

Brent-Rohöl ist 2026 von unter 75 Dollar auf knapp 120 Dollar gestiegen und danach wieder gefallen und das alles innerhalb weniger Wochen. Auslöser waren US-israelische Militäroperationen gegen den Iran, eine zeitweise totale Blockade der Straße von Hormus die auch heute noch nicht wieder zu 100% befahrbar ist und die Frage, die seither nicht verschwunden ist: Wer liefert das Öl, wenn der Nahe Osten ausfällt?
Ende Februar begannen die USA und Israel koordinierte Angriffe auf Iran. Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus – durch die täglich rund 20 Prozent des weltweit gehandelten Öls fließen – kam weitgehend zum Erliegen. Brent stieg in der Spitze auf über 110 Dollar, WTI auf knapp 119 Dollar.
Seitdem hat sich der Preis wieder beruhigt. Brent notiert aktuell bei rund 97 Dollar (Stand: 25. Mai 2026), nach einer Jahresperformance von fast 60 Prozent. Goldman Sachs rechnet für den Jahresdurchschnitt mit etwa 85 Dollar und sogar mit einem Abwärtsszenario bei 71 Dollar, falls die Waffenruhe hält.
Der Preissprung war spektakulär. Interessanter ist allerdings, was er sichtbar gemacht hat: Die OPEC+ operiert näher an ihrer tatsächlichen Kapazitätsgrenze als öffentlich kommuniziert. Das Kartell kann den Preis regulieren, solange es Spielraum hat. Einen echten Ausfall dieser Größenordnung kann es nicht ersetzen.

Der Öl-Schock 2026 hat weite Kreise gezogen (Foto: Shutterstock / RuslanMN)
Acht OPEC+-Mitglieder haben ihre Tagesproduktion ab April 2026 um 206.000 Barrel erhöht. Das ist mehr als die 137.000 Barrel, die Analysten der Commerzbank erwartet hatten, und Saudi-Arabiens Förderziel liegt damit bei 10,2 Millionen Barrel pro Tag.
Die OPEC bringt hier keine neuen Kapazitäten auf den Markt. Sie nimmt lediglich alte Kürzungen zurück, die die Gruppe 2023 freiwillig beschlossen hat. Saudi-Arabien, Russland und die Golfstaaten können den Preis über ihre Fördermenge beeinflussen – aber nur in einem Korridor, der nach oben begrenzt ist.
Saudi-Arabien, Russland und die Golfstaaten können den aktuellen Preis stützen oder dämpfen, indem sie ihre Fördermenge variieren. Einen echten Schock aus der Straße von Hormus können sie nicht ersetzen. Dafür fehlen die Reserven und die Pipelines, die den Seeweg umgehen würden.
Die USA produzieren 2026 mehr Öl als jedes andere Land. Über 13 Millionen Barrel kommen dabei täglich aus Rohöl allein. Das Permian Basin in West-Texas und New-Mexico steuert davon kombiniert rund 7.000 bis 7.500 Millionen Barrel bei. Das ist mehr als Saudi-Arabiens größtes Einzelfeld.
Wenn der Brent-Preis über 90 Dollar hält, rechnen sich auch neue Bohrtürme im Permian. Und anders als in Staatskonzernen des Nahen Ostens können private US-Produzenten innerhalb von Monaten reagieren – nicht nach Ministerratsbeschlüssen und Kapitalfreigaben. Längere Horizontalbohrungen und verbesserte Fracking-Technologie haben die Ausbeute pro Bohrung in den letzten Jahren erheblich gesteigert.
Das Wachstum läuft allerdings nicht mehr so frei durch wie 2018. Nach einer Fusionswelle im Sektor priorisieren viele börsennotierte Produzenten Dividenden und Rückkäufe. Die EIA erwartet, dass die US-Gesamtproduktion bis Dezember 2026 auf 13,83 Millionen Barrel täglich steigt – von 13,24 Millionen im Januar. Solide, aber kein Schub wie nach dem Fracking-Boom.
Der Fokus liegt auf dem Nahen Osten. Gleichzeitig wächst Südamerika deutlich schneller als viele Anleger wahrnehmen. Guyana produziert heute rund 650.000 Barrel täglich. In einem Land mit 800.000 Einwohnern. ExxonMobil plant, die Produktion auf 1,3 Millionen Barrel zu steigern, was Guyana auf das Niveau Katars bringen würde.
Brasilien und Guyana können Öl zu rund 35 Dollar pro Barrel fördern, weniger als ein Drittel des aktuellen Marktpreises. Selbst bei 60 Dollar wären viele Projekte dort noch profitabel. Genau das macht beide Länder derzeit so interessant: Sie sind nicht auf einen hohen Ölpreis angewiesen, um zu wachsen.
Brasiliens Petrobras investiert zwischen 2025 und 2029 allein 111 Milliarden Dollar. Die Fördermenge soll laut Wood Mackenzie von 3,3 Millionen auf über 5,4 Millionen Barrel täglich steigen. Bis 2030 könnte Brasilien unter die fünf größten Ölproduzenten weltweit rücken. Ein Viertel des globalen Angebotswachstums bis 2028 soll aus Südamerika kommen.
Zwei Risiken sollten Anleger jedoch nicht unterschätzen. In Brasilien blockieren Umweltschützer und Teile der Regierung neue Explorationsgenehmigungen im Amazonas-Bereich, was Wachstumsprognosen bremsen könnten. Und Guyana liegt seit Jahren in einem Grenzstreit mit Venezuela, der zwar eingefroren, aber nicht gelöst ist.

