Medienkooperation

Ein Depot reicht nicht immer: Wann sich ein zweiter Broker lohnt

Datum: 05.10.2026
Inhaltlich geprüft durch: Ruben Wunderlich

Am Morgen des 7. April 2025 funktionierten die Handels-Apps von Trade Republic und Scalable Capital über eine Stunde lang nicht zuverlässig. Auslöser war ein Ansturm besorgter Anleger nach dem Kurseinbruch infolge der US-Zollankündigungen. Die Systeme waren der Zugriffsmasse nicht gewachsen. Die BaFin forderte danach von den betroffenen Instituten Stellungnahmen an, wie sie ihre Systeme künftig gegen Überlastung in Stressphasen absichern.

  • Im April 2026 war Scalable Capital erneut über eine Stunde lang nicht erreichbar. Wer in genau diesem Moment eine Order platzieren wollte, kam nicht an sein Depot. Genau das ist der praktische Kern der Frage, ab wann sich ein zweiter Broker lohnt. Es geht nicht um Misstrauen gegen einen einzelnen Anbieter, sondern um Absicherung gegen Ausfälle, Kostennachteile und Zugangsgrenzen, die jeder einzelne Broker zwangsläufig hat.
  • Seit dem 17. Januar 2025 gilt für nahezu alle EU-Finanzunternehmen, auch für Broker, der Digital Operational Resilience Act (DORA). Die Verordnung verpflichtet die Institute zu einem systematischen Umgang mit IT-Risiken. Größere Störungen der Handelssysteme müssen dem zuständigen Regulator innerhalb von 24 Stunden gemeldet werden. Bei Verstößen drohen Bußgelder von bis zu zwei Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.
  • Die Vorschrift senkt die Wahrscheinlichkeit langer Ausfälle, schließt sie aber nicht aus. Systeme können auch bei bester Vorbereitung in Stressphasen an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen, wie die Vorfälle bei Trade Republic und Scalable Capital gezeigt haben.

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Die Einlagensicherung hat eine Obergrenze

Aktien und ETFs im Depot sind rechtlich Sondervermögen. Geht ein Broker insolvent, gehören die Wertpapiere weiterhin dem Kunden und müssen herausgegeben werden. Sie fallen nicht in die Insolvenzmasse. Das reduziert das Risiko eines Totalverlusts durch eine Broker-Pleite erheblich, schließt es aber nicht vollständig aus. Zwei Fälle bleiben ungedeckt oder nur begrenzt gedeckt.

Erstens Ansprüche aus fehlerhaft abgewickelten Wertpapiergeschäften. Hier greift die gesetzliche Anlegerentschädigung mit 90 Prozent der Forderung, maximal aber 20.000 Euro pro Kunde.

Zweitens Bargeld auf dem Verrechnungskonto. Ist der Broker selbst eine Bank, greift die reguläre Einlagensicherung bis 100.000 Euro. Ist der Broker keine Bank, sondern nur Wertpapierfirma, liegt das Geld meist bei einer Partnerbank, und es zählt deren Einlagensicherung. Die Details unterscheiden sich je nach Anbieter und sollten vor der Kontoeröffnung geprüft werden.

Bei einem Depotwert deutlich über 20.000 Euro ist die Anlegerentschädigung damit rechnerisch keine vollständige Absicherung mehr für Forderungen aus fehlgeschlagenen Transaktionen. Das spricht dafür, Vermögen bei wachsendem Depotwert auf mehrere Anbieter zu verteilen, auch wenn die eigentlichen Wertpapiere davon unberührt bleiben.

Im Entschädigungsfall meldet die zuständige Institution allen betroffenen Kunden, dass sie ihre Forderungen aus den Wertpapiergeschäften innerhalb eines Jahres anmelden müssen. Bis zur tatsächlichen Auszahlung können damit Monate vergehen, in denen Kunden nicht über das betroffene Guthaben verfügen können. Wer sein Vermögen auf zwei Broker verteilt, bleibt in dieser Zeit über den zweiten Zugang zumindest teilweise handlungsfähig.
Mehrere Broker nutzen

Der Handel über mehrere Broker hat besonders im Insolvenzfall Vorteile (Foto: Shutterstock/ fizkes)

Kein Broker deckt jeden Markt gleich gut ab

Der zweite Grund ist Marktzugang. Neobroker mit Fokus auf Sparpläne bilden oft nur einen Teil der weltweiten Börsenplätze ab. Manche beschränken sich auf Xetra, außerbörslichen Handel über Handelspartner und eine Auswahl an US-Standardwerten. Wer gezielt an ausländischen Heimatbörsen kaufen will, etwa um bei Dividenden Quellensteuervorteile zu nutzen, oder wer Zugang zu Neuemissionen sucht, stößt bei einem reinen Sparplan-Broker an Grenzen. Ein zweites Depot bei einem Anbieter mit breiterem Börsenzugang schließt diese Lücke, ohne das bestehende Sparplan-Depot aufzugeben.

