

Viele Anleger vergleichen zwischen Brokern Orderprovisionen, vergessen aber die Bedeutung des Spreads. Dabei geht es hier um einen der zentralen Kostenvariablen im aktiven Aktienhandel. Besonders in volatilen Marktphasen kann sich der Unterschied zwischen Geld und Briefkurs deutlich bemerkbar machen – und treibt am Ende die Kosten für das Trading deutlich nach oben.
Was gerade Börsenneulinge verstehen müssen: Die Liquidität als Marktfaktor hat direkte Konsequenzen für die Handelsperformance und beeinflusst den Spread. Ein Titel mit hohem Handelsvolumen und vielen aktiven Marktteilnehmern bietet enge Spreads. Darüber hinaus werden Wertpapieraufträge schneller ausgeführt.
Außerdem sind solche Szenarien oft von stabilen Preisbedingungen gekennzeichnet. Illiquide Titel werden dagegen selbst mit einem technisch sauberen Setup mitunter zur Kostenfalle. Damit wird die Liquidität zu einem starken Einflussfaktor für die Handelsentscheidungen.
Das Wichtigste im Überblick:
Liquidität beschreibt die Handelbarkeit eines Wertpapiers am Markt – ohne, dass hierdurch der Kurs bewegt wird. Ist das Wertpapier schnell mit einer Gegenposition verbunden, spricht dies für eine hohe Liquidität. Sofern durch den Trade der Kurs nach oben oder unten bewegt wird, liegt ein Markt mit geringer Liquidität vor.
Beispiel: Liquide Aktien wie Apple oder Microsoft erreichen täglich mehrere Milliarden US-Dollar als Handelsvolumen. Einzelne Orders verschwinden im Markt, ohne eine Spur zu hinterlassen. Bei einem Small-Cap mit einem Tagesvolumen von wenigen Millionen Euro sieht die Situation anders aus: Bereits mittelgroße Transaktionen verschieben den Kurs.
Vereinfacht ausgedrückt lässt sich die Liquidität als ein Maß dafür verstehen, wie viel Geld in einem Markt zirkuliert. Der Spread — die Differenz zwischen Geldkurs (Bid) und Briefkurs (Ask) — ist ein direktes Bild für diese Situation.
Ein enger Spread von einem Cent bei einer 200-Dollar-Aktie entspricht 0,005 Prozent als Eintrittspreis. Ein Spread von 50 Cent würde bereits 0,25 Prozent bedeuten. Anhand dieser Zahlen wird deutlich, welche Kosten bei jedem Trade entstehen – unabhängig davon, ob der Broker eine Provision erhebt oder nicht.

