

US-Aktien haben in den letzten Jahren in vielen Portfolios als Wachstumstreiber eine zentrale Rolle eingenommen. Der S&P 500 hat europäische Indizes wie den DAX rückblickend teilweise deutlich geschlagen. Beispiel 2024: Während der deutsche Aktienindex ein Plus von 19 Prozent verzeichnet hat, lag das Plus beim S&P 500 über 30 Prozent. Einer der zentralen Multiplikatoren dieser Entwicklung bleibt die Tech-Branche.
Während Deutschland und Europa eher durch die Industrie (unter anderem den Autoherstellern und der Chemieindustrie) sowie den Dienstleistungssektor geprägt sind, spielt für den amerikanischen Aktienmarkt der Technologie-Sektor eine zentrale Rolle. 2025 ließ sich ein deutlicher Anteil der Entwicklung im S&P 500 genau auf dieses Segment zurückführen. Auf der anderen Seite war in Europa die Abkühlung am Automarkt zu spüren – was zu deutlichen Abschlägen geführt hat.
Hier ergibt sich für 2026 eine zentrale Frage: Wo ist diese Entwicklung bereits eingepreist und wo gibt es die Chance auf eine Expansion in der Bewertung? Für Anleger wird 2026 die Unterscheidung zwischen günstigen Bewertungen und den Fundamentaldaten wichtig. Es braucht einen differenzierten Blick, um für 2026 das Portfolio mit den richtigen Entscheidungen auf Kurs zu halten.
Im direkten Vergleich sieht die Situation ziemlich klar aus: Basierend auf den Kennzahlen zeigt sich der S&P 500 mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von über 29, während der STOXX 600 deutlich darunter notiert. Diese Differenz erklärt sich in Teilen durch die Zusammensetzung der beiden Indizes. In den USA ist eine sehr starke Prägung von Big Tech in Indexwerten zu erkennen.
Unternehmen wie Microsoft (US5949181045), Apple (US0378331005) oder Nvidia (US67066G1040) erzielen seit Jahren hohe Bewertungen durch die starken Wachstumserwartungen im KI-Bereich. Die Betrachtung der Shiller-CAPE-Ratio unterstreicht diese strukturelle Bewertung. Der US-Markt liegt deutlich über den historischen Durchschnitten.
Europa bewegt sich dagegen auf einem ganz anderen Niveau. Auch beim Kurs-Umsatz-Verhältnis zeigen sich die Unterschiede, die von den US-Technologiewerten mit ihren Multiplikatoren und den Margen ausgehen. Europäische Industriewerte schaffen diese Hebelwirkung nicht. Was der Markt 2026 klären muss: Ist dieser Abschlag bei europäischen Aktien durch die strukturellen Rahmenbedingungen gerechtfertigt oder sehen Anleger hier eher eine zyklische Unterbewertung – die sich mittelfristig korrigiert?

