

Eine Handelspolitik, die von Zöllen angetrieben wird und massive Verwerfungen an den Börsen – seit Donald Trump mit der Methode „Abrissbirne“ agiert, sind die Kurse am Aktienmarkt tiefrot. Viele Anleger schauen derzeit gebannt auf die großen Indizes, wie den Dow Jones oder DAX, als Barometer und erleben eine Phase mit massiven Kursverlusten. Die Entwicklung an den Finanzmärkten bleibt aber auch für den Anleihemarkt nicht folgenlos.
Der Rentenmarkt steht durch die Politik der USA genauso wie die Aktien unter erheblichem Druck. Verschiedene makroökonomische Faktoren und politische Entscheidungen ziehen massive Auswirkungen auf die Renditen und Kurse für Anleihen nach sich. Für einige Anleger sind die aktuellen Entwicklungen am Markt eine bittere Pille – in Form spürbarer Verluste.
Anleger erleben nicht nur ein massives Beben an den Aktienmärkten. Der Dow Jones und der S&P 500 haben allein am 10. März 2025 mehrere Prozentpunkte verloren. Besonders hart hat es den NASDAQ 100 getroffen, der fast vier Prozent eingebüßt hat. Am Rentenmarkt ist die Stimmung ähnlich angespannt. In den letzten Tagen sind die Kurse beispielsweise am deutschen Anleihenmarkt deutlich zurückgegangen.
Der Euro-Bund-Future als wichtiger Indikator hat in der Woche zwischen 04. März bis 11. März 2025 um mehr als vier Prozent nachgegeben. Für die starke Abwärtsbewegung am Anleihemarkt sind die Vereinbarungen zwischen den Parteien einer möglichen neuen Bundesregierung verantwortlich. Geplant sind mehrere hundert Milliarden Euro, die in Verteidigung und Infrastruktur investiert werden.
Ausgaben, die nicht durch Steuereinnahmen gedeckt werden, sondern mit hoher Wahrscheinlich über eine hohe Neuverschuldung zu finanzieren sind. Diese werden – davon gehen Investoren und Analysten aus – nur zu einem höheren Zinssatz aufzunehmen sein. Diese höheren Zinsen bedeuten, dass aktuell laufende Anleihen mit einem niedrigen Zinssatz am Anleihenmarkt nur noch mit Preisabschlägen gehandelt werden.
Mit den sinkenden Anleihekursen preist der Markt die möglichen Zinsänderungen bei den Staatsanleihen ein. Warum rechnen Analysten überhaupt mit höheren Zinsen? Die hohe Neuverschuldung lässt sich nur durch die umfassende Emission neuer Rentenpapiere realisieren – für welche Deutschland erst einmal Käufer finden muss. Und diese werden höhere Zinsen verlangen.

📈 Anleger erleben derzeit hohe Kursschwankungen an den Aktienmärkten/ Shutterstock/ insta_photos
Die aktuellen Entwicklungen am deutschen Anleihemarkt werden einerseits durch sinkende Kurse geprägt. Auf der anderen Seite erhöht sich die Anleiherendite (der Kapitalmarktzins für die Anleihen). Dieser ist in den zurückliegenden Tagen deutlich gestiegen. Ob sich diese Entwicklung fortsetzt, muss abgewartet werden. Bisher ist das neue Sondervermögen nur eine Vereinbarung zwischen den potenziellen Regierungspartnern CDU und SPD. Es ist keineswegs sicher, dass eine dafür nötige Änderung des Grundgesetzes auch wirklich in die Wege geleitet wird. Parallel steht längst nicht fest, in welchem Umfang die Investitionen vielleicht mit Einsparungen querfinanziert werden.
Der Anleihemarkt reagiert auf Zinsänderungen der Europäischen Zentralbank (EZB). Diese hat zwar erwartungsgemäß in der Sitzung vom 6. März 2025 eine Reduzierung der Zinsen bekannt gegeben. Allerdings gehen Ökonomen davon aus, dass es in absehbarer Zeit vorerst keine weiteren Zinssenkungen mehr geben wird.
Die vorsichtige Haltung der EZB speist sich aus mehreren Ursachen. Und es kommen neue Dynamiken hinzu. Nimmt das geplante Sondervermögen tatsächlich alle wichtigen Hürden und kann in seiner geplanten Form umgesetzt werden, ergeben sich daraus möglicherweise neue Impulse für die Inflationsrate. Steigende Zinsen wirken sich direkt auf den Anleihemarkt aus.
Aus Anlegersicht ist die aktuelle Entwicklung am Anleihemarkt ein zweischneidiges Schwert. Besonders, wer bereits Anleihen im Portfolio hält, muss derzeit Verlust in Kauf nehmen, da die Kurse am Anleihemarkt sinken (Bonds müssen nicht bis zum Ende der Laufzeit gehalten werden, sondern können am Rentenmarkt gehandelt werden).
Auf der anderen Seite ergeben sich damit auch Chancen für Trader, die bisher den Anleihemarkt nicht berücksichtigt haben. Wenn sich Bonds zu einem niedrigen Kurs einkaufen lassen, wächst die Rendite für den Fall, dass die Anleihen bis zum Schluss gehalten werden.

💡 Anleger mit Anleihen im Portfolio müssen derzeit Verluste verkraften/ Shutterstock/ Gorodenkoff
Dass Deutschland und Europa (auch andere NATO-Mitglieder wollen in Verteidigung investieren) neue Schulden machen werden, ist für Anleger ein wichtiges Signal. Wenn mit Anleihen neue Schulden finanziert werden, bietet der prognostizierte höhere Zins natürlich eine Investmentoption. Dies wirkt sich aber auch auf die Aktienmärkte aus.
Zieht die Verzinsung für die Anleihen an, fließt Kapital in der Regel aus dem Aktienmarkt ab (der hierdurch schwächer performt). Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ziehen am Ende auch eine höhere Volatilität am Anleihemarkt nach sich – auf die sich Anleger mit einer angepassten und robusten Strategie einstellen müssen.
Und natürlich gilt auch im Zusammenhang mit Anleihen der Grundsatz einer umfassenden Diversifikation. Eine breite Mischung in Staats- und Unternehmensanleihen zusammen mit inflationsgeschützten Bonds kann sich in schwankungsanfälligen Marktphasen als hilfreich erweisen.
Der Anleihemarkt gilt in den Augen vieler Anleger als im Vergleich zum Aktienmarkt stabil. Anfang März 2025 zeigt sich allerdings, wie anfällig auch Anleihen für Schwankungen sein können. Die Kurse am Bondmarkt sinken, was Ausdruck der aktuellen Rahmenbedingungen am Finanzmarkt ist. Die Aussicht auf neue Schulden Deutschlands und europäischer Länder treibt die Kurse für Anleihen nach unten – während die Renditen steigen. Eine Situation, die auf der einen Seite Tradern Verluste beschert. Anleger, die bisher keine Anleihen im Portfolio halten, können auf der anderen Seite von dieser Entwicklung profitieren. Und es sieht alles danach aus, als würde die Volatilität noch weiter anhalten.


Finanzielle Differenzgeschäfte (sog. contracts for difference oder auch CFDs) sind komplexe Instrumente und gehen wegen der Hebelwirkung mit dem hohen Risiko einher, schnell Geld zu verlieren. Der überwiegende Anteil der Privatkundenkonten verliert Geld beim CFD-Handel. Sie sollten überlegen, ob Sie verstehen, wie CFD funktionieren, und ob Sie es sich leisten können, das hohe Risiko einzugehen, Ihr Geld zu verlieren.