

Das britische Pfund hat auch 2025 im April und Mai deutlich nachgegeben, insgesamt aber einen durchaus stabilen Eindruck hinterlassen. Aus dem 3-Jahres-Tief Ende 2024/Anfang 2025 hat sich die britische Währung wieder herausgearbeitet und steht gegenüber dem Euro zum Jahreswechsel 2025 bei 0,8754 Euro (Stand: 11. Dezember).
Wie es 2026 weitergeht, wird sehr stark von mehreren Faktoren abhängen. In den letzten Jahren hat Großbritannien unter mehreren Problemen gelitten: Energiepreisschocks, Lieferkettenprobleme und ein angespannter Arbeitsmarkt haben das Pfund belastet. Zu den Belastungen, denen das Pfund nach wie vor ausgesetzt ist, gehört die Inflation.
Zwar hat sich die Teuerung im Vergleich zu den Corona-Jahren, als die Inflation bei mehr als neun Prozent lag, wieder deutlich abgekühlt. Mit über drei Prozent ist sie aber immer noch zu hoch. Die Bank of England strebt ein Ziel von zwei Prozent an. Wie wirkt sich das ganze auf das britische Pfund aus?
Eine hohe Inflation ist makroökonomisch immer ein Problem, da sie den Zentralbanken eine Zinssenkung erschwert. Die Bank of England (BoE) steht hier vor einem Dilemma: Senkungen würden der Wirtschaft helfen – treiben aber gleichzeitig die Inflation an. Trotzdem scheint die BoE bereit, dieses Risiko noch 2025 einzugehen.
Analysten gehen davon aus, dass die britische Zentralbank diesen Schritt am 18. Dezember geht – weil die Prognosen von einer weiteren Abschwächung der Inflation ausgehen. Die Regierung leitet dazu einen Beitrag, da sie Maßnahmen beschlossen hat, mit denen zumindest in einigen Bereichen Kosten gedeckelt werden.
Dazu gehören das Einfrieren von Gebühren im Gesundheitssektor und Ticketpreise fürs Bahnfahren. Auch bei den Energiepreisen versucht Großbritannien, die Haushalte zu entlasten – um den Preisdruck zu senken. Damit könnte London die Weichen dafür stellen, dass sich das Ansehen des britischen Pfunds im Ausland wieder stärker stabilisiert. Schlechte Wirtschaftsnachrichten hatten dessen Stellung in der Vergangenheit nur bedingt unterstützt.