Nvidia ist bei Anlegern nach wie vor sehr beliebt (Foto: Shutterstock/ Mijansk786)
Dass die Bewertungen am US-Aktienmarkt im Vergleich mit Europa so stark auseinanderlaufen, ist teilweise den Geschäftsmodellen in den Vereinigten Staaten geschuldet. Software-as-a-Service, digitale Plattformen mit kompletten Ökosystemen, Cloud-Infrastruktur und nicht zuletzt der Suchmaschinenriese Google – die digitale Wertschöpfung findet einfach in den USA statt.
Allerdings sind die Börsenbewertungen dieser Unternehmen eine Seite der Medaille. Der realwirtschaftliche Wert, als was durch Produktionsfaktoren oder einen gesunden Cashflow usw. gedeckt wird, ist am Ende geringer. Gerade das KI-Segment lebt aktuell sehr stark von Finanzierungsrunden, die Milliarden USD in die Kassen spülen.
Das Ganze wird von den Versprechen der KI-Branche angetrieben, in Zukunft erhebliche Steigerungen bei der Effizienz zu erreichen – über:
Letztlich handelt es sich um eine Wette, die von den Märkten 2024 und 2025 mitgetragen wurde. Das Thema DeepSeek zeigt aber, dass sich die Rahmenbedingungen im KI-Sektor ändern können. Müssen Entwickler ihre Versprechen korrigieren, kann sich die Dynamik erheblich abkühlen – inklusive einer deutlich realistischeren Bewertung.
Europa konzentriert sich dagegen auf Branchen mit niedrigeren Margen: Banken wie Deutsche Bank (DE0005140008), Energiekonzerne wie Total Energies (FR0000120271) oder Automobilhersteller wie Volkswagen (DE0007664039) unterliegen regelmäßigen zyklischen Schwankungen. Diese Sektoren bieten Anlegern eher Stabilität und Dividenden, aber ein deutlich weniger dynamisches Wachstum.
In welche Richtung sich die Bewertungen der Aktienmärkte in den USA bzw. in Europa bewegen, ist von verschiedenen makroökonomischen Rahmenbedingungen abhängig. Hierdurch könnten sich 2026 durchaus Impulse ergeben, mit denen die anhaltende Dynamik durchbrochen und Veränderungen ausgelöst werden.
Die USA behaupten nach wie vor ihre Position als Innovationsmotor. Das BIP-Wachstum bewegt sich dabei stabiler als im Vergleich zu Europa, die Produktivitätszuwächse fallen höher aus. Investitionen gerade in KI, die Biotechnologie und digitale Infrastruktur schaffen langfristige Wettbewerbsvorteile. Diese strukturelle Überlegenheit löst die höheren Bewertungen aus. Europa ist auf der anderen Seite mit strukturellen Herausforderungen konfrontiert. Die Energieabhängigkeit sowie bürokratische Hürden und eine fragmentierte Wirtschaftspolitik bremsen die Dynamik.
Die Federal Reserve und die Europäische Zentralbank verfolgen in ihrer Politik inzwischen sehr unterschiedliche Wege – was auch mit den unterschiedlichen Rahmenbedingungen zusammenhängt. Während bei der Fed für die Zinspolitik die Inflation ein Treiber sind und das Wirtschaftswachstum eine Zurückhaltung bei den Zinsen erlaubt, agiert die EZB innerhalb eines Rahmens aus schwächeren Fundamentaldaten und solider Inflation innerhalb des Zielkorridors von zwei Prozent.
Die Fiskalpolitik ist ein weiterer Punkt, der die Unterschiede in der Bewertung erklärbar macht. Die USA setzen auf fiskalische Impulse und nehmen dafür eine kontinuierlich steigende Verschuldung in Kauf. In dieses Bild passen auch Maßnahmen zur Förderung der Wettbewerbsvorteile – wie der Inflation Reduction Act. Europa tendiert eher zu strengeren Haushaltsregeln (die fiskalische Spielräume begrenzen), hat unter dem Eindruck des letzten Jahres aber eine gewisse Aufweichung der Regeln – zur Stützung der Infrastruktur und Verteidigungsfähigkeit – eingeleitet.

Europa und die USA haben mit verschiedenen Herausforderungen zu kämpfen (Foto: Shutterstock/ StockLab)
Die starke Divergenz in den Bewertungen zwischen Europa und den USA ergibt sich aus sehr unterschiedlichen Faktoren und Rahmenbedingungen, die zu fundamental anderen strategischen Implikationen führen. In den USA herrschen Tech, KI und stark skalierbare Geschäftsmodelle vor, was die Dominanz der Mega Caps in den US-Indizes erklärt.
Die „Magnificent Seven“, zu denen:
gehören, machen einen überproportionalen Anteil der Leistung in verschiedenen Indexwerten aus. Diese Konzentration schafft Risiken, treibt aber auch die durchschnittlichen Bewertungen nach oben.
Europa setzt in den Indizes eher auf einen valuebasierten Mix, in dem:
deutlich stärker vertreten sind. Es gibt auch in den europäischen Indexwerten einige starke Wachstumsassets – die Breite fällt im Vergleich zu den USA aber kleiner aus. Zudem ist die zyklische Abhängigkeit europäischer Märkte größer, was dieses anfälliger für konjunkturelle Schwächen macht.
Das solide Wachstum bleibt einer der stärksten Trümpfe für den US-amerikanischen Markt. Neben der KI-Modell-Entwicklung, auf die sich 2024/2025 sehr viel Aufmerksamkeit konzentriert hat, werden KI-Infrastruktur und Cloud-Computing oder Biotechnologie durch eine langfristige Wertschöpfung interessant. Zudem zeichnen sich die USA durch einen effizienteren und schnelleren Investitionskapitalfluss aus – was Zukunftstechnologien stützt.
Auf der anderen Seite spricht für Europa, dass die Bewertungsunterschiede Einstiegschancen generieren. Der Markt zeigt eine leichte Tendenz zur Unterbewertung. Besonders die Immobilienwirtschaft und der zyklische Konsum tragen zu diesem Eindruck bei. Aber: Infrastrukturprogramme können mittelfristig Wachstumsimpulse liefern.
Zudem will die EU eine Verbesserung der eigenen Position in den Bereichen Digitalisierung und Verteidigung erreichen. Aus Anlegersicht eine interessante Option sind die Dividendenrenditen in Europa. Was einige Anleger über den Jahreswechsel vielleicht noch nicht mitbekommen haben: Im Morningstar Price-to-Fair Value liegen Europa und die USA gar nicht mehr so weit auseinander.