Der Fokus der Öl-Förderung verschiebt sich (Foto: Shutterstock/ insta_photos)
Energie-ETFs auf Ölaktien sind kein direktes Ölpreis-Instrument. Sie bilden Unternehmen ab, die Öl fördern und die können auch bei stagnierendem Preis Wert schaffen, etwa durch Kostensenkungen oder Dividenden. Drei Produkte decken dabei unterschiedliche Szenarien ab:
Shell, TotalEnergies und BP als Kernpositionen. Rendite 2025: +28 Prozent. Für Anleger, die europäische Konzerne mit globaler Reichweite bevorzugen.
ExxonMobil, Chevron und ConocoPhillips dominieren. ExxonMobil ist über seine Guyana-Lizenzen direkt in einer der am schnellsten wachsenden Förderregionen aktiv.
Global aufgestellt mit Canadian Natural, EOG Resources und ConocoPhillips. Mehr Exploration, mehr Wachstum – aber auch mehr Schwankung als bei integrierten Großkonzernen.
Wer kurzfristig auf Ölpreisbewegungen reagieren will – etwa rund um eine OPEC+-Sitzung, neue US-Lagerdaten oder eine Eskalation in der Straße von Hormus – kann das über CFDs auf Brent oder WTI bei Capital.com tun. Die Plattform bietet beides ohne Kommission an; bezahlt wird über den Spread zwischen Kauf- und Verkaufspreis.
Der Hebel für Öl-CFDs liegt für Privatanleger bei maximal 1:10. Konkret: Mit 1.000 Euro Einsatz kontrolliert man eine Position von 10.000 Euro. Steigt der Ölpreis um 5 Prozent, macht das 500 Euro Gewinn oder aber eben auch 500 Euro Verlust. Capital.com stellt ein kostenloses Demokonto bereit, mit dem sich solche Szenarien ohne echtes Kapital risikoarm testen lassen.
CFDs sind jedoch kein Instrument für Anleger, die glauben, dass Öl über Monate steigen wird. Overnight-Finanzierungskosten laufen täglich auf und bei einem lang andauernden Trend mindern diese Kosten die Rendite oder fressen sie im schlimmsten Fall ganz auf. Für Positionen mit Zeithorizont über Wochen ist ein Energie-ETF oder eine Aktie das passendere Instrument.
Öl-Investitionen waren schon immer politisch fragil. Neu ist 2026 jedoch die Kombination: ein aktiver Krieg in einer der sensibelsten Förderregionen der Welt, eine OPEC+, die näher an ihrer Kapazitätsgrenze operiert als gedacht, und gleichzeitig ein strukturelles Angebotswachstum in Regionen, die bisher keine Hauptrolle gespielt haben.
Guyana hat das schnellste Produktionswachstum pro Kopf der Welt. Brasilien baut Kapazitäten auf, die in fünf Jahren sichtbar sein werden. Das Permian Basin liefert mehr als jedes OPEC-Mitglied außer Saudi-Arabien. Diese drei Regionen zusammen könnten den nächsten großen Angebotsschock abfedern – aber nicht sofort, und nicht ohne Vorlaufzeit.
Wer jetzt in Energietitel einsteigt, kauft in einem Markt, der durch Kriegsprämie aufgebläht ist. Fällt die weg – bei einer Einigung zwischen Washington und Teheran – kann der Preis schnell wieder auf 70 bis 80 Dollar rutschen. Das ist kein Argument gegen das Segment, aber ein Argument dafür, es nicht auf einmal voll zu besetzen.
Nein. Durch die Straße fließen täglich rund 20 Millionen Barrel, also fast ein Fünftel des weltweiten Handels. Das Permian Basin kann seine Produktion über Monate schrittweise steigern, aber nicht binnen Wochen Millionen Barrel täglich ersetzen. 2026 haben IEA und USA bereits strategische Reserven freigegeben, um den akuten Schock zu dämpfen. Das war eine Brücke, keine Dauerlösung. Mittel- bis langfristig würden alternative Routen und Förderregionen einspringen, aber das dauert.
Ein Öl-ETC bildet den Rohölpreis über Futures-Kontrakte nach. Er profitiert, wenn Öl steigt – verliert aber auch durch den Rollverlust, wenn auslaufende Kontrakte zu höheren Preisen erneuert werden müssen. Ein Energie-ETF investiert in Aktien von Ölunternehmen. Chevron verdient auch bei 80 Dollar pro Barrel gutes Geld. Ein Öl-ETC bei 80 Dollar liegt möglicherweise erheblich unter seinem Einstiegsniveau, wenn man zu Ölpreisen von 110 Dollar gekauft hat. Für Anleger mit langfristigem Zeithorizont sind Energie-ETFs in der Regel das sinnvollere Instrument.
Rezessionen dämpfen die Ölnachfrage, was den Preis drückt. OPEC+ reagiert üblicherweise mit Förderkürzungen, was den Fall etwas abfedert, aber nicht verhindert. 2020 hat man gesehen, wie dramatisch das kippen kann: Während der Corona-Lockdowns fiel WTI kurzzeitig unter null Dollar, weil Lagerkapazitäten fehlten. Das war ein Extremfall, aber er zeigt, dass Energie-Aktien kein defensives Investment sind. Für Produzenten mit sehr niedrigen Förderkosten wie in Guyana und Brasilien gilt das etwas weniger: Die sind auch bei 50 Dollar noch profitabel.
Die Pre-Salt-Felder vor Brasiliens Küste gehören zu den produktivsten Offshore-Feldern der Welt. Das Problem ist bekannt: Die brasilianische Regierung hat in der Vergangenheit Dividenden gedeckelt und Preispolitik über das Unternehmen betrieben. Wer das akzeptiert, bekommt eine günstig bewertete Wachstumsgeschichte. Wer es nicht will, findet über ExxonMobil denselben geologischen Vorteil in Guyana jedoch ohne staatlichen Einfluss.

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