

Inflationsangst, Handelsstreits und schlechte Quartalszahlen – die Wertpapiermärkte kennen nicht nur bullische Phasen. Oft genug drehen Kurse ins Minus. Rote Zahlen an den Märkten sind für viele Anleger das Signal, aus volatilen Positionen auszusteigen und noch schnell Gewinne mitzunehmen. Wer als Trader in solchen Momenten richtig reagieren will, legt sich in ruhigen Phasen Strategien zurecht.
Während andere Anleger in unruhigen Marktphasen in den Panikmodus schalten, helfen defensive Strategien dabei, Ruhe zu bewahren. Denn was selten ein guter Ratgeber auf dem Parkett ist, sind emotionale Entscheidungen. Mit welchen Strategien übersteht ein Portfolio auch kritische Phasen?
Sie wirkt im ersten Moment etwas angestaubt und altbacken, aber Diversifikation hat nichts an Aktualität verloren. Dahinter steht einfach die Idee, dass ein breit aufgestelltes Portfolio Schwanken besser dämpfen kann. Eine strategische Kombination verschiedener Sektoren, Assetklassen und Märkte sorgt für eine Glättung der Volatilität in einzelnen Bereichen.
Die Diversifikationsstrategie kann Verluste sicher nicht zu 100 Prozent verhindern. Aber gerade in Portfolios, die Aktien aus voneinander unabhängigen Märkte und Branchen mischen, fallen Abwärtstrends mitunter flacher aus. Dies gilt besonders, wenn sich die verschiedenen Wertpapiere in den preisbestimmenden Faktoren getrennt voneinander entwickeln.
Was ist beim Umsetzen der Strategie besonders wichtig? Anlegern müssen die Einflussfaktoren auf die Kursentwicklung detailliert verfolgen. Gibt es zwischen Wertpapieren und Sektoren Überschneidungen, besteht immer die Gefahr eines sogenannten Klumpenrisikos. Damit würden sich Krisen im Depot nur verstärken – wenn beispielsweise ETFs mit einer sehr starken IT-Komponente mit KI-Einzelwerten gemischt werden.

