Gaspedal wird dann eine Idee schärfer eingestellt und die Lenkung einen Tick straffer. Einfluss auf das Fahrwerk hat dieses System nicht. Das weist in der Grundabstimmung schon eine sportliche Härte auf, die vor allem bei Querfugen nicht ganz so komfortabel wirkt, wie man es gerne hätte. Das Handling insgesamt ist jedoch präzise und vermittelt viel Fahrspaß. Diese Qualitäten kann am eindrucksvollsten erfahren, wer mit eingeschaltetem Tempomat und lediglich durch Lenkbewegung agierend winklige Landstraßen durchmisst.

Eine gewisse Unempfindlichkeit gegen Zugluft ist für ungetrübtes Roadsterfahren immer empfehlenswert. Auch beim Z4 ist das zwischen den verkleideten Überrollbügeln zu befestigende Windschott eher eine Geste des guten Willens als ein effektiver Schutz vor Windwirbeln. Auf keinen Fall ist es aber das preiswerte Plastikteil, für das man es halten möchte. Mit frechen 180 Euro steht es in der Liste der Sonderausstattungen. Doch auch Pluspunkte sammelt der Z4, und das an einer Stelle, wo man es einem Auto dieser Bauart am wenigsten zutraut: Beim der Ladekapazität. In einem Volumen von 240 Litern lässt sich zwar kein Große-Ferien-Gepäck verstauen, für das lange Wochenende inklusive der Souvenirs auf dem Rückweg ist aber allemal Platz.

Wer mit dem 3-Liter-Roadster liebäugelt, sollte wenigstens 45.000 Euro für einen „geborenen Zweiwagen locker machen können - oder auf eine hubraumkleinere Variante umschwenken. Für eine ordentliche Wintertauglichkeit (Hardtop) fallen allein 2500 Euro an, für das nützliche Park Distance Control 462 Euro. Zwar zeigte sich dieser Z4 auch beim Verbrauch nicht so bescheiden, wie es die Werksangabe nahe legt (8,6 Liter Superplus) doch ohne Einbußen an Fahrspaß war er im Test unter zehn Litern zu bewegen.

Technische Daten:

6-Zylinder-Reihenmotor
Hubraum 2996 ccm
Leistung 265 PS/ 6600 U/min
Leergewicht 1385 kg
Beschleunigung 0-100 km/h 5,7 Sek
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h (abgeregelt)
Tankinhalt 55 Liter
Testverbrauch 9,8 L/100 km
Tankinhalt 55 L
Preis: 40.400 Euro


Quelle: n-tv.de