Die Kombination ist in der Praxis üblicher als der vollständige Wechsel: ein Broker für den automatisierten, kostengünstigen Vermögensaufbau, ein zweiter für gezielte Einzelkäufe, Auslandsbörsen oder spezielle Produkte. Ein konkretes Beispiel sind Neuemissionen. Zeichnet ein Unternehmen an einer US-Börse ein IPO, bekommen Privatanleger über die meisten deutschen Sparplan-Broker keinen direkten Zugang zur Erstzuteilung.

Sie können die Aktie frühestens ab dem ersten Handelstag am Sekundärmarkt kaufen, oft bereits zu einem höheren Kurs als beim Ausgabepreis. Broker mit eigener IPO-Zeichnungsfunktion schließen diese Lücke, allerdings mit eigenen Risiken: Zuteilungsquoten sind begrenzt, und ein IPO-Kurs kann nach der Erstnotiz ebenso fallen wie steigen.

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Kosten unterscheiden sich je nach Nutzungsprofil

Kein Broker ist für jedes Handelsverhalten gleich günstig. Wer überwiegend ETF-Sparpläne bespart, profitiert von Anbietern mit kostenlosen oder besonders günstigen Sparplänen. Wer aktiver handelt oder größere Einzelorders aufgibt, fährt oft besser mit einem Pauschalmodell pro Order. Ein Broker, der bei Sparplänen am günstigsten ist, muss bei Einzelkäufen nicht zwangsläufig ebenfalls vorne liegen. Das gilt auch umgekehrt.

Wer beide Depotarten kombiniert, zahlt in der Regel weniger, als wenn er sein gesamtes Handelsverhalten bei einem einzigen Anbieter unterbringt, der nur für einen Teil davon konkurrenzfähig ist.

Ein Beispiel: Wer monatlich 200 Euro in einen ETF-Sparplan investiert und daneben zwei- bis dreimal im Jahr eine Einzelposition im Wert von mehreren Tausend Euro kauft, zahlt bei einem auf Sparpläne spezialisierten Broker für die Einzelkäufe häufig eine ungünstigere Pauschalgebühr als bei einem Anbieter mit transaktionsbasiertem Preismodell. Über mehrere Jahre summiert sich dieser Unterschied. Dem steht der Aufwand für ein zweites Depot gegenüber: ein zusätzliches Konto und eine weitere Jahressteuerbescheinigung. Das sollte mit den tatsächlich gehandelten Volumina abgewogen werden.
Mehrere Broker Depots

Bei mehreren Broker-Depots sollte man den Überblick über die Kosten behalten (Foto: Shutterstock/ Summit Art Creations)

Freedom24: Zugang zu 15 Börsenplätzen und Neuemissionen

Ein Beispiel für einen Broker, der gezielt die Lücken eines reinen Sparplan-Depots schließt, ist Freedom24. Die Ursprünge reichen bis 2008 zurück, als Timur Turlov mit 100.000 US-Dollar Startkapital Freedom Finance gründete, zunächst mit Fokus auf Märkte der ehemaligen Sowjetunion.

2015 übernahm die Gruppe das Unternehmen BMB Munai und firmierte anschließend als Freedom Holding Corp um, seit Oktober 2019 an der Nasdaq notiert unter dem Kürzel FRHC. 2024 wurde die europäische Handelsplattform in Freedom24 umbenannt, Ende 2024 war die Unternehmensgruppe in 22 Ländern aktiv.

  • In der EU wird Freedom24 über die Freedom Finance Europe Ltd mit Sitz in Zypern betrieben. Reguliert wird der Anbieter von der dortigen Finanzaufsicht CySEC unter der Lizenznummer 275/15, tätig im Rahmen der europäischen MiFID-II-Regeln.
  • Kunden erhalten über ein Konto Zugang zu 15 internationalen Handelsplätzen, darunter Xetra, die Frankfurter Börse sowie US-amerikanische und weitere europäische Börsen. Im „Smart“-Tarif entfällt die Depotgebühr.
  • Orders kosten eine Pauschale von 2 Euro zuzüglich 0,02 Euro pro gehandeltem Wertpapier, das Verrechnungskonto wird unabhängig von der Währung kostenfrei geführt. Über ein separates Zinskonto lässt sich nicht investiertes Guthaben in Euro und US-Dollar verzinsen.
  • Der praktisch relevanteste Unterschied zu vielen Sparplan-Brokern ist der Zugang zu Neuemissionen. Freedom24 ermöglicht Privatanlegern die Zeichnung von IPOs US-amerikanischer und europäischer Unternehmen, ein Segment, das bei klassischen deutschen Neobrokern in dieser Form meist nicht angeboten wird.
  • Für Kunden in der EU greift bei Freedom24 wie bei anderen zyprisch regulierten Wertpapierfirmen die Anlegerentschädigung des dortigen Investorenentschädigungsfonds mit denselben 90 Prozent beziehungsweise maximal 20.000 Euro, die auch für deutsche Broker gelten.
  • Wer bereits ein kostengünstiges Sparplan-Depot bei einem deutschen Anbieter führt, kann ein zweites Depot bei einem breiter aufgestellten Broker wie Freedom24 gezielt für Auslandsbörsen, Einzelaktienkäufe oder IPO-Zeichnungen nutzen, ohne die bestehende Sparplan-Struktur anzutasten. Beide Depots laufen dann parallel mit unterschiedlicher Funktion, statt sich gegenseitig zu ersetzen.
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Ab welcher Schwelle sich das lohnt

