

Der Griff zu Aktien, Anleihen und Derivaten soll privaten Anlegern ein Zusatzeinkommen bescheren oder sogar gänzlich finanziell unabhängig machen. Wer es frühzeitig angeht und diszipliniert investiert, verspricht sich diese Freiheit nicht erst mit dem Eintritt ins Rentenalter.
Allerdings ist die globale Politik und Wirtschaft aktuell eine wirkliche Herausforderung – Zölle, Handelskriege und tatsächliche Konflikte erschweren Unternehmen das Geschäft und Anlegern die Einschätzung. Eine Hilfe bieten die Meinungen ausgewiesener Fachleute. Was würden Warren Buffett und andere Star-Investoren tun? Wie gehen Vermögensverwalter vor?
Wenn die Geopolitik für Turbulenzen und damit auch für Volatilitäten an den Märkten sorgt, wenden sich nicht nur private Depotinhaber bewährten Anlageklassen zu. Das ist auch nach Meinung von Experten derzeit nicht verkehrt. Sie sehen Möglichkeiten für Renditen oder zumindest den Werterhalt vor allem bei zwei Kategorien.
Allen Unkenrufen zum Trotz, insbesondere aus dem Lager der Krypto-Befürworter, bleibt Gold beliebt. Insbesondere wenig risikofreudige Anleger greifen zu dem Edelmetall und zu Derivaten auf Gold. Endlichen Vorkommen steht eine steigende Nachfrage gegenüber, dies umso mehr, als die Notenbanken von großen Schwellenländern ihre Goldreserven aufstocken. Nach Ansicht des Portfoliomanagers Michael Wittek ist die Investition in Gold als langfristige Absicherung gegen inflationäre Verschuldung eine bewährte Strategie. Das sieht auch der Depotverwalter Marco Herrmann ähnlich. Er hält es für vorteilhaft, dass Gold kaum mit Aktien und Anleihen korreliert, und rät daher zu einem Gold-Anteil von fünf bis zehn Prozent.
Staatsanleihen, insbesondere deutsche Bundesanleihen und US-amerikanische T-Bonds, gelten ebenfalls als Stabilitätsanker. Die meisten Finanzexperten sehen derzeit eher Potenziale als Risiken bei den US-Staatsanleihen, dies auch aufgrund der globalen Marktmacht des US Dollars. Dennoch raten auch sie eher zu Titeln mit kurzer und mittelfristiger Laufzeit – trotz des aktuell und wohl auch in naher Zukunft eher vorsichtigen Agierens der US-Notenbank, das eine starke Absenkung des Leitzinses wenig wahrscheinlich macht.

➡️ Anleger wollen finanziell unabhängig sein mit Aktien/ Shutterstock/ Dorde Krstic
Nach wie vor ist es natürlich so, dass Anleger um Aktien nicht herumkommen, wenn sie eine nennenswerte Rendite erwirtschaften wollen. Alternativ bietet sich für Kleinanleger der Vermögensaufbau mithilfe von ETFs an, denn Indexfonds bündeln zu geringen Verwaltungskosten die Positionen bekannter Welt- und Branchenindizes.
Doch welche Investitionen als erfolgversprechend gelten – darüber scheiden sich die Geister. Noch zu Jahresbeginn schienen besonders aussichtsreich die Aktien von Unternehmen, die sich stark bei der Entwicklung von KI-Projekten engagieren. Sie alle erlitten empfindliche Kursverluste durch den unvorhergesehenen Launch der Konkurrenz aus China. Allein bei Nvidia beliefen sich die Verluste durch den DeepSeek Schock auf rund 600 Milliarden US Dollar – an einem einzigen Tag.
Der Star-Investor Ray Dalio sieht im KI-Sektor das Risiko einer heraufziehenden Blase und mahnt zur Vorsicht. Zwar räumt er der Technologie selbst weiterhin Potenziale ein, doch Anleger müssen nach Dalios Ansicht damit rechnen, dass sich für einige der hier vertretenen Unternehmen die Investition in Künstliche Intelligenz nicht auszahlen wird.
Ein Vorbild für Aktionäre weltweit ist der Großinvestor Warren Buffett. Das „Orakel von Omaha“ ist seit Jahrzehnten erfolgreich an der Börse. Seine Anregungen umfassen Anregungen zur Persönlichkeitsentwicklung ebenso wie konkrete Anlagevorschläge.
Buffett ist bekannt für seine positive Einstellung zur US-Ökonomie. Wer mit ETF auf einen einzigen Index investieren oder sparen will, ist seiner Meinung nach mit dem S&P500 am besten beraten – getreu Buffetts Grundsatz „Don’t bet against America!“
Dabei muss man dem Star-Investor nachsehen, dass er es vor Jahrzehnten versäumte, in bahnbrechende Innovatoren wie Google zu investieren. In jüngster Zeit hat Buffett seine Tech-Aktien aufgestockt, unter anderem Amazon, aber auch den nicht eben hoch bewerteten Spotify-Konkurrenten Sirius XM. Damit folgt er konsequent seiner bewährten Strategie, dort einzusteigen, wo die Mehrheit der Anleger (noch) kein Interesse zeigt.

➡️ Finanzielle Unabhängigkeit mit der Warren Buffet Strategie/ Shutterstock/ NicoElNino
Bekannte Investoren und die Vermögensverwalter großer deutscher Finanzdienstleister haben zweifellos langjährige Erfahrungen an den Börsen. Ihre Meinungen und Vorschläge liefern wertvolle Anregungen – doch sie sollten nicht als hundertprozentige Handlungsanleitung verstanden werden.
Die gut zugänglichen Experten-Meinungen sind nützliche Informationen, ersetzen aber nicht das eigene Verständnis. Denn zu den wichtigsten Empfehlungen für Anleger gehört, nur einzusteigen, wo man die Anlage bzw. das Geschäftsmodell versteht.
Die sogenannte Fundamentalanalyse wird bei mittel- bis langfristigen Investitionen eingesetzt, um ein realistisches Bild von der vergangenen, aktuellen und möglichen zukünftigen Entwicklung eines Wertpapiers zu erhalten. Historische Kurse, Informationen aus dem Unternehmen und betriebswirtschaftliche Kennzahlen gelten als die aufschlussreichsten Quellen – sie sind leicht zugänglich, ihre Auswertung erlernen Anleger ohne besondere Schwierigkeiten.
Trotz der gegenwärtig recht stürmischen Geopolitik und deren Auswirkungen auf die Wirtschaft gelten Aktien als die aussichtsreichste Investition. Allerdings ist Aufmerksamkeit und Vorsicht angebracht – jedenfalls gegenüber derzeit aktuellen Sektoren oder Branchen. Wie schnell unvorhergesehene Ereignisse Kapital vernichten können, zeigt das Beispiel Nvidia. Vor diesem Hintergrund wird verständlich, dass Gold und Anleihen auch von Portfoliomanagern empfohlen werden. Insbesondere als Inflationsschutz haben die Stabilitätsanker im Depot ihre Berechtigung. Dass Tech-Aktien eine Zukunft haben, glaubt auch der Star-Investor Buffett und empfiehlt unter anderem ETFs auf den S&P 500.

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