Die hohe Inflation belastet das britische Pfund nach wie vor (Foto: Shutterstock/Brian A Jackson)
Für das Pfund wäre eine substantielle Erholung der Wirtschaft essentiell, um wieder stärker an den Kapitalmärkten aufzutreten. 2025 hat gegenüber dem anhaltenden Abwärtstrend des vorhergehenden eine Wende eingeläutet. Trotzdem verlief die Entwicklung nicht immer optimal. Der Aufwärtstrend wurde immer wieder von – teilweise auch starken – Rücksetzern unterbrochen.
Eine der Schwachstellen, die das britische Pfund belastet hat (und auch 2026 nicht einfach verschwinden wird) ist die Mischung aus:
Auch 2026 wird in diesen drei Bereichen mit keiner wirklich substantiellen Verschiebung zu rechnen sein. Großbritannien bleibt auf Importe angewiesen – von denen der Inselstaat während seiner jüngeren Geschichte immer abhängig war. Anders als beispielsweise die USA, in denen einem industriellen Handelsdefizit der wirtschaftlich starke Technologietransfer gegenübersteht, hat das Vereinigte Königreich kein Äquivalent anzubieten.
Der Status als einer der wichtigsten Finanzmarktplätze in Europa kann das Defizit zwar teilweise auffangen, macht die britische Wirtschaft und damit auch das Pfund aber anfällig. Krisen an den Kapitalmärkten schlagen sich direkt auf den Cashflow in der britischen Wirtschaft nieder. Risikostimmung und Zinsdifferenzen machen werden direkt spürbar.
Eine starke Abhängigkeit vom Kapitalmarkt hat aber noch andere Konsequenzen. Die britische Wirtschaft hat in den letzten Jahren eine sehr starke Abhängigkeit vom Dienstleistungssektor entwickelt, der gerade im Großraum London besonders stark ausgeprägt ist. In den letzten Jahren war hier ein weiteres Wachstum zu verzeichnen – während der Industrieanteil zurückging.
Großbritannien und das Pfund stehen 2026 vor einer Reihe von Herausforderungen, von denen einige hausgemacht und keineswegs wirklich neu sind. Großbritanniens Wachstumsschwäche stagniert seit einigen Jahren – auch, weil Investitionen in Infrastruktur, Forschung und Digitalisierung hinterherhinken.
Hierfür lassen sich zwei Gründe ausmachen: Auf der einen Seite hat der Vereinigte Königreich eine Phase politischer Unsicherheit erlebt – mit dem Brexit und wechselnden Bewohnern in Downing Street No. 10. Andererseits sind in den letzten Jahren die Investitionen der öffentlichen Hand in den Bildungssektor, das Gesundheitswesen und die Förderung der Infrastruktur offensichtlich zu kurz gekommen.
Aber: Für die nächsten Jahre – und 2026 könnten sich bereits die richtigen Impulse ergeben – scheint sich der Wind zu drehen. Die britische Finanzministerin will in den kommenden zehn Jahren auf der Infrastrukturseite nicht mehr kleckern, sondern klotzen – mit 725 Milliarden Pfund. Damit sollen unter anderem:
in Angriff genommen werden. Verteilt wird das Geld auf 10 Jahre. Parallel will Großbritannien – wie viele europäische Staaten ebenfalls – beim Wehretat zulegen. Die Militärausgaben sollen perspektivisch von aktuell etwas über zwei Prozent auf erst 2,5 Prozent (für 2027) und dann auf drei Prozent steigen.
Beides in Kombination kann die britische Wirtschaft durchaus stützen und damit auch das Pfund weiter stabilisieren.

