

Die japanische Notenbank hat Ende 2025 damit begonnen, ihre Geldpolitik anzupassen und nach Jahren einer eher lockeren Haltung die Zinsen wieder stärker zu straffen. Mit höheren Zinsen reagiert die Bank of Japan auf eine Inflationsrate, die seit längerer Zeit über dem Zielkorridor von zwei Prozent liegt. Aus Anlegersicht wird sich damit für 2026 auch die Frage stellen, ob der Turnaround der Zentralbank den Yen wieder stärker zur Krisenwährung macht und das Carry-Trade-Potenzial schrumpft.
In welche Richtung die BoJ den Yen letztlich treibt, bleibt abzuwarten. Angesichts der prognostizierten Inflationstrends sind mehrere Zinsschritte 2026 durch die Bank of Japan nicht unrealistisch. Gleichzeitig steigen aber auch die geopolitischen Risiken. Spannungen nehmen zwar gerade eher am anderen Ende der Welt zu, bringt ein Konflikt die NATO an den Rand des Kollapses, werden Schockwellen aber auch in Japan zu spüren sein.
Für den Markt ist die Zinsanpassung Ende 2025 keine besondere Überraschung gewesen. Vielmehr haben Marktteilnehmer diesen Schritt antizipiert und eingepreist, was daran deutlich zu erkennen gewesen ist, dass sich der Yen gegenüber dem Dollar in der Folge leicht schwächer entwickelt hat. Für 2026 wird von Analysten davon ausgegangen, dass es weitere Zinsschritte geben wird.
Ein Grund für diese Haltung: Die Inflationsrate dürfte weiter (moderat) steigen. Zumindest deuten aktuell Verbraucherpreisindikatoren auf diesen Trend hin und stützen das Inflationsziel von zwei Prozent. Angesichts der Tatsache, dass die Preissteigerung nach oben zeigt und die Realzinsen sich auf einem niedrigen Niveau bewegen, hat die BoJ Spielraum für Zinsanhebungen.
Ob die Zinsschritte in einem 6-Monats-Rhythmus oder in kürzeren Abständen kommen, bleibt abzuwarten. Fakt ist aber bereits jetzt: Mit dem Zinsschritt steuert die Bank of Japan auf einen wirtschaftspolitischen Kurs um, der sich deutlich von der Geldpolitik der vergangenen Jahre unterscheidet. Die Lockerheit der deflationären Zinsentscheidungen scheint einer spürbaren Straffung zu weichen.

