

Die Nasdaq hat am 15. Dezember 2025 bei der US-Börsenaufsicht SEC einen Antrag auf einen 23-Stunden-Handelstag gestellt. Der Rivale NYSE zieht mit einer Ausweitung auf 22 Stunden nach. Beide Börsen wollen ab der zweiten Jahreshälfte 2026 an fünf Tagen die Woche fast rund um die Uhr handeln lassen – vorbehaltlich der endgültigen Zulassung.
Die Nasdaq-Pläne sehen eine Tagessession von 4 bis 20 Uhr Eastern Time vor, gefolgt von einer Stunde Pause für Wartung und Clearing und einer Nachtsession von 21 bis 4 Uhr. Macht 23 Stunden am Stück, fünf Tage die Woche. NYSE-Betreiber Intercontinental Exchange (ICE) hat für die Handelsplattform NYSE Arca eine Ausweitung auf 22 Stunden beantragt, die SEC hat im beschleunigten Verfahren zugestimmt. Der Rollout ist für Ende 2026 vorgesehen, sobald die Datenfeed-Infrastruktur nachgezogen ist. Im Januar 2026 kündigte ICE zusätzlich eine Plattform für tokenisierte Wertpapiere an, die Aktienhandel, Abwicklung und Zahlung in Dollar rund um die Uhr verzahnen soll.
Einen Schritt weiter ist ein kleinerer Anbieter: die 24X National Exchange. Sie erhielt im Oktober 2025 von der SEC die Zulassung als reguläre nationale Wertpapierbörse – die erste, die US-Aktien fast rund um die Uhr handelt. Seit Ende Oktober läuft Stufe eins mit Live-Handel von 4 bis 20 Uhr Eastern Time an Werktagen. Stufe zwei soll noch 2026 folgen: durchgehender Handel von Sonntag 20 Uhr bis Freitag 20 Uhr Eastern Time, unterbrochen von einer täglichen Wartungsstunde.
24X ist keine Ausnahmegenehmigung, sondern eine vollregulierte Börse mit denselben Aufsichtspflichten wie NYSE oder Nasdaq. Im Hintergrund aktiv, ohne selbst Börse zu sein, ist zudem Blue Ocean ATS. Das alternative Handelssystem bedient seit Jahren die Lücke zwischen 20 und 4 Uhr Eastern Time, Sonntag- bis Donnerstagnacht, und beliefert Broker wie Robinhood, Charles Schwab oder Interactive Brokers mit nächtlicher Liquidität. Interactive Brokers hat zusätzlich eine eigene Plattform namens IB Eos aufgebaut. Nächtlicher Aktienhandel existiert also längst, bisher lief er nur unter dem Radar der großen Leitbörsen.
Für einen durchgehenden Handel braucht es mehr als eine geöffnete Handelssoftware. Die US-Clearingstelle DTCC arbeitet daran, ihre Tochter NSCC bis zum zweiten Quartal 2026 so umzubauen, dass Wertpapiergeschäfte durchgängig von Sonntag 20 Uhr bis Freitag 20 Uhr Eastern Time abgerechnet werden können. Ohne dieses Rückgrat bleibt jede Nachtsession eine Insellösung mit Verzögerung bis zum nächsten Morgen.

Trader können bereits die 24X National Exchange nutzen (Foto: Shutterstock/ SFIO CRACHO)
Nicht jeder an der Wall Street begrüßt die Pläne. Das Trading-Desk von Wells Fargo brachte die Kritik im Dezember 2025 in einer Kundennotiz auf den Punkt: „This is literally the worst thing in the world.“ Kaum eine Maßnahme gamifiziere den Aktienmarkt so sehr wie ein Handel ohne Pause, näher an einem Casino als an einem Kapitalmarkt.
Jay Woods, Marktstratege bei Freedom Capital Markets und früher selbst Market Maker auf dem Parkett der NYSE, nennt einen anderen Kritikpunkt: Börsennotierte Unternehmen brauchen Ruhephasen, um Nachrichten zu veröffentlichen und Investorengespräche zu führen, ohne dass jedes Wort sofort den Kurs bewegt. Diese Verschnaufpause fällt weg, wenn es keinen echten Handelsschluss mehr gibt.
Die Deutsche Börse ist bereits vorangegangen, allerdings deutlich zurückhaltender. Zum 1. Dezember 2025 startete der Extended Xetra Retail Service: Privatanleger können seither werktags von 8 bis 22 Uhr durchgehend Aktien, ETFs und ETPs handeln, sofern der eigene Broker am Programm teilnimmt. Das sind 14 Stunden statt der klassischen Handelszeit von 9 bis 17.30 Uhr. Von einer 24-Stunden-Börse ist Xetra damit weit entfernt, die Richtung ist aber dieselbe wie in New York.