▶️ Die besten Aktienstrategien funktionieren auch in Krisenzeiten/ shutterstock/ insta_Photos
An den Märkten ist immer wieder zu beobachten, dass Anleger in einzelne Wertpapiere einsteigen, die einem bereits sehr stabilen Aufwärtstrend folgen. Eine solche Entscheidung wird durch die Fundamentaldaten des Wertpapiers – wie der Verschuldung der Aktiengesellschaft oder dem KGV – allerdings nur bedingt gerechtfertigt. So wie überbewertete Aktien auf dem Parkett gehandelt werden, finden Trader auch unterbewertete Wertpapiere.
Diese werden zum zentralen Element der Value-Investing Strategie. Der Fokus liegt auf Aktien, die angesichts ihrer Fundamentaldaten eigentlich wesentlich höher bewertet sein müssten. Da am Kapitalmarkt Anleger häufig nach der Trendfolge agieren und einen wachstumsgewichteten Ansatz verfolgen, werden diese Aktien im Wert aber anders wahrgenommen.
Das Missverhältnis aus gehandeltem Kurs und dem „wahrem“ Wert dieser Wertpapiere machen sich Investoren zunutze. Deuten sich Krisen und Korrekturen an, schichten Anleger ihr Portfolio um – die Tendenz geht dann auch in die Richtung von Aktien mit einer soliden Fundamentaldatenbasis. Die Value-Investing Strategie geht letztlich von einem langfristig positiven Kurstrend bei den unterbewerteten Wertpapieren aus.
Zu den Kennzahlen, die im Value Investing eine besondere Rolle spielen, gehören unter anderem:
Neben den Erträgen aus dem Handel mit Aktien oder ETFs bietet sich Anlegern an den Börsen eine zweite Möglichkeit, um Einnahmen aus Wertpapieren zu realisieren. Die Rede ist von Dividenden. Hierüber beteiligen Unternehmen Aktionäre am wirtschaftlichen Erfolg des abgelaufenen Geschäftsjahres.
Speziell in Phasen größerer Marktschwankungen sind dividendenstarke Wertpapiere eine interessante Option. Hintergrund: Die Kursentwicklung und die reale Wirtschaftsentwicklung der Unternehmen verlaufen nicht zwingend parallel.
Unternehmen, die in der Vergangenheit regelmäßig Dividenden ausgezahlt haben, erweisen sich auch in Krisen als solide. Und Branchen wie Konsumgüter des täglichen Bedarfs oder die Pharmabranche reagieren von Haus robuster.
Um ein krisenresistentes Portfolio aufzubauen, setzen Anleger seit einigen Jahren auch auf ETFs. Exchange Traded Funds haben einerseits einen Kostenvorteil. Da ein zugrundeliegender Index nachgebildet wird, ist die TER häufig niedriger als im Vergleich zu einem herkömmlichen Investmentfonds.
Sehr wichtig für die Stabilität der Aktien-ETFs ist deren Zusammensetzung. Durch die Bündelung verschiedener Aktien in einem ETF erreichen Anleger eine innere Streuung des Risikos. Die Idee, ETFs im Rahmen des Krisenmanagements in ein Portfolio einzubinden, lässt sich noch weiter verfeinern.
Über sogenannte Faktor-ETFs ist es heute möglich, die interne Gewichtung zu verschieben. So bauen Value-Faktor-ETFs eine Exposition in Unternehmen des Index auf, die anhand der Fundamentaldaten als unterbewertet anzusehen sind. Low-Volatility-ETFs setzen auf Wertpapiere mit einer geringen Schwankungsbreite in der Kursentwicklung. Für Quality-Faktor-ETFs steht im Vordergrund, dass sich die Aktien mit einer hohen Profitabilität und robusten Bilanzen abheben.
Krisen haben an den Kapitalmärkten sehr unterschiedliche Ursachen und Auslöser. Mitunter werden sie durch Megatrends ausgelöst. Aktuell sind es beispielsweise die Entwicklungen rund um KI und Digitalisierung, die einige Branchen und Unternehmen zu wachstumsgewichteten Investments machen.
Aber: Je stärker die Kurse anziehen, desto tiefer können sie auch im Rahmen einer Korrektur fallen. Drohen die Kurse an den Aktienmärkten ins Minus zu drehen, richtet sich der Fokus oft auf eine Anlageklasse: Edelmetalle. Anleger, die sich in Wachstumsphasen dazu entscheiden, auf Gold zu setzen, können in ihr Portfolio eine stabile Basis einbauen.
Es muss dabei nicht zwingend nur an physisches Gold gedacht werden. Der Kapitalmarkt bietet verschiedene Möglichkeiten, um sich auch hier in die Breite zu entwickeln – über Aktien verschiedener Rohstoffunternehmen. Minengesellschaften bzw. deren Zulieferer und goldverarbeitende Betriebe profitieren von einer steigenden Nachfrage. Damit können deren Wertpapiere durchaus eine interessante Beimischung für das eigene Depot sein.
Starke Kurskorrekturen können an den Börsen eine Kettenreaktion auslösen. Je stärker der Drang bei Anlegern ist, Gewinne mitzunehmen und Verluste zu begrenzen, umso mehr Positionen werden liquidiert. Die Verschiebung bei Angebot und Nachfrage drückt die Kurse weiter ins Minus. Der Krisenmodus löst mitunter sehr emotionale Reaktionen aus.
Es gibt keine Strategie, die dieses Szenario vollständig ausschließen kann. Aber: Anleger können sich auf bärische Entwicklungen vorbereiten – mit passenden defensiven Tradingstrategien. Dividendenbasiertes Investieren und Value Investing hilft dabei, ein robustes Depot aufzubauen. Parallel lassen sich Krisen auch als Chance begreifen. Nach einem Abwärtstrend bewegen sich die Märkte auch wieder in die andere Richtung. Anleger müssen nur die Anzeichen für die Trendumkehr erkennen, um von Krisenzeiten zu profitieren.

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