Im Anleger-Portfolio sollte gute Diversifikation zwischen Europa und USA Werten vorhanden sein (Foto: Shutterstock/ PeopleImages)
Märkte bleiben nicht statisch – sie entwickeln sich entlang dynamischer Effekte. Eine Erkenntnis, die auch für Europa und die USA gilt. Beide Aktienmärkte performen unter verschiedenen Vorzeichen und Rahmenbedingungen. Aus Anlegersicht bedeutet dies, dass sehr heterogene Marktsignale über Investments entscheiden.
Neben einem umfassenden Blick auf Makrofaktoren und Fundamentaldaten braucht es Broker, die neben einem breiten Handelsangebot einen diversifizierten Marktzugang mit einer performancestarken Handelsplattform kombinieren. Im Anbietertest erfüllt XTB dieses Anforderungsprofil
Diese zentralen Aspekte fließen mit Leistungen wie einer eigenen eWallet oder Sparplan-Angeboten zusammen. Dank der komfortablen Onlineanmeldung lässt sich das Handelskonto bei XTB ohne größere Schwierigkeiten auch als Beginner einrichten.
2026 werden die USA zumindest in den ersten sechs Monaten ein Markt für Anleger bleiben, der durch KI und Big Tech Wachstum generiert. Hinsichtlich der Bewertungen wird die Branche auf absehbare Zeit aber liefern müssen. Europa setzt auf der anderen Seite zunehmend auf eine Entwicklung der Handelsbeziehungen in die Breite – wie über einen Deal mit Indien.
Damit kann sich der Kontinent unabhängiger von den USA machen. 2026 wird kein Alles-oder-nichts-Jahr zwischen beiden Kontinenten. Es ergeben sich Chancen in beiden Sektoren: Europa punktet bei Value-orientierten Langfristinvestoren, die USA in Bezug auf den Wachstumsfokus – weshalb sich eine differenzierte Allokation auszahlt.
Währungsschwankungen beeinflussen die Renditen erheblich. Eine Euro-Aufwertung verringert Gewinne aus Dollar-Investments, eine Abwertung verstärkt die Erträge. Für langfristig orientierte Investoren ist der Einfluss der Währungseffekte auf das Portfolio oft nicht ganz so dramatisch, wer eine kurzfristige Exposure aufbaut, muss Wechselkursrisiken aktiv managen oder hedgen.
Der Abfluss aus dem US-Markt wird durch die Unsicherheit getrieben, die das Weiße Haus verbreitet. Eine aggressive Handelspolitik, Zölle auf Partner und ein zunehmend auch im Inland unpopulärer Stil verprellen Anleger bzw. Investoren. Je unruhiger die Rahmenbedingungen werden, desto eher wird Kapital aus dem Markt abgezogen.
Ein Aufholen ist durchaus möglich, erfordert aber strikte Reformen und eine zunehmende Unabhängigkeit von den USA. Europa braucht eine Mischung aus starker Binnennachfrage, Fortschritten im Technologiesektor und einen stärkeren Zusammenhalt, um auf dieser Basis wirtschaftliche Geschlossenheit zu entwickeln.

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