Der Druck auf den JPY wird 2026 steigen (Foto: Shutterstock/ tadamichi)
Mit ihrer Geldpolitik bewegt sich die Bank of Japan in eine gänzlich andere Richtung als viele Notenbanken, bei denen die Zeichen in den letzten Monaten eher auf Zinssenkungen standen. Die BoJ bewegt sich aber auch in einem Umfeld, das mit ganz anderen Vorzeichen startet. Statt mit einem vergleichsweise hohen Zinsniveau arbeiten zu müssen, ist Japan in den letzten Jahrzehnten ein Niedrigzinsland.
Dieser Aspekt hat historische Gründe. In den 1980er Jahren sorgten niedrige Zinsen in Kombination mit Preissteigerungen am Immobilienmarkt dafür, dass immer mehr Menschen und Investoren in den Immobilienmarkt einstiegen. Mit dem Platzen der Blase entwickelte sich eine tiefe Rezession und Bankenkrise – die BoJ steuerte mit niedrigen Zinssätzen gegen.
Mittlerweile sehen die wirtschaftlichen Vorzeichen für das pazifische Inselreich allerdings etwas anders aus. Das deflationäre wirtschaftliche Umfeld hat sich verschoben, robuste Lohnabschlüsse und die bisherige Entwicklung der japanischen Wirtschaft (gerade im Hinblick auf die US-Zollpolitik) stützen eine langsame Normalisierung.
Die Tatsache, dass die japanische Wirtschaft inzwischen strukturelle Inflationstrends – getrieben durch steigende Löhne – zeigt, entzieht der Deflationslogik, die Japans Geldpolitik jahrzehntelang rechtfertigte, ihre gedankliche Basis. Damit steht auch die Bank of Japan vor einer zentralen Frage: Kann sie eine Normalisierung aufschieben, ohne die Reputation des Yen zu beschädigen?
In den Märkten ist die Antwort für 2026 bereits eingepreist. Heißt: Analysten rechnen nicht mit riesigen Zinsschritten, sondern einer eher graduellen Anpassung. Als wahrscheinlich nehmen Analysten an, dass die Bank of Japan sich im Sommer der 1-Prozent-Marke nähert (aktuell liegt der Leitzins bei 0,75 Prozent).
Auch, wenn es sich um einen symbolisch wichtigen Zinsschritt handelt, wäre der Abstand zu anderen wichtigen Währungen – wie dem Dollar oder Euro – immer noch vergleichsweise hoch. Damit kann die BoJ den Yen nur graduell entlasten, da verschiedene Parameter 2026 weiterhin Druck auf die Währung ausüben.7
Der Yen bleibt 2026 ein Asset, an dem Devisenhändler nicht vorbeikommen – trotz der Tatsache, dass die Währung unter Druck steht. Gerade die verschiedenen Einflussfaktoren, welche aus sehr unterschiedlichen Richtungen innen- und außenpolitisch einwirken, machen genaue Marktbeobachtungen essenziell. Pepperstone bietet Anlegern als Broker nicht nur die Chance, über CFDs die Marktsentiments auszunutzen. Die Handelsplattform entpuppt sich als benutzerfreundlich und umfasst Tools, um den Yen langfristig im Auge zu behalten.
Die Zinsdifferenz zwischen Japan und anderen Industrienationen bestimmt den Yen-Kurs als dominanter Faktor. Während die Fed den Leitzins bei über 3,50 Prozent hält und die EZB ebenfalls bei ihrem Zinskurs bleibt, liegt Japan immer noch auf einem sehr niedrigen Niveau. Diese Spreads machen den Yen für Carry Trades extrem attraktiv.
An dieser Tatsache ändert sich auch nichts, wenn die Bank of Japan die Zinsen um 25 oder 50 Basispunkte anhebt, die relative Positionierung verschiebt sich nicht spürbar. Solange entweder Fed und EZB keine aggressiven Zinssenkungen einleiten oder die BoJ zu einer radikalen Straffung neigt, bleibt die Zinsdifferenz zentraler Motor.
Ein zweiter zentraler Aspekt bleiben die Realzinsen. Inflationsbereinigt ist das Niveau in Japan negativ, während die USA und Europa ein aus Anlegersicht ganz anderes Bild abgeben. Damit wird ein Verkauf von Yen (um in höher verzinste Anleihen oder Aktien zu investieren) attraktiver.
Neben den Carry-Effekten sind es vor allem aktuelle innenpolitische Trends, die am Devisenmarkt den Blick auf die Entwicklung Japans und des Yens bestimmen. Die Aussicht, dass die konservative Regierungschefin Sanae Takaichi mit vorgezogenen Neuwahlen ihre Machtbasis stärkt, baut Szenarien auf, in denen aggressive Fiskalstimuli zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit in Tokio beschlossen werden können – was letztlich auf die Entwicklung des Yen Auswirkungen hat.
Eine Wirtschaftspolitik, die diese Säule mit geldpolitischen Lockerungen und Strukturreformen kombiniert, hat Japan bereits erlebt – unter Premierminister Shinzō Abe. Aber: Wie in den 2010er Jahren lässt sich das Problem einer alternden Bevölkerung und hoher Staatsverschuldung nicht einfach unter den Teppich kehren.