Die Liquidität ist ein entscheidender Faktor beim Aktienhandel (Foto: Shutterstock/ muse studio)
Ein Beispiel verdeutlicht den starken Einfluss, den der Spread am Ende hat. Ein Trader öffnet täglich fünf Positionen mit je 10.000 Euro Volumen. Der durchschnittliche Spread liegt bei 0,15 Prozent. Hieraus ergeben sich 15 Euro pro Position – was wiederum 75 Euro pro Handelstag entspricht. Innerhalb von einem Monat entstehen 1.500 Euro nur durch den Spread und ohne die Übernahme eines Euro als Provision.
Bei einem engen Spread von 0,03 Prozent sinkt die monatliche Belastung auf 300 Euro. Die Differenz von 1.200 Euro entspricht einer reinen Performancekomponente, die nichts mit der Qualität der Trades zu tun hat — sondern ausschließlich mit der Wahl der gehandelten Titel und der Plattform.
Wie stark sich der Spread am Ende bemerkbar macht, hängt nicht allein von dessen Höhe ab. Die Strategie und das Zeitfenster spielen eine Rolle. Swing-Trader mit einer Exposure über mehrere Tage und einer Rendite von acht Prozent nehmen einen Spread von 0,03 Prozent kaum wahr. Für Daytrader oder kurzfristige Positionstrader mit Kurszielen von einem bis zwei Prozent ist der Spread dagegen entscheidend.
Das Wichtigste im Überblick:
Enge Spreads entstehen dort, wo viele Marktteilnehmer gleichzeitig aktiv sind. Dies trifft in erster Linie auf Large-Cap-Aktien aus liquiden Indizes, wie dem S&P 500, DAX, NASDAQ 100 oder FTSE 100 zu. Titel wie Nvidia, Amazon, LVMH, SAP oder Tesla weisen im Handel Spreads auf, die den Bruchteil eines Prozents umfassen.
Innerhalb dieser Gruppe gibt es noch Abstufungen. Technologie-Titel aus dem NASDAQ 100 zählen typischerweise zu den liquiden Aktien, was durch Faktoren, wie ein hohes institutionelles Interesse und kontinuierlich große Handelsvolumen entsteht.
Europäische Blue Chips zeigen im Xetra-Handel ebenfalls enge Spreads. Aber: Hier ist im Tagesverlauf mitunter bereits eine Dehnung der Spreads zu erkennen – wenn die US-Börsen in den Handel einsteigen und das Interesse an den europäischen Werten abnimmt.
Sektoren mit strukturell höherer Volatilität, wie BioTech oder Rohstoffproduzenten, die eher in die Gruppe der Mid Caps gehören, sind bereits durch einen deutlich breiteren Spread gekennzeichnet. Damit braucht ein Asset aus dieser Gruppe am Ende länger, um in die Gewinnzone zu gelangen – was sich auch auf das Niveau auswirkt, wo der Stop Loss gesetzt wird.

Die Nvidia Aktie weißt Spreads von weniger als einem Prozent auf (Foto: Shutterstock/ JRdes)
Spreads sind keine feste, unveränderliche Größe, sie unterliegen im Tagesverlauf immer wieder Schwankungen. Ein zentrales Element ist die Anzahl der Trader im Markt. Überschneiden sich europäische und US-amerikanische Börsen in den Nachmittagsstunden, sind die Spreads für internationale Titel typischerweise besonders eng.
Direkt nach der Börseneröffnung – sowohl in Frankfurt als auch in New York – weiten sich Spreads vorübergehend aus. Heißt: Wer in den ersten Minuten nach Handelsbeginn mit Market Orders einsteigt, zahlt häufig mehr als nötig.
Auf der anderen Seite ist vor und nach wichtigen Makroevents, wie der Bekanntgabe von Quartalszahlen oder den letzten Inflationsdaten, eine deutliche Veränderung zu spüren. Die Spreads dehnen sich, da im Markt die Liquidität vorübergehend zurückgeht.
Im CFD-Handel entsteht die Situation, dass viele Broker selbst die Kurse stellen und der Spread hier direkter Bestandteil des Geschäftsmodells ist und nicht ausschließlich durch die zugrundeliegende Marktliquidität bestimmt wird. Dies bedeutet: Auch bei eigentlich liquiden Aktien kann der CFD-Spread je nach Anbieter unterschiedlich ausfallen.
Für aktive Trader ist der Vergleich deshalb besonders wichtig. Ein Spread auf CFDs, für welche die Apple-Aktie zum Basiswert wird, kann bei einem Anbieter 0,05 Prozent und 0,2 Prozent bei einem anderen Broker betragen. Dieser Aspekt ist damit ein zentraler Kostenfaktor und hat auch auf die Strategie Einfluss.
Hinzu kommt die Ausführungsqualität: Die Slippage (die Abweichung zwischen im Tradingdesk gestellten und Ausführungspreis) ist bei Anbietern mit direkter Marktanbindung meist geringer als bei reinen Market-Makern.
Das Wichtigste im Überblick:
Am Markt entsteht schnell der Eindruck, dass eine hohe Liquidität unter normalen Marktbedingungen automatisch einen engen Spread bedeutet. Ganz so einfach ist die Situation nicht. Gerade in Stressphasen, wenn die Märkte sehr stark unter Druck geraten, weiten sich Spreads auch bei Large Caps deutlich aus.
Einerseits verändert sich die Risikoeinschätzung und Justierung der Market-Maker, auf der anderen Seite werden Investorengruppen wie institutionelle Anleger zurückhaltender. Beispiele sind der Corona-Schock (März 2020) oder die letzten Bankenkrisen.
In solchen Phasen können die klassischen Liquiditätsannahmen riskant werden. Wer als Anleger in diesen Situationen eine Market Order setzt, realisiert schnell schlechtere Ausführungspreise als erwartet. Um diese Situation zu vermeiden, ist eine Limit-Order mitunter die bessere Wahl – auch, wenn sie das Risiko der Nichtausführung bedeutet.
Für Titel außerhalb der großen Indizes verschärft sich dieses Problem noch einmal zusätzlich. Small- und Micro-Caps können in diesem Stressmoment einen starken Abfall der Liquidität erleben, was zu einem sehr schnellen und hohen Anstieg beim Spread führt.