Großbritannien möchte die Militärausgaben weiter erhöhen (Foto: Shutterstock/ Stefano Zaccaria)
Auf dem Papier wirken die Mehrausgaben der Regierung wie die nötige Finanzspritze, um der Wirtschaft auf die Beine zu helfen. Ein stabiler Arbeitsmarkt mit einem konjunkturell soliden Unterbau kann auch der Bank of England mehr Spielraum geben, um das Pfund und die Inflation besser zu steuern. Es lassen sich für 2026 aber verschiedene Faktoren ausmachen, aufgrund der die Entwicklung gedämpfter ablaufen kann.
Mit dem Brexit hat sich Großbritannien von der EU auch auf der Zollebene abgespalten. Die Zollverfahren verzögern Lieferungen und wirken sich als Kostenfaktor aus.
2025 hat sich das Wachstum in Großbritannien positiv entwickelt. Damit geht aber auch eine höhere Nachfrage nach Fachkräften einher, die auch durch den Brexit inzwischen schwerer zufriedenzustellen ist. Dieser Effekt kann sich beim Fortschreiten zu einem limitierenden Faktor 2026 entwickeln.
Durch den Fachkräftemangel kommt es zu einem höheren Wettbewerb der Unternehmen um Bewerber, was sich in einem steigenden Druck auf die Löhne ausdrückt.
In einem schwierigen Marktumfeld muss der britische Staat seine angestrebten Ausgaben mit Schulden finanzieren – was am Ende zu höheren Zinsen führt, da Investoren einem Abwertungs- und Ausfallrisiko Rechnung tragen.
Die Bank of England steht letztlich vor einem Dilemma: Die Inflation bekämpfen und auf den Zielkorridor von zwei Prozent hinarbeiten oder alles für einen wirtschaftlichen Aufschwung tun. Beides kann nicht funktionieren. Letztlich beeinflusst die Entscheidung das britische Pfund und dessen Trend in 2026.
Aus Anlegersicht sind für das Pfund 2026 verschiedene Szenarien denkbar, für die Vorbereitungen zu treffen sind. Was sich als wahrscheinlichstes Szenario herauskristallisiert: Die Wirtschaft erholt sich weiter (auch dank des Infrastrukturstimulus). Neben dem Aufwärtstrend schwächt sich auch die Inflation ab. Dies würde der BoE weiteren Spielraum geben, um an der Zinsschraube zu drehen.
Im sehr positiven Szenario steigt das Vertrauen in die Märkte deutlich an, die Zuflüsse in die britische Wirtschaft nehmen zu. Neben den Investitionen der öffentlichen Hand legen Digitalisierung und grüne Technologien zu, was sich in einer höheren Produktivität niederschlägt. Durch die protektionistische Politik der USA hat sich das Vereinigte Königreich im Hinblick auf Handelspartner diversifiziert und das Pfund wertet stärker auf.
Das Krisenszenario ist von nachhaltiger politischer Unruhe geprägt, die öffentliche Investitionen unsicherer macht. Am Ende halten sich auch Unternehmen mit ihren Finanzierungen zurück. Es kommt zu einem Abfluss von Kapital, die britische Wirtschaft verliert ihr Wachstum wieder. In diesem Umfeld ist eine Abwertung des Pfunds wahrscheinlich.
[colred-box]Angesichts der aktuellen Entwicklung ist vom Basisszenario auszugehen. Anleger werden damit wahrscheinlich eine weitere Stabilisierung und Aufwertung beim Pfund für 2026 erleben. Das Königreich hat in dieser Situation das Potenzial, wieder interessant zu werden. Wer von allen Szenarien profitieren will, braucht einen Broker mit einem breiten Handelsangebot. Bei Pepperstone werden Derivate mit einem komfortablen, leicht bedienbaren – aber auch leistungsfähigen Tradingdesk kombiniert. Mithilfe der vom Broker angebotenen CFDs handeln Anleger sowohl aufsteigende als auch absteigende Trends.[/colred-box]
Das britische Pfund wird sich 2026 nicht komplett als Währung aus seinem Spannungsfeld lösen. Strukturelle Schwächen wie die immer noch geringe Produktivität lassen sich nicht einfach über Nacht lösen. Allerdings haben die geplanten Maßnahmen der Regierung – in Bezug auf mehr Investitionen und mehr Rüstung – das Potenzial, positive Signale zu produzieren. Wahrscheinlich ist, dass das Königreich sich langsam wieder in die richtige Richtung bewegt. Damit wird Großbritannien auch wieder aus Anlegersicht interessant.

Das britische Pfund hat 2026 durchaus Potenzial (Foto: Shutterstock/ Jevanto Productions)
Die Bank of England trifft ihre Entscheidungen immer basierend auf der aktuellen Situation bei den Makrodaten für die Wirtschaft und dem Ausblick in die Zukunft. Daher ist es extrem schwierig, die Entscheidungen gerade ab der zweiten Jahreshälfte sicher vorwegzunehmen.
Mit den Zinssenkungen wirkt die BoE in mehrere Richtungen. Auf der einen Seite wird das Kapital für Unternehmen günstiger – womit die Investitionen steigen. Parallel verringert sich die Attraktivität für einige Anlagen am Kapitalmarkt, weshalb eine Zinssenkung auch negative Auswirkungen auf das Pfund haben kann.
Großbritannien arbeitet daran, sich strukturell besser aufzustellen und den Brexit zu verarbeiten. Allerdings lassen sich nicht alle Strukturen über Nacht umstellen. Deshalb wirkt der Brexit wahrscheinlich auch noch 2026 nach.
Mit den Investitionen ergeben sich mehrere positive Effekte. Investitionen in Infrastruktur, Digitalisierung und Forschung steigern die Produktivität, was die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts Großbritannien erhöht. Parallel steigt das Vertrauen der Märkte und mit einer Verbesserung der Produktionskapazität sinkt das Leistungsbilanzdefizit.

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