Die aktuelle Innenpolitik wirkt sich auch schwächend auf den JPY aus (Foto: Shutterstock/ tkyszk)
Japan hat sich und seine Wirtschaft vorerst aus der Schusslinie gebracht. Dennoch bleiben auch für den Yen erhebliche globale Rezessionsrisiken 2026 ein Faktor. Dies gilt insbesondere vor den sich aktuell sehr stark verstärkenden Spannungen zwischen den USA und Europa. Eine Spirale aus Zöllen und Gegenzöllen wird zum Problem, wenn die US-Wirtschaft in eine Rezession rutscht und europäische Märkte unter Druck geraten.
Krisen stützen den Yen zwar tendenziell eher, da Anleger einen sicheren Hafen suchen. Allerdings könnte die Spannung so weit gehen, dass systemische Krisen entstehen und sich ein globales Rezessionsszenario entwickelt. Die Flucht der Anleger in sichere Assets könnte dann ein Kollabieren der Yen-Carry-Trades nach sich ziehen.
Starke Korrekturen im Nikkei würden für zusätzliche Verunsicherung sorgen. Insgesamt würde sich ein Szenario etablieren, das wahrscheinlich von einem USD-Pullback geprägt wird, was Yen-Long-Positionen als risikoaverse Bausteine (ähnliches gilt für Schweizer Franken) stützt.
Die Entwicklung, welche der Yen im Jahr 2026 nehmen wird, ist angesichts sehr dynamischer geopolitischer Trends schwer vorhersehbar. In einem Umfeld vergleichsweise solider Stabilität – dem Status-Quo-Szenario – bleibt die Bank of Japan vorsichtig. Die graduellen Anpassungen ohne substanzielle Zinserhöhungen halten den Yen im Vergleich zum USD oder Euro auf seinem Niveau. Damit bleiben Carry Trades profitabel. Dieses Szenario setzt voraus, dass die globalen Märkte stabil bleiben und keine externen Schocks auftreten.
Im Mid-Level Szenario werden die Zinsschritte der BoJ größer, es geht um 50 bis 75 Basispunkte. In ihrer Kommunikation bleibt die Bank zurückhaltend und setzt weiter auf graduelle Prozesse. Die Folge: Der Yen erholt sich begrenzt, erreicht aber keine fundamentale Trendwende. Zinsdifferenzen bleiben auch in diesem Szenario substanziell, Carry Trades bleiben immer noch teilweise attraktiv.
Das Schock-Szenario kumuliert steigende Inflation, einen expansiven fiskalischen Kurs und Marktstress. Hierdurch setzen mehrere Effekte ein: Die BoJ erhöht die Zinsen überraschend stark. Damit werden Carry Trades unattraktiver. Gleichzeitig eskaliert der Grönlandstreit, weshalb der Yen als sicherer Hafen eine Rallye erlebt.
Der Yen wird 2026 ein Makro-Barometer bleiben, das die Verfassung globaler Märkte widerspiegelt. Es sind verschiedene Faktoren, die hier am Ende eine Rolle spielen: Einmal Japans Geldpolitik, die als Volatilitätsfaktor in der Vergangenheit unterschätzt wurde, inzwischen aber wieder mehr Aufmerksamkeit erfährt. Die BoJ hat einen Trendwechsel eingeläutet und die Zinsen erhöht.
Damit steigt der Druck auf Carry Trades, deren Attraktivität abnimmt. Gleichzeitig beeinflusst die aktuelle geopolitische Lage den Yen. Europa und die USA bewegen sich auf einen ernsthaften Konflikt zu – in einer bisher nicht gekannten Größenordnung. Dieser Konflikt rückt Währungen in den Fokus, die allgemein als sicherer Hafen gelten. Dazu gehört auch der Yen, der gegenüber dem USD aufwerten kann, wenn der Territorialstreit um Grönland an Schärfe weiter zunimmt.
Der Kernaspekt sind die Zinsdifferenzen. Während andere Zentralbanken die Zinsen deutlich anhoben, hat die Bank of Japan an ihrer Lockerung sehr lange festgehalten. Der Yen wurde dadurch zu einer bevorzugten Finanzierungswährung für Carry Trades – Investoren leihen sich günstig in Yen und investieren in höher verzinste Assets. Hierdurch kommt es zu Kapitalabflüssen, die den Yen unter dauerhaften Abwertungsdruck setzen. Steigen allerdings geopolitische Risiken, wächst das Risiko eines Pullback und Rückzug aus dem USD – was den Yen eher stärkt.
Hier sind zwei grundlegende Szenarien denkbar. Auf der einen Seite nehmen geopolitische Spannungen so stark zu, dass Anleger keine andere Wahl haben. Angesichts des Grönlandstreits bleiben nur wenige Währungen als sicherer Hafen. Andererseits kann eine starke Zinsanhebung den Abstand für Carry Trades verkürzen, was den Kapitalabfluss verringert.
Das hängt vom globalen Risikosentiment ab. In stabilen Marktphasen mit niedrigen Zinsdifferenzen bleibt Short-JPY attraktiv. Bei globalen Schocks, einem forcierten Deleveraging von Carry Trades oder überraschenden BoJ-Maßnahmen kann der Yen abrupt aufwerten. Trader müssen in diesem Zusammenhang flexibel bleiben und Positionen aktiv managen – eine starre Positionierung birgt 2026 erhebliche Risiken.
Ja, da der Yen hohe Liquidität bietet und von klar definierten Makro-Treibern unterstützt wird. Zudem bietet er sich als Vehikel für Stressphasen an. Gerade diese Barometerfunktion für Marktsentiment darf aus Anlegersicht nicht unterschätzt werden.

Zum Anbieter
*



Finanzielle Differenzgeschäfte (sog. contracts for difference oder auch CFDs) sind komplexe Instrumente und gehen wegen der Hebelwirkung mit dem hohen Risiko einher, schnell Geld zu verlieren. Der überwiegende Anteil der Privatkundenkonten verliert Geld beim CFD-Handel. Sie sollten überlegen, ob Sie verstehen, wie CFD funktionieren, und ob Sie es sich leisten können, das hohe Risiko einzugehen, Ihr Geld zu verlieren.