Medienkooperation

Warum Märkte Trends länger folgen, als die meisten erwarten

Datum: 15.09.2026
Inhaltlich geprüft durch: Ruben Wunderlich

2023 war nicht absehbar, wie hoch der Kurs der Aktie von Nvidia noch steigen würde und viele Trader waren zu zögerlich. Die meisten Privatanleger hielten die Aktie nämlich für zu teuer und verpassten eine Vervierfachung des Kurses. Genau dieser Reflex, einen Kurs für überzogen zu halten und auszusteigen, kostet Anleger regelmäßig mehr Rendite als jeder Crash. Über den Grund, warum Trends fast immer länger laufen als gedacht, und woran man das Ende möglicherweise trotzdem rechtzeitig erkennen kann, soll dieser Artikel informieren.

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Warum “zu hoch” kein Argument ist

Ein Kurs, der bereits 80 Prozent gestiegen ist, wirkt erst einmal teuer. Und für jemanden, der nicht investiert ist, fühlt sich jeder weitere Prozentpunkt nach einem Risiko an, das andere schon mitgenommen haben. Dieser Mechanismus sitzt tief im Inneren eines jeden Einzelnen von uns und hat in der Verhaltensökonomie sogar einen eigenen Namen: recency bias. Der jüngste Kurs wird zum Anker, nicht aber die langfristige Entwicklung darunter, wie es eigentlich richtig wäre.

Über die eigentliche Frage, ob sich ein Trend weiter fortsetzt, sagt der bisherige Anstieg nämlich wenig aus. Viel wichtiger ist nämlich die Frage, ob die fundamentale Ausgangslage weiterhin Bestand hat und ob frisches Kapital nachfließt.

Amazon notierte beispielsweise über Jahre hinweg auf einem Kurs-Gewinn-Verhältnis, das klassische Bewertungsmodelle schlicht überforderte. Wer daraus den Schluss zog, die Aktie sei zu teuer zum Kaufen, lag mit seiner Bewertung zwar grundsätzlich richtig, hat aber trotzdem erhebliche Kursgewinne liegen lassen. Der Markt bepreist eben selten den aktuellen Gewinn, sondern vielmehr die Fantasie und Erwartungen über künftige Erträge und strukturelle Vorteile. Ob diese Erwartungen am Ende berechtigt sind, zeigt sich oft erst Jahre später.

Märkte und Trends

Die Amazon Aktie hat trotz hohem Kurs weiter hohe Gewinne eingefahren (Foto: Shutterstock/ Mijansk786)

Das Muster ist alt und wiederholt sich quer durch die Börsengeschichte. Immer wieder gelangen Trends an einen Punkt, an dem die Mehrheit den Trend für beendet hält. Das war so beim Rohstoffboom der 2000er, als auch bei chinesischen Aktien in den Jahren 2006 bis 2007 und jedes Mal lief der Trend noch gute ein bis zwei Jahre weiter. Der Grund liegt in der Mechanik, wie Marktteilnehmer agieren und wie Kapital in einen Markt strömt.

Kapital fließt nämlich nie auf einen Schlag in eine neue Idee. Am Anfang erkennen nur wenige meist institutionelle Anleger den strukturellen Wandel. Später kommen größere Fonds dazu, dann Privatanleger und irgendwann springt auch die breite Medienöffentlichkeit auf den Trend auf. Und so gibt es an jedem einzelnen Tag neue potenzielle Käufer, die genau diesen bereits fortgeschrittenen Trend bisher verpasst haben. Aus Angst etwas zu verpassen, investieren immer mehr Anleger in das angesagte Unternehmen. Man spricht hier vom sogenannten FOMO (fear of missing out)

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Warum verschwindet dieser Effekt nicht, obwohl ihn inzwischen jeder kennt?

