

Die globalen Finanzmärkte befinden sich inzwischen in einer umfassenden Transformation. Neue digitale Assets, eine wachsende Auswahl digitaler Werkzeuge – Stichwort Robo Advisor – und die zunehmende Zahl digital beeinflusster Handelsklassen unterstreichen, dass auch an den Börsen KI und Digitalisierung für Veränderungen sorgen.
Diese beeinflussen auch die Art und Weise, wie an den Handelsplätzen Trading realisiert wird. Entscheidungen werden heute zunehmend unter Zuhilfenahme digitaler Instrumente getroffen. Dank deren Einsatz lassen sich neue Möglichkeiten des Rund-um-die-Uhr-Handels realisieren, auf die auch zunehmend Privat- und Kleinanleger Zugriff haben. Was entsteht, ist eine Nebeneinander des klassischen Wertpapierhandels mit neuen, stark technikbasierten Möglichkeiten.
Im klassischen Börsenhandel teilen sich die Partizipationsmöglichkeiten für Anleger – in ein Zeitfenster, an dem die Börsen öffnen – um auf diese Weise das Trading „auf dem Parkett“ zu ermöglichen – und eine Marktphase mit einem Handelsvolumen außerhalb der regulierten Börsen. Dieser Zeitraum liegt außerhalb der regulären Handelszeiten und wird als OTC-Handel (Over The Counter) bezeichnet.

▶️ Anleger profitieren von der digitalen Transformation der Handelsplätze/ Shutterstock/ PeopleImages.com – Yuri A
Das Trading zu den regulären Handelszeiten hat aus Sicht der Anleger mehrere Vorteile. Ein wichtiger Punkt ist die verfügbare Liquidität im Markt. Je mehr Teilnehmer aktiv sind, desto mehr Chancen kann der Markt bieten und umso geringer ist das Risiko, auf der Gegenseite keinen Abnehmer für einen Kontrakt zu finden.
Bezogen auf eine globale Betrachtung der Handelszeiten ist das Trading beginnend mit 1 Uhr MEZ möglich. Zu diesem Zeitpunkt öffnet die Tokyo Stock Exchange in Japan und startet als erste Börse in den Handelstag. Um 2:30 Uhr kommen mit der:
drei weitere Handelsplätze auf dem chinesischen Festland hinzu – bevor ab 8 Uhr in Frankfurt gehandelt wird. Ab 9 Uhr ist das Trading in London und über Euronext möglich. In den Nachmittagsstunden erhöht sich die Liquidität im Markt noch einmal deutlich, wenn die Börsen in Übersee ab 15:30 Uhr einsteigen. Diese schließen nach MEZ um 22 Uhr.
Nach Börsenschluss können Anleger trotzdem noch nach- bzw. vorbörslich handeln – im Rahmen des OTC-Handels. Dieser findet direkt zwischen den Gegenparteien statt und ist ein Instrument, auf das oft institutionelle Anleger zugreifen. Inzwischen nutzen aber auch Privatanleger diese Form. Der Vorteil ist eine umfassende Flexibilität bei der Preisgestaltung und die Chance, maßgeschneiderte Finanzinstrumente zu handeln.
Auf der anderen Seite ergeben sich einige Nachteile. Dazu gehören das höhere Gegenparteirisiko und eine geringere Preistransparenz. Da die Anzahl der Marktteilnehmer in diesem Segment im Vergleich zum börslichen Handel deutlich abnimmt, ist im OTC-Handel weniger Liquidität verfügbar.
Angesichts der Möglichkeiten, welche sich aus dem Einsatz digitaler Tools für das Trading ergeben, wächst der Bedarf nach einer Anpassung der Handelszeiten und Möglichkeiten. Eine mögliche Idee für die Zukunft: Die Schaffung von Börsenplätzen, an denen KI-Tools rund um die Uhr handeln und Kontrakte austauschen.
Dass ein stark digitalisierter Handel realisierbar ist, zeigen DeFis (Decentralized Finance), die im Bereich der Krypto-Assets eine zunehmende Rolle spielen. Einen anderen Weg geht 24X National Exchange – die als erste „Rund-um-die-Uhr Börse“ Ende 2024 eine Zulassung der US-Aufsichtsbehörde SEC (Securities and Exchange Commission) erhalten hat.

➡️ Die 24X National Exchange bietet eine neue Marktdynamik/ Shutterstock/ PeopleImages.com – Yuri A
Über ein breites Zeitfenster zu handeln, hat aus Anlegersicht Vorteile. Erweiterte Handelszeiten erlauben es, umgehend auf globale Ereignisse und Nachrichten zu reagieren. Da diese direkt in die Kurse eingepreist werden, lässt sich das außerbörslich verursachte Slippage-Risiko verringern. Hintergrund: Marktbeeinflussende Nachrichten, die außerhalb der Handelszeiten publik werden, ziehen eine starke Variabilität der Eröffnungskurse im Verhältnis zum letzten Schlusskurs nach sich.
Auf diese Weise verhindert der Rund-um-die-Uhr Handel das Entstehen von Preisgaps. Parallel bietet sich über das 24-Stunden-Trading eine Verbesserung der Integration globaler Märkte in das eigene Portfolio und eine Optimierung der Preisfindungsprozesse durch den kontinuierlichen Marktzugriff.
Rund um die Uhr handeln zu können, stellt Anleger aber auch vor gewisse Herausforderungen. Ein Aspekt, der nicht unterschätzt werden darf: Die verringerte Liquidität bewirkt eine Änderung der Spreads und führt zu einer potenziell höheren Volatilität. Zwischen institutionellen und Privatanlegern kann es zudem zu einer Informationsasymmetrie kommen, da die erste Anlegergruppe oft über umfassende Ressourcen verfügt. Zusätzlich besteht das Risiko eines selektiven Marktzugangs, wenn der 24-Stunden-Handel an regulatorische Grenzen stößt.
Eine kontinuierlicher Überblick und Zugriff ist besonders für Assets und Märkte von Vorteil, die grundsätzlich von einer hohen Volatilität gekennzeichnet sind – was auf Kryptowährungen zutrifft. Da es sich um eine Assetklasse handelt, die bisher keiner umfassenden Regulierung durch die Börsenaufsichten handelt, bieten Krypto-Börsen Anlegern 24/7 den Zugang in die Märkte an.

💡 Im 24 Stunden Handel lassen sich Volatilitäten sofort ausnutzen/ Shutterstock/ Have a nice day Photo
Ein hohes Slippage-Risiko durch Ereignisse und Nachrichten nach Handelsschluss ist nur ein Nachteil, den die festen Handelszeiten an den Börsen haben. Mit dem OTC-Handel umgehen Trader diese Einschränkung zwar, sehen sich aber neuen Herausforderungen gegenüber. Mit 24X als erster Handelsplatz, der 23 Stunden an Handelstagen öffnen will, bewegt sich die Regulierung in Richtung des Rund-um-die-Uhr Tradings. Dass dieses Konzept in der Praxis funktionieren kann, machen Krypto-Börsen vor, die Anlegern einen umfassenden Marktzugang ermöglichen.

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