

Wie in vielen anderen Bereichen gibt es auch an der Börse zahlreiche Mythen und vermeintliche Weisheiten. Viele dieser Sprichwörter basieren auf jahrzehntelanger Erfahrung von Anlegern und Investoren – doch wie zuverlässig sind sie wirklich?
Bei genauerer Betrachtung haben einige dieser Börsenweisheiten einen wahren Kern, während andere längst überholt sind. Entscheidend ist jedoch: Keine dieser Formeln ersetzt eine eigene fundierte Auseinandersetzung mit den Finanzmärkten, der Wirtschaftslage und geopolitischen Entwicklungen. In diesem Artikel nehmen wir einige der bekanntesten Börsenmythen unter die Lupe.

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Was haben donnernde Kanonen mit dem Aktienkurs zu tun – und ist der Trend wirklich mein Freund? Einige Aktien-Mythen stützen sich auf gut beobachtete Fakten, aber nicht alle sind tatsächlich noch aktuell. Die am häufigsten angeführten Börsenweisheiten müssen deshalb durch den „Belastungstest“!
Dieser Spruch wird häufig dem Frankfurter Bankier Carl Mayer von Rothschild zugeschrieben, auch wenn eine eindeutige Quelle nicht belegt ist. Die dahinterstehende Strategie ist das antizyklische Investieren: Anleger sollen dann kaufen, wenn die Märkte in Krisenstimmung sind und die Kurse stark gefallen sind – aber nur, wenn ein Unternehmen langfristiges Erholungspotenzial bietet. Verkaufen empfiehlt sich hingegen, wenn ein Unternehmen bereits stark gewachsen ist und die breite Masse in den Markt drängt.
Häufige Käufe und Verkäufe lohnen sich meist nur für erfahrene und sehr erfolgreiche Daytrader. Für langfristig orientierte Investoren führen zu viele Transaktionen dagegen zu hohen Handelsgebühren, die die Rendite schmälern. Hinzu kommt: Wer aus Ungeduld oder Panik zu schnell kauft oder verkauft, riskiert, Gewinne zu verpassen oder Verluste unnötig zu realisieren.
Die Übersetzung des englischen „The trend is your friend“ meint, dass ein ausgeprägter, laufender Trend Anlegern eine Gelegenheit bietet, einzusteigen oder weitere Gewinne mitzunehmen. Hat ein Wert über Tage oder Wochen mit Kurszuwächsen überzeugt, ist die Aussicht gar nicht schlecht, dass das noch eine Weile so weitergeht. Zum Teil stimmt das sogar – die Herausforderung besteht in erster Linie darin, langfristige Trends von kurzfristigen Rallyes zu unterscheiden. Tatsächlich lassen sich Trends oft über längere Zeit beobachten, doch das eigentliche Risiko liegt in der Trendumkehr.
Definitiv ein wahres Wort, umso mehr, als der Star-Investor Warren Buffett diese Börsenweisheit ausgesprochen hat. Denn nur mit eingehender Kenntnis einer Anlage, ihres Umfelds und ihrer Hintergründe sind zielgerichtete Investitionen möglich. Wer sich die Mühe macht, sich intensiv mit den anvisierten Wertpapieren zu beschäftigen, kann dabei lohnende Titel begründet identifizieren.
Auch hinter dieser Börsenweisheit steckt eine Börsenwahrheit. Die Diversifizierung bezeichnet die Streuung der eigenen Investitionen – über Branchen, Länder und Währungsräume. Das mindert das Risiko von Ausfällen beträchtlich und wird schon Börsen-Neulingen ans Herz gelegt.
Auch dieser Spruch stammt aus dem Englischen, wo es heißt „Buy the rumour, sell the fact“. Gut zu beobachten ist der Sinn dahinter bei der Ankündigung wichtiger IPOs. Schon lange vorher beginnen Anleger mit großem Interesse zuzugreifen, auch aufgrund der „Legendenbildung“ rund um das Unternehmen und dessen Zukunftsaussichten. Nach dem Börsengang stellt sich nicht selten die Ernüchterung ein oder das Interesse flacht stark ab, auch wenn das Unternehmen grundsätzlich gut aufgestellt ist.
Die Anregung des Investors André Kostolany ist eine sinnvolle Ergänzung zur Vermeidung des erwähnten Hin und Her. Empfohlen wird, sich nicht von der täglichen Volatilität der Kurse den Schlaf rauben und sich womöglich zu unüberlegten Transaktionen hinreißen zu lassen. Vor allem bei einer langfristigen Vermögensbildung ist das sicher ein guter Rat – allerdings nur, wenn das Portfolio breit genug aufgestellt ist.
Eine klare Absage erhalten bei dieser Börsenweisheit alle Versuche, noch in schnell fallende Aktien zu investieren. Dass sich manche Investoren dennoch dazu hinreißen lassen, hat natürlich einen Grund: Sie hoffen, den tiefsten Kurs zu erwischen und danach von einer Trendumkehr zu profitieren. Dabei verliert man leicht aus den Augen, dass der Kurs seine Talfahrt noch weiter fortsetzen könnte. Den Griff des fallenden Messers zu ergreifen, sollten sich nur sehr erfahrene Anleger zutrauen, und auch dies nur bei sehr guter Kenntnis der Märkte.
Viele Börsenweisheiten haben einen wahren Kern, auch wenn sie die jeweiligen Inhalte sehr stark zugespitzt formulieren. Manche Aktien-Mythen dürfen jedoch als weitgehend überholt gelten. Dazu gehört insbesondere der Spruch „Sell in May and go away“, ergänzt durch „remember to come back in September“.
Ist es wirklich empfehlenswert, im Mai zu verkaufen, um dann im Herbst neu einzusteigen? Historiker führen die Empfehlung auf die frühen Börsenaktivitäten des 17. und 18. Jahrhunderts zurück. Damals verkauften Vermögende wohl in größerem Umfang ihre Wertpapiere, bevor sie sich für die Sommerfrische aufs Land zurückzogen.
Heutzutage sind die Performance-Rückgänge, wenn es sie überhaupt gibt, kaum so ausgeprägt, dass sich ein groß angelegter Rückzug dieser Art lohnt – schon allein wegen der damit verbundenen Handelskosten.
Viele Börsenweisheiten enthalten einen wahren Kern, doch sie sind keine universellen Regeln, die in jeder Marktlage funktionieren. Anleger sollten sich nicht blind auf diese Sprüche verlassen, sondern sie kritisch hinterfragen und mit aktuellen Marktentwicklungen abgleichen.
Entscheidend für langfristigen Erfolg ist eine fundierte Marktanalyse in Kombination mit einem disziplinierten Risikomanagement. Dazu gehört die Diversifikation des Portfolios über verschiedene Branchen und Regionen, um Schwankungen abzufedern. Ebenso wichtig ist es, nicht aus Emotionen heraus zu handeln – überhastete Kauf- oder Verkaufsentscheidungen führen oft zu schlechten Ergebnissen.

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