Hierfür gibt es eine plausible Erklärung: Das Wissen allein verändert nicht das Verhalten. Erst recht nicht bei Investoren. Selbst Anleger, die um die Langlebigkeit von Trends wissen, verkaufen häufig zu früh, aus Angst Gewinne abzugeben. Die Verhaltensökonomie kann das Phänomen zwar beschreiben und davor warnen, aber den Anleger vor seinem eigenen Fehler bewahren, kann dieses Wissen nicht.

Hinzu kommt ein zweiter Mechanismus: Sobald ein starker Markt auf wachsende Skepsis trifft, verlängert das den Trend oft sogar. Wer außen vor ist, wartet auf den Rücksetzer zum Einstieg. Wer investiert ist, sichert ab. Diese aufgestaute Kaufbereitschaft wirkt wie ein Polster unter den Kursen und bildet so einen soliden Widerstandsbereich. Das passiert meist schon lange, bevor die ersten Marktteilnehmer von Überhitzung sprechen.

Der Nasdaq 100 legte in den Jahren zwischen 2016 und 2021 um mehr als 400 Prozent zu. In jedem dieser Jahre warnten prominente Stimmen immer wieder vor dem Ende der Technologierallye, so wie aktuell vor dem Ende des KI-Hypes. Und Einige hatten durchaus stichhaltige Argumente, lagen damit aber trotzdem zu früh. Gut begründete Skepsis kann einen Trend zwar bremsen, aber sie beendet ihn nur selten.

Gibt es auch Gegenbeispiele?

Ja, es gibt natürlich auch Gegenbeispiele. Der japanische Aktienmarkt war in den 1980er Jahren der heißeste Trend der Welt. Ende 1989 stand der Nikkei bei fast 39.000 Punkten. Was folgte, war ein Einbruch, von dem sich der Index erst rund 35 Jahre später erholte. Wer damals dem Trend vertraute und auf eine Fortsetzung hoffte, saß über Jahrzehnte auf Verlusten. In all diesen Fällen gab es überzeugende Erklärungen für die Fortsetzung des Trends. Struktureller Wandel, neue Ära, und dass sich diese Situation nicht mit denen der Vergangenheit vergleichen ließe. Bemerkenswerterweise trafen diese Begründungen oft sogar sehr genau zu. Doch die Praxis sah anders aus: Ja, das Internet hat die Welt tatsächlich verändert. Nur eben langsamer und zugunsten anderer Unternehmen als jener, die 1999 dafür gehypt wurden.

Was einen tragfähigen Trend von einer Blase trennt, liegt meist unter der Oberfläche. Ein Trend ruht auf einer fundamentalen Basis, auf die der Markt schrittweise reagiert. Eine Blase entsteht, wenn sich die Erwartungen vollständig von realisierbaren Gewinnen lösen und allein neue Käufer (die mit der FOMO) den Kurs tragen. Das Problem hieran ist, dass derjenige, der investiert ist, beides kaum auseinanderhalten kann und Nachrichten selektiv wahrnimmt. Ein Blick auf den Chart liefert dazu leider auch keine verlässliche Antwort.

Märkte & Trends

Die Nikkei Aktie hat sich erst wieder sehr spät erholt (Foto: Shutterstock/ photolaluce)

Gewinne laufen lassen, das eigentlich Schwierige

Bemühen wir wieder das Beispiel der Nvidia-Aktie. Der Kurs der Aktie hatte sich zu Beginn 2024 innerhalb der letzten zwölf Monaten vervierfacht.  Ein Investor aus 2022 hat sein ursprüngliches Investment vervielfacht. Dieser überlegt nun, langsam Kasse zu machen. Kein technisches Signal drängt ihn dazu. Es fühlt sich nur falsch an, einen so großen Buchgewinn einfach stehen zu lassen.

Und genau so geht es vielen Tradern und die meisten steigen an diesem Punkt aus. Der Verkaufsimpuls entsteht häufig nicht durch schlechte Nachrichten. Im Gegenteil: Er entsteht durch Zahlen, die zu gut erscheinen, um Bestand zu haben.