Eine pauschale Euro-Grenze gibt es nicht, drei Anhaltspunkte lassen sich aber benennen. Erstens die Einlagensicherung: Nähert sich das bei einem einzelnen Broker gehaltene Barguthaben oder die Forderungslage der 20.000-Euro-Grenze der Anlegerentschädigung, ist eine Aufteilung sinnvoll.

Zweitens der Marktzugang: Sobald ein einzelner Broker die gewünschten Börsenplätze oder Produkte, etwa IPOs, nicht abdeckt, rechtfertigt das ein zweites Depot unabhängig von der Depotgröße. Drittens die Handelsfrequenz: Wer regelmäßig sowohl spart als auch aktiv handelt, profitiert fast immer von zwei auf das jeweilige Verhalten zugeschnittenen Anbietern.

Wer dagegen ausschließlich kleine monatliche ETF-Sparraten bespart und selten oder nie einzelne Positionen kauft, hat mit einem einzigen, dafür sorgfältig ausgewählten Broker in der Regel keinen Nachteil. Ein zweites Depot verursacht zusätzlichen Verwaltungsaufwand, der sich erst ab einer gewissen Komplexität im eigenen Handelsverhalten auszahlt. In der Praxis entsteht der Wechsel selten als bewusste Entscheidung an einem einzigen Tag, sondern schrittweise: ein zusätzliches Depot für den ersten IPO-Versuch, eines für eine Auslandsaktie, die beim bisherigen Broker nicht handelbar war.

Wer diese Erweiterungen bewusst statt zufällig vornimmt, behält eher den Überblick darüber, welches Depot welchem Zweck dient. So lässt sich vermeiden, am Ende mehrere Konten mit überlappender Funktion und unnötigem Verwaltungsaufwand zu führen.

Verschiedene Broker nutzen

Der erweiterte Marktzugang ist ein Vorteil, wenn man mehrere Broker nutzt (Foto: Shutterstock/ Branislav Nenin)

FAQ: Mehrere Broker nutzen

Sind meine Aktien bei einer Broker-Pleite verloren?

Nein, in der Regel nicht. Wertpapiere gelten als Sondervermögen und bleiben Eigentum des Kunden, auch wenn der Broker insolvent wird. Betroffen von der gesetzlichen Anlegerentschädigung sind vor allem offene Forderungen aus fehlerhaft abgewickelten Geschäften sowie Bargeld auf dem Verrechnungskonto, falls der Broker keine eigene Bank ist.

Ab welchem Depotwert sollte ich über einen zweiten Broker nachdenken?

Eine feste Grenze gibt es nicht. Ein Richtwert ist die Anlegerentschädigung von maximal 20.000 Euro pro Kunde: Nähert sich das bei einem Anbieter gehaltene Barguthaben dieser Marke, sprechen Sicherheitsgründe für eine Aufteilung. Unabhängig von der Depotgröße kann sich ein zweiter Broker auch wegen fehlenden Marktzugangs oder ungünstiger Kosten für bestimmtes Handelsverhalten lohnen.

Bietet Freedom24 auch Sparpläne für ETFs an?

Der Schwerpunkt von Freedom24 liegt auf Einzelkäufen von Aktien, ETFs und Anleihen über 15 internationale Börsenplätze sowie dem Zugang zu IPOs. Wer regelmäßige automatisierte ETF-Sparpläne sucht, sollte die aktuellen Sparplanangebote direkt beim Anbieter prüfen, da sich das Angebot ändern kann.

Macht ein zweites Depot die Steuererklärung komplizierter?

Etwas mehr Aufwand entsteht, weil für jeden Broker eine eigene Jahressteuerbescheinigung anfällt und Verlustverrechnungstöpfe zwischen Anbietern nicht automatisch zusammengeführt werden. Wer den Sparerpauschbetrag über mehrere Broker per Freistellungsauftrag aufteilt, behält in der Regel dennoch den Überblick, sollte die Aufteilung aber bewusst vornehmen.

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