Stressphasen, wie die Corona-Krise stellen die Börsen unter Druck (Foto: Shutterstock/ PeopleImages)
Aus Anlegersicht ist der Spread eine extrem wichtige Größe – nicht nur für die Handelsstrategie, sondern auch für die Frage, welcher Broker gute Handelsbedingungen bietet. Im Anbietervergleich gehört dieser Aspekt genauso auf den Prüfstand wie das Boarding oder die Performance des Tradingsdesk.
Im Test gehört Freedom24 für uns zu den Anbietern, der Leistung, schlanke Prozesse und konkurrenzfähige Spreads miteinander verbindet. Die Kontoeröffnung läuft volldigital ab und die Bedienung des Tradingdesk ist auch für Börsenneulinge intuitiv. Für liquide Werte sind die Spreads den Erfahrungen nach sehr eng gesetzt.
Enge Spreads sind keine Randbedingung im Aktienhandel, sie werden schnell zu einem zentralen Faktor für die Rendite. Wer als Trader aktiv handelt und diesen Aspekt ignoriert, optimiert auf der einen Seite Einstiegssignale und gibt auf der anderen Seite systematisch Kapital ab – ohne es zu bemerken.
Die Wahl liquider Titel sowie das Timing innerhalb der aktiven Handelsphasen und die Nutzung von Limit statt Market Orders in volatilen Phasen sind Stellschrauben, die sich ohne Mehraufwand umsetzen lassen – und viele Aspekte im Trading optimieren.
Der Spread ist die Differenz zwischen dem Kaufpreis (Ask) und dem Verkaufspreis (Bid) einer Aktie. Er entsteht, weil Market-Maker und andere Liquiditätsanbieter damit das Risiko für eine Position abbilden. Je mehr Marktteilnehmer aktiv sind, desto stärker verkleinern sich die Spreads allgemein.
Für langfristige Buy-and-Hold-Anleger spielt der Spread eine untergeordnete Rolle – er fällt einmalig beim Kauf und Verkauf an und verliert gegenüber der Kursentwicklung über einen längeren Zeitraum an Bedeutung. Für aktive Trader mit häufigen Positionswechseln ist er dagegen eine relevante Kostengröße.
Ja, im Xetra-Handel sind viele Marktteilnehmer aktiv, was die Spreads eng hält. Im außerbörslichen Direkthandel über Broker stellt ein Market-Maker die Kurse – die Spreads sind strukturell breiter und die Liquiditätsbedingungen weniger transparent. Für aktive Trader mit häufigen Transaktionen ist der börsliche Handel in der Regel die kostengünstigere Variante.

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Finanzielle Differenzgeschäfte (sog. contracts for difference oder auch CFDs) sind komplexe Instrumente und gehen wegen der Hebelwirkung mit dem hohen Risiko einher, schnell Geld zu verlieren. Der überwiegende Anteil der Privatkundenkonten verliert Geld beim CFD-Handel. Sie sollten überlegen, ob Sie verstehen, wie CFD funktionieren, und ob Sie es sich leisten können, das hohe Risiko einzugehen, Ihr Geld zu verlieren.