XTB bietet starke und einfach zu bedienende Handelspalttformen an
Drei Bedingungen müssen erfüllt sein, bevor der durchgehende Handel Realität wird: Die SEC muss die finalen Anträge von Nasdaq und NYSE Arca genehmigen, die DTCC muss ihre Clearing-Infrastruktur bis Mitte 2026 liefern, und Broker weltweit müssen ihre Systeme technisch anbinden. Verzögert sich eines dieser drei Elemente, verschiebt sich der gesamte Zeitplan – wie bei Börseninfrastruktur-Projekten üblich.
Die 24X National Exchange zeigt, wie groß der Abstand zwischen Zulassung und tatsächlicher Nutzung sein kann. Die Börse ist seit Ende Oktober 2025 live, spielt im Alltag der meisten Privatanleger aber noch keine Rolle, weil nicht jeder Broker angebunden ist und institutionelle Marktteilnehmer die neue Liquidität erst langsam testen. Eine ähnliche Verzögerung dürfte auch Nasdaq und NYSE treffen: Eine SEC-Zulassung ist kein Startschuss, dem alle Broker sofort folgen, sondern der Beginn einer Übergangsphase über Monate oder Jahre.
Die SEC selbst bezeichnete ihre Zulassung von 24X in einer offiziellen Stellungnahme als „ersten Schritt“ hin zu einem regulär genehmigten Handel außerhalb der Kernzeiten an einer nationalen Wertpapierbörse. Damit ist die eigentliche regulatorische Blaupause bereits vorhanden. Nasdaq und NYSE müssen für ihre eigenen Anträge dieselben Standards bei Marktintegrität und Anlegerschutz erfüllen, die 24X als kleinerer Anbieter bereits durchlaufen hat – nur eben für ein um ein Vielfaches größeres Handelsvolumen.
Die Trennung zwischen offener und geschlossener Börse verschwimmt seit Jahren, nicht erst seit der Nasdaq-Ankündigung im Dezember 2025. Kryptomärkte kennen diese Grenze gar nicht. CFD-Broker haben sie für Devisen und Indizes längst aufgeweicht. Was 2026 und 2027 hinzukommt, ist der Handel mit echten, börsennotierten Aktien selbst.
Bei echten Aktien und ETFs gelten die Öffnungszeiten der jeweiligen Heimatbörse, hier ändert die CFD-Logik nichts. Bei Aktien-CFDs sowie Devisen und Kryptowährungen ist der Handel bei XTB dagegen schon jetzt nahezu durchgehend möglich, mit Ausnahme kurzer Wartungsfenster am Wochenende.
Stop-Loss-Orders werden auch nachts ausgeführt, allerdings bei dünnerer Liquidität häufig zu einem schlechteren Kurs als tagsüber. Dieser Effekt lässt sich schon heute im außerbörslichen CFD-Handel während ruhiger Nachtstunden beobachten.
Konkurrenzdruck durch asiatische und nahöstliche Investoren, die tagsüber in ihrer Zeitzone auf US-Aktien zugreifen wollen, sowie durch Plattformen wie 24X und Blue Ocean ATS, die diese Nachfrage schon heute außerhalb der Nasdaq bedienen.
Ja, schrittweise: Xetra hat seit Dezember 2025 die Handelszeiten für Privatanleger auf 8 bis 22 Uhr ausgeweitet. Eine echte Nachtsession für US-Aktien wird für europäische Broker-Kunden erst relevant, sobald Nasdaq und NYSE ihre Pläne umsetzen und Broker die technische Anbindung schaffen – realistisch nicht vor Ende 2026.

Zum Anbieter
*



Finanzielle Differenzgeschäfte (sog. contracts for difference oder auch CFDs) sind komplexe Instrumente und gehen wegen der Hebelwirkung mit dem hohen Risiko einher, schnell Geld zu verlieren. Der überwiegende Anteil der Privatkundenkonten verliert Geld beim CFD-Handel. Sie sollten überlegen, ob Sie verstehen, wie CFD funktionieren, und ob Sie es sich leisten können, das hohe Risiko einzugehen, Ihr Geld zu verlieren.