Erfolgreiche Trader behalten genau hier die Nerven und wer eine Position hält, solange der Kurs über seinem 200-Tage-Durchschnitt notiert, verkauft eben nicht, weil ein Wert “schon so weit gestiegen” ist. Verkauft wird erst, wenn ein vorab definiertes Signal erscheint. Das wirkt mechanisch, und genau darin liegt der Sinn: Die Mechanik übernimmt in dem Moment, in dem das Bauchgefühl zu laut wird.

Aber kein Handelssystem ist perfekt. In Seitwärtsmärkten produzieren Trendfolgesysteme erst einmal Verluste durch ständiges Aus- und Wiedereinsteigen. Bei abrupten Umkehrungen reagiert sie zwangsläufig verspätet. Sie taugt als Werkzeug gegen einen einzelnen, hartnäckigen Fehler: das verfrühte Aussteigen aus einem intakten Trend. Wer diesen Fehler kennt und trotzdem ohne Regel handelt, entscheidet im Moment des größten Stresses neu. In den allermeisten Fällen fällt diese Entscheidung oft negativ aus.

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Den exakten Wendepunkt trifft niemand. Aber ein Trend stirbt selten geräuschlos. Mehrere Signale verdichten sich oft, bevor er kippt, und wer sie kennt, reagiert weniger blind.

  • Das technisch sichtbarste Zeichen ist der Trendbruch selbst. Fällt der Kurs nachhaltig unter eine langfristige Linie wie den 200-Tage-Durchschnitt und gelingt kein schneller Rücksprung darüber, hat sich die Struktur verändert. Früher ansetzen lässt sich bei den Gewinnrevisionen. Solange Analysten ihre Gewinnschätzungen für ein Unternehmen oder einen Sektor laufend nach oben korrigieren, hat ein Trend fundamentalen Rückenwind. Drehen diese Revisionen, beginnen die Schätzungen also zu sinken, während der Kurs noch steigt, entsteht eine gefährliche Lücke zwischen Erwartung und Realität. Diese Divergenz ging fast jedem großen Einbruch voraus.
  • Ein dritter Indikator ist die Marktbreite. In einem gesunden Aufwärtstrend steigen viele Werte gemeinsam. Trägt ein Index dagegen nur noch eine Handvoll Schwergewichte, während die Mehrheit der Aktien bereits fällt, bröckelt das Fundament unter der Oberfläche. Der Nasdaq 100 zeigte dieses Muster vor dem Dotcom-Einbruch: Wenige Titel hielten den Index oben, die Breite war längst gekippt.
  • Schwerer zu greifen, aber zu wichtig zum Ignorieren ist das Sentiment. Wird der Trend zum Titelthema der Publikumspresse, geben Taxifahrer Aktientipps und kaufen Privatanleger gehebelt nach, ist der Optimismus oft maximal. Dann sind kaum noch Käufer übrig, die den Kurs weiter tragen könnten. Stimmungsindikatoren wie das Put-Call-Verhältnis versuchen, diese Euphorie messbar zu machen. Das Bewertungsniveau schließlich taugt kaum für das Timing, bleibt als Kontext aber relevant. Eine extreme Überbewertung beendet keinen Trend, sie erhöht die Fallhöhe. Erreicht ein Markt das Zwei- oder Dreifache seines historischen Bewertungsdurchschnitts, fällt der spätere Einbruch in der Regel tiefer aus.
  • Keines dieser Signale funktioniert isoliert. Ein einzelner Indikator produziert zu viele Fehlalarme. Erst wenn sich mehrere gleichzeitig eintrüben, also etwa Gewinnrevisionen drehen, die Marktbreite abnimmt und das Sentiment euphorisch wird, verdichtet sich der Hinweis. Eine Garantie ist auch das nicht. Es ist der Unterschied zwischen einer informierten Vermutung und einem reinen Bauchgefühl.
Trends und Märkte

Trendwendungen sind nur schwer vorherzusagen (Foto: Shutterstock/ Zakharchuk)

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Wer trendorientiert in Einzelaktien oder ETFs investieren will, braucht eine Plattform, die das technisch trägt. XTB bietet über 8.900 echte Aktien und ETFs an, kommissionsfrei bis zu einem monatlichen Handelsvolumen von 100.000 Euro. Darüber hinaus fällt eine Kommission von 0,2 Prozent an, mindestens 10 Euro. Für Anleger, die konzentriert auf wenige Positionen setzen und selten umschichten, bleibt das Kostenmodell überschaubar.

Die hauseigene Plattform xStation 5 läuft im Browser, als Desktop-Anwendung und mobil. Gleitende Durchschnitte oder der Relative Strength Index lassen sich direkt in die Ordermaske einbinden. Für ein Vorgehen, das auf Tagesschlusskursen und technischen Signalen aufsetzt, ist das ein durchdachtes Arbeitsumfeld.

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Was bleibt

Trends dauern länger als erwartet, weil Märkte keine Maschinen sind, die Informationen in Echtzeit verarbeiten. Sie funktionieren als soziale Systeme, in denen sich Erwartungen wellenförmig anpassen.

Irgendwann enden Trends trotzdem.  Wer glaubt, diesen Wendepunkt präzise treffen zu können, hat entweder außergewöhnliches Glück oder ein kurzes Gedächtnis. Die meisten Anleger verfehlen ihn und steigen zu früh aus, um dann zu spät wieder einzusteigen.

Die praktikable Konsequenz liegt zwischen den beiden Extremen. Wer stur hält, ignoriert die Warnzeichen. Wer beim ersten Rücksetzer flieht, verschenkt Rendite. Dazwischen liegt das Beobachten des Signalbündels: investiert bleiben, solange die Mehrzahl der Indikatoren intakt ist, und erst reagieren, wenn sich mehrere gleichzeitig eintrüben. Ob das am Ende aufgeht, entscheidet die Substanz hinter dem Trend. Die zeigt sich meistens erst, wenn er längst vorbei ist.

FAQs

Wie erkenne ich, ob ein Trend noch intakt ist oder kurz vor dem Ende steht?

Eine sichere Methode existiert nicht. Zur Orientierung dienen zwei Ebenen: fundamental die Frage, ob der zugrunde liegende Wachstumstreiber noch trägt, technisch ein Signal wie der 200-Tage-Durchschnitt.

Was unterscheidet Nvidia 2023 von der Dotcom-Blase 2000?

Vor allem die Substanz. Viele Dotcom-Unternehmen hatten keine Gewinne, keine tragfähigen Geschäftsmodelle und Bewertungen, die auf reiner Hoffnung beruhten. Nvidia lieferte 2023 reale Gewinne, beherrschte einen Markt mit hohen Eintrittsbarrieren und profitierte von einer Nachfrageverschiebung, die sich Quartal für Quartal in den Zahlen niederschlug.

Warum scheitern so viele Anleger beim Trendfolgen, obwohl das Konzept bekannt ist?

Weil Wissen und Verhalten zwei verschiedene Paar Schuhe sind. Wer 40 Prozent Buchgewinn auf dem Konto sieht und gleichzeitig Schlagzeilen über eine drohende Korrektur liest, verspürt einen realen Verkaufsdruck. Dieser Druck überlagert das abstrakte Wissen, dass Trends länger laufen als gedacht.

Für wen eignet sich ein trendorientierter Ansatz eher nicht?

Für Anleger mit kurzem Anlagehorizont oder geringer Toleranz gegenüber zwischenzeitlichen Rückschlägen. Trendfolge bringt es mit sich, dass man gelegentlich 15 bis 25 Prozent eines aufgelaufenen Gewinns wieder abgibt, ehe ein Ausstiegssignal erscheint. Wer bei jedem Rücksetzer seine gesamte Strategie neu hinterfragt, wird einen solchen Ansatz kaum diszipliniert durchhalten.

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